Ikigai auf Französisch – Was japanische Lebenskunst mit Frankreich zu tun hat
Shownotes
Auf Reisen gehe ich gerne in Bahnhofsbuchläden. Am liebsten greife ich zu einem Thema, das ich noch gar nicht kenne. So bin ich zu Ikigai gekommen – einem Buch über japanische Lebenskunst, das gerade auf meinem Nachttisch liegt. Und beim Lesen traf mich ein Gedanke ganz unverhofft: Das kenne ich. Sehr gut sogar. Ikigai beschreibt fünf Prinzipien: klein anfangen, loslassen lernen, Harmonie und Nachhaltigkeit leben, die Freude an kleinen Dingen entdecken und im Hier und Jetzt sein. Das ist kein japanisches Geheimnis. Das ist in seiner gelebten Form genau das, was ich seit fast 20 Jahren in Frankreich erlebe. Savoir-vivre, nur anders formuliert. Klein anfangen bedeutet in Frankreich: der erste Morgen einer Reise gehört dem Ankommen. Kein Programm, kein Muss. Kaffee, ein Croissant, der Blick aus dem Fenster. Wer diesen Moment zulässt, startet anders in den Tag – und in die Reise. Regelmäßigkeit schlägt Intensität. Das gilt für Gewohnheiten genauso wie für Urlaub. Loslassen heißt nicht, planlos zu reisen. Es bedeutet, den Unterschied zwischen Struktur und Kontrolle zu kennen. Flanieren – das bewusste Unterwegssein ohne festes Ziel – ist eine Kunst, die man in Frankreich auf Schritt und Tritt üben kann. Sich treiben lassen, ohne sich zu verlieren. Was von einer Reise bleibt, sind selten die Sehenswürdigkeiten. Es sind die kleinen Dinge: ein Gespräch mit einem Winzer, der die Geschichte eines besonderen Stückes erzählt. Eine Einladung zum Abendessen, die aus einem kurzen Halt wurde. Frankreich bietet diese Momente nicht als Programmpunkt – sie entstehen, wenn man bereit ist, sie zu sehen. Und schließlich das Hier und Jetzt. Nirgendwo erlebe ich das greifbarer als am Esstisch. In Frankreich ist eine Mahlzeit kein notwendiger Halt zwischen zwei Terminen. Sie ist Zeit. Gespräch. Genuss. Präsenz. Ikigai und Savoir-vivre – zwei Kulturen, die unterschiedlicher kaum sein könnten, und die doch dasselbe sagen: Das gute Leben liegt nicht im Mehr, sondern im Bewussteren. Und Frankreich ist der Ort, an dem Sie das nicht nur lesen, sondern spüren können. Wenn Ihnen diese Folge etwas gegeben hat, teilen Sie sie gerne. Gute Dinge werden mehr, wenn man sie teilt. Möchten Sie Frankreich so erleben? Ich freue mich auf Ihre Nachricht: www.tourexquisit.de/kontakt Und wenn Sie regelmäßig Inspiration aus Frankreich möchten – mein Newsletter „À table!" erscheint alle zwei Wochen, immer donnerstags: www.tourexquisit.de/newsletter
Transkript anzeigen
00:00:00: Bienvenu bei Atable, dem Frankreich-Podcast von Tour Exquisit mit Altje Seele.
00:00:12: Hier hören, schmecken und erleben sie Frankreich auf vielfältige Weise – mit Menschen die dem Land verbunden sind!
00:00:20: Immer wenn ich auf Reisen bin, sondern als wenn ich Zug fahre gehe in den Bahnhöfen in einem Buch laden und schaue was es Neues gibt.
00:00:28: Am liebsten ein Thema das ich noch gar nicht kenne.
00:00:31: So bin ich zu diesem Buch gekommen dass gerade auf meinem Nachtisch liegt.
00:00:35: Es heißt Iki Gai.
00:00:37: Der Auto ist Kenmugi und der Untertitel lautet die japanische Lebenskunst.
00:00:43: Und wenn Sie jetzt denken, was hat Japan mit Frankreich zu tun?
00:00:47: Genau darum geht es in diesem Podcast!
00:00:51: Ikigai beschreibt eine Lebensphilosophie, die sich in fünf Prinzipien zusammenfassen lässt.
