Périgord – Frankreichs geheimnisvolle Genussregion mit Karin Denzler

Shownotes

In dieser Folge spreche ich mit Karin Denzler, Schweizerin, Wanderführerin und seit vielen Jahren im Périgord zu Hause. Gemeinsam erkunden wir eine Landschaft aus Flusstälern, Eichenwäldern und mittelalterlichen Dörfern – und am Ende entsteht die Idee für eine Genussreise.

Sie hören unter anderem:

– was der Unterschied zwischen Périgord und Dordogne ist
– warum sich Beynac und Castelnaud im Hundertjährigen Krieg gegenüberstanden
– was man im Château des Milandes über Joséphine Baker erfährt
– wie ein Markttag im Dorf abläuft und was man auf einer Brocante findet
– wo Karin Denzler am liebsten wandert und warum man mittags reservieren sollte
– wie eine 14-tägige Genussreise durch das Périgord aussehen könnte

Für wen ist diese Folge besonders interessant?

Für Menschen, die

– eine Region mit viel Geschichte und wenig Hektik suchen
– gern wandern und dabei Burgen, Höhlen und Dörfer entdecken
– Märkte, Produzenten und regionale Küche lieben
– das Périgord noch nicht kennen und neugierig darauf sind

Orte und Stationen aus der Folge

– Beynac-et-Cazenac, Castelnaud, Domme und La Roque-Gageac
– das Château des Milandes
– die Burg Commarque
– La Roque Saint-Christophe, La Madeleine und Lascaux IV
– Sarlat und die Region Bergerac
– Paunat
– Rocamadour und der Gouffre de Padirac

Kulinarische Eindrücke aus der Folge

– der schwarze Périgord-Trüffel und Trüffelbutter
– Walnüsse und Walnussöl aus alten Steinmühlen
– Gans und Ente in der Bauernküche
– Eier, Käse und Gemüse vom Produzentenmarkt
– Restauranttipp: Chez Julien in Paunat

Reisetipp aus der Folge

Wandern Sie zwischen Beynac, Castelnaud und Domme an der Dordogne entlang – am schönsten im Frühling und im Herbst. Und reservieren Sie mittags, sonst gibt es nach 15 Uhr nichts mehr.

Weiterführende Inspiration

Eine individuelle Reise durch das Périgord ist in Planung. Wenn Sie zu den Ersten gehören möchten, die davon erfahren, schreiben Sie an info@tourexquisit.de mit dem Betreff „Périgord“. Ich melde mich persönlich, sobald die Reise buchbar ist.

Das Transkript zum Nachlesen: https://tourexquisit.de/perigord-genussregion-podcast/

Transkript anzeigen

00:00:00:

00:00:04: Bienvenue bei „À table!“, dem Frankreich-Podcast von Tour Exquisit mit Antje Seele.

00:00:10: Hier hören, schmecken und erleben Sie Frankreich auf vielfältige Weise – mit Menschen, die dem Land verbunden sind.

00:00:20: „Es kann geschehen, dass Frankreich eines Tages aufhört zu existieren, aber das Périgord wird überleben, ganz wie die Träume, mit denen sich die menschliche Seele nährt.“

00:00:30: Das schrieb Henry Miller über eine Region im Südwesten Frankreichs.

00:00:35: Was ist das für eine Landschaft, über die ein Schriftsteller so spricht?

00:00:40: Was macht eine Region so zeitlos und eigenständig, dass sie beinahe unabhängig vom Rest des Landes erscheint?

00:00:47: Darüber spreche ich heute mit einer Frau, die das Périgord nicht nur bereist, sondern dort lebt.

00:00:53: Karin ist Schweizerin, Wanderführerin und seit vielen Jahren im Périgord zu Hause.

00:00:58: Willkommen, liebe Karin Denzler!

00:00:59: Schön, dass Sie da sind.

00:01:01: Vielen Dank, liebe Antje Seele.

00:01:04: Ich freue mich sehr, dabei zu sein.

00:01:05: Erzählen Sie doch mal: Wie begann Ihre Beziehung zum Périgord?

00:01:09: Ja, wie begann das?

00:01:10: Das begann

00:01:11: mit Urlaub, also mit Urlaubsreisen.

00:01:15: Immer wieder mal in eine andere Ecke des Périgord. Und was uns hier immer fasziniert hat,

00:01:21: das ist einfach die Atmosphäre, der Mix aus Geschichte, aus Vorgeschichte wirklich. Dass man irgendwo geht und das Gefühl hat: Man weiß, hier haben schon vor 30.000 Jahren Menschen gelebt.