00:00:57: Kleinen Anfang loslassen lernen Harmonie- und Nachhaltigkeit leben Die Freude an kleinen Dingen entdecken ihm hier und jetzt sein.
00:01:09: Und als ich das gelesen habe, musste ich kurz innehalten.
00:01:13: Bei mir klar wurde – Das ist kein japanisches Konzept!
00:01:17: Das ist in seiner gelebten Form genau das was ich seit fast zwanzig Jahren in Frankreich erlebe.
00:01:23: Das ist Savoer-Vivre nur anders
00:01:26: formuliert.".
00:01:28: In der letzten Folge hab' ich darüber gesprochen warum Erholung kein Luxus isst?
00:01:33: Warum wir als Menschen die viel leisten weite
00:01:36: brauchen?!
00:01:36: Perspektivwechsel, Momente ohne Agenda.
00:01:41: Heute möchte ich noch einen Schritt weitergehen und Ihnen zeigen dass Frankreich nicht nur ein Reiseziel ist sondern eine Einladung anders zu leben zumindest für ein paar Tage und vielleicht auch darüber hinaus.
00:01:56: Kleinanfang der erste Morgen Kleinanfang.
00:02:00: das ist das erste Prinzip Und Ich muss dabei sofort an den ersten Morgen einer Reise denken.
00:02:07: Sie sind angekommen, vielleicht nach einer längeren Fahrt.
00:02:11: Sie haben zu Abend gegessen und sind wahrscheinlich müde ins Bett gefallen.
00:02:15: Ihre Unterkunft?
00:02:16: Ein Schamperdot?
00:02:18: Ein Landhaus?
00:02:19: Vielleicht ein Weingut?
00:02:21: Jetzt wachen sie auf!
00:02:22: Die Sonne scheint in ihr Zimmer – es ist still.
00:02:26: Vielleicht riecht es nach Lavendel oder nach Holz oder nach frischem Café, weil die Gastgeberin sich schon erwartet.
00:02:34: Und dann passiert etwas
00:02:35: Merkwürdiges.".
00:02:36: Sie tun nichts.
00:02:39: Sie liegen einfach noch einen Moment da, nehmen ihre Umgebung wahr, schauen aus dem Fenster atmen ein und merken wie sich etwas löst.
00:02:50: Das ist kein großer Moment, kein Highlight das man fotografiert aber es ist der Moment in dem sie klein anfangen wirklich ankommen.
00:03:01: Klein Anfang heißt im Frankreich Ein Blick auf den Garten, mehr braucht es nicht.
00:03:09: Und genau das ist für viele meiner Kunden die größte Herausforderung und die größste Befreiung, weil sie es gewohnt sind dass alles sofort groß sein muss – effizient, produktiv!
00:03:23: Und hier sagt ihnen alles fang klein an Es reicht.
00:03:28: Ähnlich ist es wenn wir eine neue Gewohnheit erlernen möchten Wir beginnen nicht damit gleich eine halbe Stunde Sport zu machen oder wenn wir es tun, dann hören wir wahrscheinlich schnell wieder auf.
00:03:40: Vielleicht reichen erst mal fünf Minuten.
00:03:42: Regelmäßigkeit ist wichtiger als Intensität und ein erster Schritt in die richtige Richtung ist das was es braucht.
00:03:51: Loslassen – Das zweite Prinzip Und wahrscheinlich das schwierigste gerade für Menschen wie sie und mich.
00:03:59: Ich erzähl Ihnen etwas Meine Reisen sind durchgeplant Jeder Tag hat eine Struktur Empfehlung, Reservierung.
00:04:07: Aber – und das ist der wichtige Punkt – Sie sind so geplant dass sie loslassen können.
00:04:12: Dass sie nicht müssen sondern dürfen!
00:04:16: Das klingt wie ein Widerspruch… Ist aber keiner.
00:04:19: Loslassen funktioniert nur wenn man sich sicher fühlt.
00:04:23: Wenn man weiß jemand hat sich das gut überlegt.
00:04:26: Die Unterkunft ist schön, das Restaurant ist reserviert Der Weg ist klar Und innerhalb dieses Rams Da ist Freiheit.