00:01:41: Die Geschichte ist wirklich an jeder Ecke fassbar, wo man hinkommt.

00:01:45: Und das in Kombination mit dieser, ja, man kann schon sagen, lieblichen Landschaft, einer Hügellandschaft, den Felsen, den Flusstälern, aber auch den Weinfeldern.

00:01:57: Das hat uns immer wieder fasziniert, und wir sind immer wieder sehr gerne hierher zurückgekommen.

00:02:03: Der Fluss spielt eine große Rolle.

00:02:05: Das ist die Dordogne.

00:02:06: Wir machen heute eine Premiere: Wir sprechen nämlich über eine Region, die ich selbst fast gar nicht kenne.

00:02:13: Ich bin einmal durchs Périgord durchgefahren, aber ich kenne selbst sehr wenig.

00:02:19: Deswegen brenne ich für dieses Interview.

00:02:25: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen der Dordogne und dem Périgord?

00:02:28: Das

00:02:28: ist genau das Gleiche.

00:02:29: Von der Fläche her ist es gleich. Périgord ist einfach die alte Bezeichnung, bevor Frankreich nach der Französischen Revolution in Départements eingeteilt wurde. Dann hat man das Département nach dem Fluss Dordogne genannt.

00:02:48: Aber von der Fläche her ist es wirklich nahezu identisch, man kann sagen, wirklich identisch.

00:02:54: Seit wann wohnen Sie dort?

00:02:56: Seit Jahrzehnten auch.

00:02:59: Genau!

00:02:59: Wie muss man sich das vorstellen, wohnen Sie da in einem Dorf,

00:03:02: in einer Stadt?

00:03:05: Ich wohne auf dem Dorf.

00:03:07: Ein bisschen außerhalb des Dorfs, auf dem Hügel. Da kann ich mit dem Fahrrad in zwei Minuten ins Dorf hinuntersausen, zum Markt.

00:03:14: Zum Beispiel heute Morgen ist gerade Markt, da gehe ich nachher gleich noch hin.

00:03:19: Es ist ein kleines Dorf, zweieinhalbtausend Einwohner, aber sehr lebendig. Und es ist ein ganz spezielles Dorf, weil 20 Prozent der festen Einwohner Englisch sprechen.

00:03:31: Das ist von der Atmosphäre her sehr, sehr speziell.

00:03:35: Das sind Engländer, oder?

00:03:37: Ja, größtenteils Engländer, aber auch Australier und Amerikaner.

00:03:42: Im Moment kommen sehr viele Amerikaner in diese Richtung, in die Dordogne, und vielleicht allgemein nach Frankreich – das weiß ich jetzt nicht –, aber auf jeden Fall in diese Region.

00:03:51: Das ist ein Trend, der im Moment sehr stark sichtbar ist.

00:03:56: Können Sie mir das Lebensgefühl, das Sie dort haben, in drei Worten beschreiben, oder in fünf?

00:04:03: Man nimmt sich mehr Zeit füreinander. Also Worte:

00:04:08: Okay, noch Worte.

00:04:11: Zeit, Genießen, Geselligkeit, also Convivialité, das ist immer ein bisschen schwierig, auf Deutsch in ein Wort zu fassen,

00:04:23: die Weite und schöne Natur.

00:04:27: Sie haben es vorhin schon so beschrieben: Es ist eine sehr geschichtsträchtige Region.

00:04:34: Warum gibt es da so eine hohe Dichte an Burgen und Schlössern?

00:04:39: Das ist eigentlich meistens auf den Hundertjährigen Krieg im Mittelalter zurückzuführen, als sich England und Frankreich bekämpft haben. Es ist also eine Grenzregion.

00:04:56: Was man heute noch hat, sind zum Beispiel die zwei großen Burgen an der Dordogne, das Château de Castelnaud und das Château de Beynac.

00:05:05: Die eine Burg blieb immer französisch, Beynac.

00:05:08: Und Castelnaud war englisch.

00:05:12: Die stehen beide auf hohen Felsen links und rechts des Flusses.

00:05:15: Die bekämpften sich, und so gibt es einfach wirklich sehr viele Zeitzeugen,

00:05:21: vor allem aus jener Zeit, mit den Burgen.

00:05:27: Im Französischen gibt es ja eigentlich nur das Wort Château.

00:05:31: Es gibt aber einen Unterschied zwischen Wehrburgen und Schlossanlagen.

00:05:35: Und es gibt ein Schloss, das mit Joséphine Baker in Verbindung gebracht wird.

00:05:42: Das ist, glaube ich, das Château des Milandes.

00:05:43: Wie ist das?