00:04:36: Dann können Sie spontan an einem Weingut anhalten, dass sie von der Straße aus sehen.
00:04:41: Dann könnten Sie eine Stunde länger am Frühstückstisch sitzen, weil das Gespräch mit dem Gastgeber so schön ist oder Sie können den Umweg nehmen, weil die Landschaft sie einlädt.
00:04:51: In Frankreich gibt es dieses wunderbare Wort Flanie.
00:04:55: Flanieren – ohne Ziel gehen sich treiben lassen.
00:05:00: Das ist kein Zeitverlust!
00:05:02: Das ist Kulturtechnik und eine, die wir oft verlernt haben.
00:05:07: Meine Kunden sagen mir oft nach der Reise Wir haben gar nicht alles geschafft was im Plan stand Aber es war perfekt.
00:05:14: Und genau das ist der Punkt.
00:05:16: Loslassen heißt nicht kein Plan zu haben Was heisst dem Plan nicht ausgeliefert zu sein.
00:05:23: Das dritte Prinzip Harmonie-und Nachhaltigkeit.
00:05:27: Das klingt groß aber ich meine damit etwas ganz ganz einfaches Dass eine Reise nicht endet, wenn sie nach Hause kommen.
00:05:36: Wenn Sie berichten wir haben Freunde davon inspiriert oder dass er schließt sich erst, wer man dort ist.
00:05:43: Das sind keine Sätze über einen Urlaub das sind Sätze Über ein Erfahrung die weiter lebt.
00:05:50: und ich glaube genau dann passiert das was eine reise Nicht nur schön sondern stimmig macht wenn alles zusammengepasst hat Die unterkunft die landschaft das tempo die begegnung.
00:06:02: Dann nimmt man etwas mit, das größer ist als Fotos und Souvenirs.
00:06:06: Man nimmt eine Haltung mit – Eine Erinnerung daran wie es sich anfühlt wenn man sich Zeit nimmt Wenn man genau hinschaut Wenn man genießt ohne sich zu rechtfertigen Und vielleicht ganz vielleicht ändert das auch ein kleines bisschen Wie man den Alltag danach lebt.
00:06:26: Nicht alles aber ein bisschen.
00:06:28: ein längeres Frühstück am Sonntag, ein bewusstes Abendessen – die Entscheidung nicht immer erreichbar zu sein.
00:06:37: Das ist Nachhaltigkeit im eigentlichen Sinne, nicht im ökologischen, obwohl Frankreich mit dem Auto erreichba ist und das auch seinen Wert hat, sondern im menschlichen Sinne.
00:06:48: Etwas das nachwirkt.
00:06:49: Das bleibt!
00:06:51: Etwas des Spuren hinterlässt wie ein echtes Fotoalbum mit eingeklebten
00:06:56: Bildern.".
00:06:57: Nicht die Mediathek auf dem Handy, sondern eine kleine Auswahl von Eindrücken – die ganze Welten im Kopf wieder entstehen lässt.
00:07:06: Die Freude an kleinen Dingen Das ist das vierte und vielleicht das französischste aller Prinzipien.
00:07:13: Ich denke dabei an einen Abend in der Provence.
00:07:16: ich saß auf einer Terrasse, zwar noch warm, die Zikaden waren zu hören Und vor mir stand ein Glas Grosé Blick über die Weinberge.
00:07:27: Nichts Besonderes, kein toller Wein.
00:07:29: Aber das Licht war so wie es nur in der Provence sein kann – dieses goldene weiche Licht kurz vor Sonnenuntergang.
00:07:37: und ich dachte Das ist es!
00:07:39: Das ist der Moment fürs Puysi-Album.
00:07:43: Nicht das Programm, nicht die Sehenswürdigkeiten dieser Momente.
00:07:48: Frankreich ist voll von solchen Momenten.
00:07:50: Der Marktbesuch am Samstagmorgen, wo der Händler ihnen eine Feige zum Probieren gibt die in ihrem Mund schmilzt.
00:07:58: Der Boulanger, der ihn erklärt warum sein Brot anders schmeckt und welche geheimen Zutaten er verwendet.
00:08:05: Der Winzer, der sie in seinen Keller führt und ihm nicht seinen teuersten Wein zeigt sondern den auf dem er besonders stolz ist.