00:05:45: Waren Sie da schon?

00:05:47: Ja, ja, auf jeden Fall.

00:05:48: Mehrmals, gerne immer wieder.

00:05:50: Es ist einfach wunderschön, und wenn man dahin geht … Der Schlosspark ist auch wunderschön.

00:05:57: Und wenn man hineingeht, kann man das sehr gut mit dem Audioguide machen.

00:06:01: Der deutsche Audioguide ist wirklich supergut, und es gibt dort noch viele originale

00:06:08: Dinge von Joséphine Baker, aus ihrem Leben und aus der Kinderstube all ihrer Kinder, die sie adoptiert hat.

00:06:16: Das fühlt sich wirklich an wie ein Gang durch ihr Leben.

00:06:19: Sehr faszinierend.

00:06:23: Facetten aus ihrem Leben, die ich vorher nicht kannte.

00:06:27: Man kennt sie ja als Sängerin und Tänzerin, aber ich wusste nicht, dass sie zum Beispiel auch Widerstandskämpferin war.

00:06:33: Das ist wirklich sehr, sehr faszinierend und lohnt sich auf jeden Fall, finde ich, für einen Besuch.

00:06:39: Ist das eines Ihrer Top drei,

00:06:41: wenn Sie sagen sollten, welche Schlösser man besuchen müsste?

00:06:44: Ja, absolut, von den Schlössern auf jeden Fall.

00:06:48: Haben Sie noch ein, zwei Tipps?

00:06:51: In Bezug auf Burgen oder Schlösser?

00:06:54: Beides.

00:06:55: Beides!

00:06:57: Auf jeden Fall das Château de Beynac. Das finde ich wirklich das Imposanteste eigentlich.

00:07:03: Wirklich in Kombination mit dem Dorf selbst, dem Dorf Beynac-et-Cazenac,

00:07:09: das so quasi unten am Fels über der Dordogne klebt.

00:07:14: Ganz steile Gassen mit Kopfsteinpflaster hinauf, und es ist so wunderschön,

00:07:19: einfach hinauf zu diesem Château, unbedingt!

00:07:21: Und auch da gibt es sehr, sehr gute deutsche Audioguides, und man macht wirklich eine wunderschöne Zeitreise.

00:07:29: Ganz, sehr lohnenswert.

00:07:31: Sonst finde ich persönlich die Burg Commarque sehr, sehr lohnenswert.

00:07:35: Das ist nur eine Ruine, aber die ist wirklich so was von beeindruckend,

00:07:42: in so einem ganz verwunschenen kleinen Seitental, wo es wirklich überhaupt nichts gibt,

00:07:47: irgendwie.

00:07:47: Wirklich grüne Wälder, moosüberwachsene Bäume, da geht man so hin, und das ist wirklich sehr, sehr faszinierend.

00:07:55: Und auch da gibt es einen sehr, sehr guten Audioguide, mit dem man sich in eine andere Welt transportieren lassen kann.

00:08:02: Ich kriege schon richtig Lust, dahin zu fahren!

00:08:05: Was wir noch nicht besprochen haben: Geben Sie unseren Hörern doch mal eine geografische Einordnung.

00:08:11: Wo liegt die Dordogne beziehungsweise das Périgord überhaupt?

00:08:15: Das liegt gut 100 Kilometer östlich von Bordeaux.

00:08:19: Also wirklich im Landesinneren. Vom Klima her hat der Atlantik einen ziemlichen Einfluss.

00:08:26: Das heißt, es ist angenehm, gemäßigt,

00:08:31: weniger extrem als vielleicht ganz im Süden des Landes.

00:08:34: Es regnet auch ein bisschen mehr. Obwohl ich ganz ehrlich sagen muss: In den letzten Jahren kann es im Sommer auch mal 40 Grad werden, und dann auch ein paar Tage nacheinander über 40 Grad.

00:08:45: Im Sommer ist es eher trocken, und im Winter fällt ziemlich viel Niederschlag.

00:08:51: Aber sehr gemäßigt, ein sehr angenehmes Klima.

00:08:54: Ich

00:08:54: interessiere mich immer besonders für Architektur. Neben den Schlössern und Burgen gibt es ja auch diese Troglodyten, diese Höhlenwohnungen.

00:09:03: Was genau ist das eigentlich?

00:09:06: Das sind Höhlenwohnungen, in denen die Menschen gelebt haben, sogenannte Abris, also eigentlich Felsvorsprünge.

00:09:15: Und einer der markantesten ist La Roque Saint-Christophe, das ist wirklich auch einer der höchsten Felsen, die bewohnt waren.

00:09:26: Das war eine Stadt im Fels, und es ist wirklich genial, wenn man sich anguckt, wie sie auf einem Riesenfels in der Landschaft thront, neben der Vézère.

00:09:38: Es ist wahnsinnig beeindruckend, wie die Leute da gelebt haben.

00:09:42: Man wird hindurchgeführt und sieht, wo sie ihre Tiere geschlachtet haben, wo die Küche war, wie sie ihr Feuer gemacht und wie sie sich verteidigt haben.

00:09:54: Sehr, sehr spannend, wirklich über viele Jahrhunderte hinweg.

00:09:58: Das sind eigentlich Felsvorsprünge, wenn man so will.

00:10:02: Also Felsunterschlüpfe.

00:10:06: Ich habe das in anderen Regionen schon gesehen.

00:10:10: Gibt es auch noch welche, die bewohnt sind, oder sind sie alle museal?

00:10:13: Inzwischen sind sie museal, ja. Aber es gibt zum Beispiel La Madeleine.

00:10:22: Das liegt auch wirklich im Fels, und da haben, wenn ich es richtig habe, bis 1969 oder so wirklich noch Leute gewohnt.

00:10:31: Und man kann sich bei den Felswohnungen teilweise noch angucken, wie die Wohnungen im 20. Jahrhundert ausgesehen haben.

00:10:42: Die Felswohnungen – das gibt es also schon!

00:10:44: Und die sonstige Architektur?

00:10:45: Wie ist sie?

00:10:46: Was ist das für ein Stein?

00:10:47: Wie ist die Baukultur im Périgord?

00:10:49: Also vor allem im Périgord noir,

00:10:51: da spreche ich über die Region um Sarlat.

00:10:53: Das ist ganz im Osten der Dordogne.

00:10:56: Dort gibt es auch die größte Dichte an Sehenswürdigkeiten, die größte Dichte an Burgen und Höhlen.

00:11:05: Und die Architektur: Das sind ockerfarbene Steine, wunderschöne Steinhäuser.

00:11:13: Der Ockerton kommt vom eisenhaltigen Boden.

00:11:21: Sehr, sehr schön.

00:11:22: Das ist eher Richtung Sarlat. Im Périgord pourpre zum Beispiel, das ist die Region Bergerac, sieht man das etwas anders.

00:11:33: Auch Steinhäuser, aber der Stein ist eher ein bisschen weiß, also eher richtig Richtung Weiß und nicht mehr die typische Ockerfarbe.

00:11:42: Aber es sind diese typischen Natursteinhäuser mit den großen Blöcken?

00:11:45: Ja, ganz genau!

00:11:48: Dann haben Sie gesagt, Sie fahren heute Morgen,

00:11:51: wenn wir unser Gespräch beendet haben, noch zum Markt.

00:11:54: Erzählen Sie doch mal: Woran erkennt man denn einen guten Produzentenmarkt?

00:11:59: Einfach an den vielen Kleinproduzenten, die dort

00:12:04: ihre Produkte verkaufen.

00:12:05: Ich habe da meinen Käsehändler und die Gemüsefrau, die auch Hühner hat, und dann nehme ich die Eier mit. Die Eier gibt es in allen Farben und Formen, und die schmecken auch echt anders.

00:12:20: Sie sagt: Ah, was möchtest du machen?

00:12:22: Möchtest du eine Mousse au Chocolat machen?

00:12:24: Ach so, ja!

00:12:25: Dann nimmst du diese, weil die besonders lecker ist für die Konsistenz und so.

00:12:28: Das ist einfach so, man kennt sich halt auch.

00:12:31: Das ist so schön an den Kleinproduzenten: Die sind oft mit viel Leidenschaft und auch Idealismus dabei.

00:12:40: Denn viel Geld verdienen die meist nicht.

00:12:43: Die kommen gerade so rund, aber sie brennen für ihre Produkte und stecken all ihre Leidenschaft hinein. Ich finde das ganz wunderbar, und es ist wirklich ein Privileg, solche Produkte kaufen zu können.

00:12:57: Und auch die Menschen zu unterstützen und die Beziehung zu ihnen zu pflegen.

00:13:01: Das finde ich etwas ganz Schönes.

00:13:04: Hier ist immer Donnerstagvormittag Markt.

00:13:06: Das dauert dann jeweils bis halb eins.

00:13:09: Da gehe ich auf jeden Fall immer sehr gerne auf den Markt.

00:13:10: Und das ist ja auch so ein Platz, an dem sich alle treffen.

00:13:13: Da kommt ja das ganze Dorf zusammen!