00:08:13: Das sind keine buchbaren Erlebnisse.
00:08:16: das sind Begegnungen Und sie passieren, wenn man langsam genug unterwegs ist um Sie zu bemerken.
00:08:22: Ein Besuch eines Antiquitätenmarktes unter den Platanen und plötzlich finden sie sich mitten in einem Gespräch über die Familiengeschichte des Verkäuferes weil er die Herkunft eines besonderen Stückes erzählt.
00:08:36: Das ist mir schon passiert und endete mit einer Einladung zum Abendessen in eben diesem geschichtsträchtigen Haus.
00:08:44: wunderbar Ikigai nennt das die Freude an kleinen Dingen entdecken, Frankreich nennt das Leben.
00:08:53: Im Hier und Jetzt sein!
00:08:54: Das letzte Prinzip und das was in Frankreich am greifbarsten wird – am Esstisch.
00:09:01: Kennen Sie das?
00:09:01: Sie sitzen in einem Restaurant, sie haben bestellt und dann passiert erst mal nichts.
00:09:08: Kein Kellner der drängt, kein Teller der sofort kommt stattdessen ein Aperot, ein Stück Brot, Zeit.
00:09:17: Am Anfang macht das unruhig, gerade uns.
00:09:21: Wir sind es gewohnt dass alles schnell geht Das Effizienz ein Wert ist, dass man die Zeit nutzt.
00:09:27: Aber hier in diesem Restaurant, in diesen Moment gibt's nichts zu nutzen.
00:09:32: Es gibt nur Dasein Vielleicht sogar mit dem Blick aufs Meer Auf einer schönen Terrasse In einem tollen Familienrestaurant In einem Bistro Gucken Genießen Und dann kommt der erste Gang.
00:09:48: Und es ist nicht einfach nur Essen, er isst einen Anfang – Der Anfang eines Abends, der sich entfaltet wenn man ihn lässt.
00:09:57: Gang für Gang, Gespräch für Gespräch!
00:10:00: Und irgendwann merken sie Sie haben zwei drei Stunden am Tisch gesessen und es war keine einzige Minute zuviel.
00:10:08: Das iß Chavoa Vivre in seiner reinsten Form Nicht Genuss als Konsum sondern Genuss Als Präsenz Als Entscheidung jetzt hier zu sein, nicht beim nächsten Termin.
00:10:20: Nicht bei der E-Mail die noch wartet – Hier!
00:10:23: Und das ist übrigens auch der Grund warum ich bei meinen Reisen am ersten Abend immer ein Tisch reserviere weil dieser erste Abend den Ton setzt.
00:10:32: Er sagt ab jetzt gelten andere Regeln Langsamerer Bessere Kein Blick auf das Handy kein.
00:10:41: Ich muss aber noch einfach da sein den Moment genießen, den Wein das wunderbare Essen und das Gegenüber dem Menschen oder den Menschen mit denen wir hier am Tisch sitzen die volle Aufmerksamkeit schenken.
00:10:55: Wirklich ins Gespräch kommen zuhören und vielleicht etwas ganz Neues erfahren.
00:11:01: Iki-Gai uns servo viva Japan & Frankreich zwei Kulturen die unterschiedlicher kaum sein könnten und jedoch dasselbe sagen.
00:11:11: Das gute Leben liegt nicht im Meer, sondern im Bewusster.
00:11:16: Und Frankreich ist der Ort an dem sie das nicht nur lesen, sondern spüren können – am Frühstückstisch, auf dem Markt, am Abendtisch und einer Landstraße durch die Weinberge!
00:11:27: Wenn Sie Lust haben, das zu erleben, nicht als Konzept, sondern als wirkliche Reise, dann schreiben Sie mir.
00:11:34: Ich erzähle Ihnen gerne welche Region zu Ihnen passen könnte ganz unverbindlich, ganz persönlich Und wenn Sie jemanden kennen, dem diese Folge gefallen könnte, teilen sie sie gerne.
00:11:45: Das ist das schönste an guten Dingen!
00:11:48: Sie werden mehr, wenn man sie teilt.
00:11:50: Bis zur nächsten Folge nehmen Sie sich Zeit für die kleinen Dinge.
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