00:13:16: Ja, genau.

00:13:17: Das ist schon so, auf jeden Fall im Winter. Im Sommer, wenn dann doch viele Besucher da sind, verändert sich die Atmosphäre etwas.

00:13:25: Auch die Größe der Märkte verändert sich sehr stark.

00:13:28: Wenn es bei uns jetzt, sagen wir, 30 Stände sind, sind es im Sommer 120.

00:13:35: Das ist wirklich ein großer Unterschied.

00:13:38: Und dann habe ich etwas ganz Interessantes auf Ihrer Website gelesen, das ich nämlich auch nicht weiß. Ich habe es mir extra nicht durchgelesen,

00:13:44: nur die Überschrift angeschaut.

00:13:47: Was

00:13:48: ist der Unterschied zwischen einer Brocante und einem Vide-Grenier?

00:13:52: Ah ja, genau!

00:13:54: Auf einer Brocante findet man eher qualitativ bessere Stücke, das sind häufig Antiquitätenhändler, die ihre Dinge verkaufen.

00:14:07: Das ist ein anderes Segment.

00:14:11: Der Vide-Grenier ist wirklich der klassische Flohmarkt,

00:14:14: auf dem man seinen Dachboden räumt und seine Dinge verkauft.

00:14:20: Womit ich aber absolut nicht sagen will, dass man dazwischen nicht auch mal gute Stücke findet, auf jeden Fall!

00:14:26: Und wo finden denn regelmäßig gute Brocantes statt?

00:14:30: Überall, wirklich. Wir haben jetzt ganzjährig eine Brocante, die ist hier sehr beliebt, am letzten Sonntag des Monats in unserem Dorf.

00:14:41: Aber eigentlich finden sie das ganze Jahr statt, und in jedem Dorf gibt es sie.

00:14:50: Es gibt spezielle Websites, auf denen alle aufgeführt sind und man sich informieren kann.

00:14:57: Auf jeden Fall kann man vom Frühling bis in den Oktober jede Woche,

00:15:01: ich würde sagen, wahrscheinlich sogar mehrmals, irgendwo eine Brocante oder einen Vide-Grenier besuchen.

00:15:06: Es hört sich an, als könnte man einfach losfahren, die Märkte besuchen, ein bisschen herumschlendern

00:15:12: und dann zu einer Burg fahren. Ganz großartig.

00:15:17: Mir war das Périgord immer als Genießerregion bekannt,

00:15:22: es ist aber auch eine Wanderregion.

00:15:25: Ja, auf jeden Fall.

00:15:28: Die Wanderwege sind so was von wunderschön!

00:15:32: Man muss sich das vorstellen: Man hat wirklich die Wälder. Gerade in der Region Sarlat gibt es sehr viele Eichenwälder, und daher kommt auch der Name Périgord noir,

00:15:41: nicht wegen des schwarzen Trüffels, den es ja auch gibt, klar, sondern wegen der vielen Eichenwälder, also Eichen- und Kastanienwälder.

00:15:49: Das ist einfach wunderschön.

00:15:51: Die Wege sind ganz alte Pfade, zum Teil schon wirklich römische Wege, Karrenwege, die dort angelegt wurden. Man muss sich vorstellen, sie sind mit Steinen ausgelegt,

00:16:01: links und rechts Trockensteinmauern, mit Moos überwachsen.

00:16:05: Und auch die Bäume sind häufig mit Moos überwachsen.

00:16:08: Wirklich märchenhaft!

00:16:10: Zwischendurch gibt es immer wieder wunderschöne Ausblicke, weil es ja doch …

00:16:14: sanfte Hügel sind, aber doch 200, 250 Meter hoch.

00:16:19: Da kommt man immer wieder auf eine Anhöhe oder hat einen Ausblick auf den Fluss.

00:16:25: Ich finde es sehr, sehr attraktiv

00:16:27: zum Wandern. Wanderungen lassen sich auch sehr gut verbinden,

00:16:32: mit dem Besuch eines Châteaus zum Beispiel oder eines Walnussmuseums, oder man geht unterwegs bei einem Trüffelbauern vorbei. Das lässt sich alles sehr gut kombinieren. Oder man genießt ein feines Mittagessen.

00:16:45: Das geht natürlich auch!

00:16:47: Man muss ein bisschen aufs Timing schauen: Wenn man nach drei Uhr, um 15 Uhr, ankommt, ohne zu reservieren, dann gibt es halt nichts mehr.

00:16:55: Keine

00:16:55: Chance, darauf haben wir schon öfter hingewiesen.

00:17:01: Haben Sie eine Lieblingswanderung,

00:17:02: eine Lieblingsroute?

00:17:04: Ja, auf jeden Fall.

00:17:05: Also der absolute … Ich habe viele Routen, die mir gefallen.

00:17:10: Aber rein touristisch gesehen ist es entlang der Dordogne oder der Vézère schon wunderschön.

00:17:18: Entlang der Vézère geht es eher um die Höhlen und die Höhlenwohnungen,

00:17:22: also richtig um Vorgeschichte.

00:17:26: Und entlang der Dordogne sind es wirklich die Burgen aus dem Mittelalter.

00:17:31: Da geht man am Fluss entlang, auf dem Sandweg, und dann taucht auf der rechten Seite ein großer Fels auf, und darauf thront eine Burg.

00:17:41: Da geht man hinauf, schaut sich vielleicht die Burg an, dann weiter auf schönen Waldwegen, und dann kommt man wieder an den Fluss.

00:17:47: Ich finde es wunderschön zwischen Beynac, Castelnaud und Domme.

00:17:51: Das sind auch alles Dörfer der „Plus beaux villages de France“.

00:17:54: Davon gibt es wirklich einige in der Region.

00:17:57: Das ist touristisch gesehen einfach ein Hit.

00:17:59: Es ist wunderschön!

00:18:03: Ist es voll?

00:18:06: Also im

00:18:07: August. – Aber sonst, im Frühjahr und im Herbst?

00:18:10: Nein!

00:18:11: Ich weiß nicht, ich finde das auch immer schwierig zu verstehen.

00:18:16: Während der Schulferien gibt es ab April ein bisschen mehr Leute.

00:18:21: Im Frühling und im Herbst ist es wirklich wunderschön.

00:18:25: Man hat eher das Gefühl, man hat alles für sich. Und im August füllt es sich dann sehr, sehr stark.

00:18:32: Und

00:18:32: wenn ich so an der Dordogne entlangwandere, würde ich mir am liebsten gleich auch ein Boot mieten.

00:18:38: Geht das da auch?

00:18:39: Ja, das ist wunderschön.

00:18:41: Man muss je nach Saison ein bisschen gucken.

00:18:44: Im Juli und August eher nicht spontan, dann muss man einfach vorreservieren.

00:18:50: Aber es geht auf jeden Fall. Man kann zum Beispiel auch ein Stück mit dem Kanu fahren, seine Sachen ins Kanu nehmen und dann weiterwandern, so von A nach B.

00:19:02: Dann haben Sie eben Trüffel und Walnüsse angerissen. Das sind die Dinge, für die das Périgord kulinarisch steht.

00:19:11: Mir fällt sofort der Périgord-Trüffel ein.

00:19:14: Ja, auf jeden Fall!

00:19:15: Und welche Rolle spielen die Trüffel heute im Périgord?

00:19:20: Schon eine starke Rolle.

00:19:23: Das ist auf jeden Fall etwas, das sehr beliebt ist.

00:19:26: Es gibt zum Beispiel in Sarlat ein ganzes Trüffel-Event, bei dem alles rund um den Trüffel organisiert wird.

00:19:34: Und auf dem Teller findet man ihn natürlich oft in guten Restaurants. Das wird schon sehr, sehr zelebriert.

00:19:42: Wir waren zum Beispiel vor zwei Wochen bei einem schönen Event auf einem sehr guten Weingut, da spielte ein Pianist, in so einem schönen Weingut.

00:19:56: Dann gab es natürlich auch einen Apéro mit den Weinen.

00:19:59: Da war auch ein Trüffelbauer dabei und hat seine Trüffelbutter gemacht.

00:20:06: Und das war so herrlich!

00:20:08: Das wird richtig zelebriert

00:20:10: und von den Leuten selbst sehr, sehr geschätzt.

00:20:14: Das hört sich auch wieder danach an, dass man sich für solche Dinge einfach Zeit nimmt und sie genießt, und dass es auch über Stunden gehen kann.

00:20:22: Ja, absolut!

00:20:25: Wie muss man sich die Restaurants vorstellen?

00:20:28: Einfache Auberges und ambitionierte Restaurants gibt es wahrscheinlich nebeneinander, wie überall …

00:20:34: Auf jeden Fall.

00:20:35: Es gibt eine ganz urige Küche, ein bisschen Bauernküche.

00:20:43: Das ist auch nicht die leichte Küche wie die mediterrane.

00:20:48: Es wird sehr fleischhaltig gekocht.

00:20:53: Gänse und Enten kommen häufig auf den Teller.

00:20:58: Aber das kann man wirklich genießen, in einem Sternerestaurant absolut oder in einem gut gehobenen Restaurant.

00:21:07: Oder ganz einfach, und auch das kann absolut lecker sein.

00:21:12: Haben Sie ein Lieblingsrestaurant, in das Sie mit guten Freunden gehen würden?

00:21:18: Ja, auf jeden Fall!

00:21:20: Das ist das Chez Julien in Paunat.

00:21:23: Das ist ein Hit. Es liegt neben der Abteikirche, und das Restaurant ist in der ehemaligen Pfarrwohnung untergebracht.

00:21:34: Es hat auch eine ganz wunderschöne Terrasse, und es ist super, super lecker!

00:21:41: Preislich im Mittelsegment, aber qualitativ … und die Gastfreundschaft ist sehr schön.

00:21:51: Klingt super!

00:21:53: Dann sagten Sie noch, es gibt dort viele Walnüsse?

00:21:56: Auf jeden Fall, ganze Haine.

00:21:59: Die wachsen da besonders gut?

00:22:01: Ja, ja, schon.

00:22:02: Und auch schon sehr lange.

00:22:05: Früher hat man das Öl für die Öllampen gebraucht, und man hat es gegessen.

00:22:11: Das war so multifunktional.

00:22:14: Inzwischen wird einfach das Walnussöl verwendet, das ist so was von lecker.

00:22:18: Es gibt wirklich noch alte Walnussmühlen, die aus dem Mittelalter stammen, in denen die Leute früher Mehl und Nüsse gemahlen haben. Die sind wieder hergerichtet, alte Steinmühlen, auch wunderschön anzusehen.

00:22:36: Und wenn man da hineinkommt, riecht es so lecker,

00:22:39: wenn die Nüsse auf dem Stein gemahlen werden.

00:22:42: Es ist wunderschön!

00:22:44: Und sehr, sehr lecker.

00:22:45: Das war es wirklich.

00:22:46: Ja,

00:22:46: wenn man das alles zusammennimmt, schreit das ja danach, dass wir mal eine Reise planen.

00:22:53:

00:22:53: Ja, sehr gerne!

00:22:55: Also jetzt mal das Gedankenspiel: Wir planen eine vielleicht 14-tägige Genussreise.

00:23:01: Was ich jetzt verstanden habe:

00:23:02: Man braucht auf jeden Fall ein bisschen Zeit!

00:23:04: Ich würde sagen, man bräuchte vielleicht drei Standorte. Wo würden Sie so eine

00:23:09: Reise beginnen?

00:23:10: Von Bordeaux her beginnen, und dann vielleicht zuerst das Périgord pourpre machen, also die Region Bergerac, und dort wirklich auch Weinverkostungen einplanen.

00:23:22: Die Landschaft ist dort auch schön, ein bisschen offener.

00:23:26: Da gibt es nicht so viel Wald, dafür Weinfelder. Und dann würde ich mich langsam Richtung Sarlat vorarbeiten.

00:23:34: Und eventuell sogar noch ein Stück des Quercy mitnehmen, also Rocamadour und den Gouffre de Padirac vielleicht auch noch besuchen, weil das schon sehr, sehr lohnenswert ist.

00:23:45: Das ist nicht so weit ab von Sarlat, eine Stunde Fahrt.

00:23:49: Aber es kommt immer darauf an, wie viel Zeit man hat.

00:23:54: Da muss man schon zwei Wochen haben.

00:23:58: Ja, das ist ja aber … Wir planen unsere Reisen immer so, dass man vielleicht zwei, drei verschiedene Standorte hat, gerne mit ein bisschen Zeit,

00:24:05: damit man auch mal eine Wanderung machen kann. Und nach allem, was ich gerade gehört habe, gibt es dort so viel zu sehen, dass das überhaupt kein Problem sein sollte. Ich finde, kürzer macht auch keinen Sinn,

00:24:17: gerade in Frankreich, wo es so viel um Genuss geht.

00:24:21: Ich könnte mir auch vorstellen, dass man zum Beispiel eine geführte Wanderung mit Ihnen integriert.

00:24:26: Sie sind ja auch Wanderführerin, oder?

00:24:28: Ja, auf jeden Fall!

00:24:30: Sehr

00:24:30: schön.

00:24:30: Mal einen Tag mit jemandem zu verbringen, der einem einen Landstrich wirklich aus dem Nähkästchen erklärt, finde ich ganz toll.

00:24:41: Und wie sieht es aus mit einer Trüffelsuche oder einem Kochkurs?

00:24:44: Würden Sie so etwas auch in eine Reise integrieren?

00:24:47: Unbedingt.

00:24:48: Auf jeden Fall!

00:24:49: Ich finde schon, dass das für mich ein bisschen dazugehört.

00:24:54: Ja, schon, weil es eine Kombination aus Genusskultur und Aktivsein ist.

00:25:01: Man kann das gestalten, wie man möchte, aber ich finde, auf diese Weise kommt das Périgord am meisten zu seinem Recht.

00:25:11: Weil das alles so gut zusammenpasst.

00:25:15: Es macht ja auch Sinn: Wenn man so viel essen und probieren möchte, müssen wir uns ein bisschen bewegen.

00:25:21: Ja, genau!

00:25:23: Das hört sich wunderbar an.

00:25:25: Gibt es irgendetwas, das auf so einer Reise

00:25:27: auf gar keinen Fall fehlen darf?

00:25:31: Wir

00:25:31: haben jetzt schon viel genannt.

00:25:33: Oder nennen Sie doch noch mal die Orte, die man sich unbedingt angeschaut haben muss.

00:25:40: Das sind wirklich die Klassiker.

00:25:42: Das Château de Beynac, das Château des Milandes, dann die Orte Domme, La Roque-Gageac, Castelnaud … Und auch Lascaux IV,

00:25:53: mit den prähistorischen Höhlenmalereien, der Nachbau ist auch sehr, sehr interessant.

00:26:00: Und ich finde auch La Roque Saint-Christophe unbedingt.

00:26:02: Es gibt so viele, es ist schwierig, genau.

00:26:06: Wunderbar!

00:26:07: Wir treffen uns im Périgord?

00:26:09: Ja, gerne!

00:26:12: Sie sagen ja, Sie sind seit dem Jahr 2018 …

00:26:15: Leben Sie dort?

00:26:16: Wie ist der Ausblick?

00:26:16: Bleiben Sie

00:26:17: dort?

00:26:18: Na ja, ich wüsste nicht,

00:26:20: warum nicht.

00:26:21: Ich sage nie, es ist für immer, aber wir haben jetzt ganz bestimmt nicht vor, schnell wegzugehen.

00:26:31: Wunderbar.

00:26:32: Dann habe ich ja Zeit, mal in die Region zu reisen, und dann können wir bestimmt mal eine schöne Wanderung zusammen machen?

00:26:38: Ja!

00:26:38: Da würde ich mich sehr

00:26:39: freuen.

00:26:41: Eine Reiseplanung steht bestimmt auch an.

00:26:44: Schön.

00:26:45: Da freue ich mich.

00:26:46: Sehr schön.

00:26:47: Liebe Frau Denzler, ich danke Ihnen sehr für das Gespräch.

00:26:50: Es freut mich, und es ist ganz spannend, sich eine Region erklären zu lassen, die man selbst noch gar nicht kennt. Echt mal was Neues.

00:26:59: Ich stelle nur fest, ich hätte vorher frühstücken sollen!

00:27:01: Nach all den Genussgesprächen muss ich das unbedingt gleich nachholen.

00:27:09: Bon appétit dann!

00:27:10: Dankeschön!

00:27:13: Tschüss, bis bald!

00:27:16: Karin hat am Ende unseres Gesprächs fünf Worte gewählt, die das Périgord für sie zusammenfassen: Zeit, Genießen, Geselligkeit, Weite und Ruhe.

00:27:26: Und ehrlich gesagt: Danach war für mich klar, hier muss eine Reise entstehen.

00:27:31: Und genau daran arbeiten wir gerade!

00:27:33: Eine individuelle Selbstfahrerreise durch das Périgord, mit Wanderungen auf alten römischen Pfaden, einer optionalen Trüffelsuche bei einem lokalen Bauern oder einem Kochkurs,

00:27:43: und mit Karin als Insiderin vor Ort und vielleicht auch als Ihre Wanderführerin.

00:27:48: Die Reise ist noch nicht buchbar. Aber wenn Sie zu den Ersten gehören möchten, die davon erfahren, dann schreiben Sie mir eine kurze Mail an info@tourexquisit.de mit dem Betreff „Périgord“ – mehr braucht es nicht!

00:28:01: Ich melde mich persönlich bei Ihnen, sobald die Reise steht.

00:28:05: Alle Infos zu Tour Exquisit und unseren weiteren kuratierten Reisen finden Sie auf tourexquisit.de.

00:28:12: Wenn Ihnen diese Folge gefallen hat, freue ich mich, wenn Sie den Podcast abonnieren und ihn an jemanden weiterleiten, der auch von Frankreich träumt.

00:28:20: Bis zum nächsten Mal!

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