Bonjour le Tour: Zwischen Pau, Tourmalet und Gavarnie, die Pyrenäen als Dach der Tour

Shownotes

Die Tour de France erreicht die Pyrenäen: Etappe 6 führt von Pau über den Col du Tourmalet, 2.115 Meter hoch. Ich nehme Sie mit in eine Region, die für mich immer auch ein Übergang war – zwischen Deutschland und Spanien, zwischen Alltag und Ferien. Nicht aus dem Fahrradsattel, sondern vom Rücksitz des gelben Passats meines Vaters.

Sie hören unter anderem:

– warum sich die Pyrenäen erst erschließen, wenn man langsam reist
– warum die Aussicht vom Boulevard des Pyrénées in Pau zu den schönsten Frankreichs gehört
– warum der Tourmalet seit 1910 zur Tour gehört und was er für die Fahrer bedeutet
– wie ein Sommer als Studentin in einem Schlösschen bei Pau war
– warum Lourdes ein Ort voller Widersprüche ist
– wie sich der Cirque de Gavarnie anfühlt

Für wen ist diese Folge besonders interessant?

Für Menschen, die

– die Tour de France verfolgen und die Region dahinter entdecken möchten
– gern durch Berge und über Pässe reisen
– Hirtenküche, Käse und regionale Spezialitäten schätzen
– die Pyrenäen abseits der großen Routen kennenlernen möchten

Orte und Stationen aus der Folge

– Pau, das Schloss Heinrichs IV. und der Boulevard des Pyrénées
– der Col du Tourmalet
– L’Escala an der Costa Brava mit Blick auf die Pyrenäen
– Tarbes und die Vorpyrenäen
– Lourdes und ein stilles Hotelkloster im Hinterland
– der Cirque de Gavarnie

Kulinarische Eindrücke aus der Folge

– Garbure, der kräftige Eintopf der Bauern und Hirten
– Ossau-Iraty, Schafskäse aus dem Baskenland
– Konfitüre aus schwarzen Kirschen aus Itxassou

Reisetipp aus der Folge

Nehmen Sie sich Zeit für Umwege: Die Pyrenäen verändern sich von Tal zu Tal. Und probieren Sie Ossau-Iraty mit Kirschkonfitüre aus Itxassou – salziger Käse und süße Frucht.

Weiterführende Inspiration

Wenn Sie die Pyrenäen nicht nur bereisen, sondern wirklich kennenlernen möchten, finden Sie auf unserer Website unsere individuelle Reise vom Atlantik bis zum Mittelmeer. Sie bildet die Grundlage für ein individuelles Reiseangebot:

https://tourexquisit.de/reiseangebot-atlantik-bis-mittelmeer/

Diese Folge habe ich, wie jede Episode von „À table!“, vollständig allein geschrieben, gesprochen, aufgenommen und geschnitten. Ich freue mich über Ihr Feedback und über eine Bewertung des Podcasts.

Das Transkript zum Nachlesen: https://tourexquisit.de/pyrenaeen-pau-tourmalet-gavarnie-podcast/

Transkript anzeigen

00:00:00: „À table!“, der Frankreich-Podcast von Tour Exquisit mit Antje Seele.

00:00:09: Bonjour le Tour – eine Reise von Katalonien bis Paris auf den Spuren der Tour de France 2026.

00:00:17: Diese Serie ist meinem Vater gewidmet.

00:00:20: Heute: die Pyrenäen.

00:00:25: Die Landschaft verändert sich langsam.

00:00:27: Erst sind es nur sanfte Hügel am Horizont. Dann werden die Konturen schärfer, die Straßen beginnen zu steigen, und hinter den letzten Feldern zeichnen sich Gipfel gegen den Himmel ab.

00:00:38: Die Tour de France erreicht heute die Pyrenäen.

00:00:42: Etappe 6 führt von Pau über den Col du Tourmalet, 2.115 Meter hoch, einer der berühmtesten Anstiege der Welt.

00:00:52: Für viele Fahrer ist das heute der erste wirkliche Härtetest dieser Tour.

00:00:56: Die Beine brennen, der Atem wird kürzer, und der Berg nimmt keine Rücksicht auf die Tagesform.

00:01:02: Wer hier Schwäche zeigt, verliert Zeit.

00:01:04: Wer hier stark ist, setzt ein Zeichen.

00:01:08: Heute nehme ich Sie mit in eine Region, die für mich immer auch ein Übergang war – zwischen Deutschland und Spanien, zwischen Alltag und Ferien, zwischen Mittelmeer und Frankreich.

00:01:20: Nicht aus dem Fahrradsattel, sondern vom Rücksitz eines gelben Passats.

00:01:25: Mit Blick auf meinen Vater am Steuer, der lieber in die Landschaft schaute als auf die Straße.

00:01:32: Die Pyrenäen sind kein Gebirge, das sich einem erschließt, wenn man nur schnell hindurchfährt.

00:01:37: Sie verändern sich ständig, auf engem Raum, manchmal von Tal zu Tal.

00:01:42: Grüne Wiesen, Hochweiden, Wasserfälle, Schluchten, schroffe Felswände – und dann ein Dorf, das aussieht, als hätte es sich an den Hang geklammert und nie wieder losgelassen.

00:01:54: Im Westen, im Baskenland, ist das Klima atlantisch: feucht, grün, mild.

00:02:00: Im Osten, Richtung Katalonien, wird es mediterran, trockener, sonniger und auch steiniger.

00:02:08: Dazwischen liegt eine Vielfalt, die kaum ein anderes Gebirge Europas bietet.

00:02:14: Über Jahrhunderte lebten die Menschen hier vergleichsweise abgeschieden – viele Dörfer waren im Winter nur schwer erreichbar.

00:02:21: Bis heute ist die Kultur der Pyrenäen eng mit den Bergen verbunden.

00:02:25: Noch immer ziehen Hirten mit ihren Herden auf die Sommerweiden, noch immer wird Käse hergestellt nach Rezepten, die über Generationen weitergegeben wurden.

00:02:34: Und noch immer erzählt man sich Geschichten von Schmugglern, die nachts über die Pässe gingen.

00:02:40: Mit Tabak, Salz … was gerade gebraucht wurde.

00:02:43: Manche dieser Wege kann man heute noch erwandern.

00:02:47: Die Pyrenäen waren nie nur eine Grenze zwischen Frankreich und Spanien, sie waren immer auch eine Verbindung.

00:02:54: Von L’Escala an der Costa Brava, wo ich als Kind meine Sommer verbracht habe, sieht man an klaren Tagen die Pyrenäen.

00:03:02: Schneebedeckte Gipfel, die aus dem Dunst auftauchen – das Mittelmeer davor, die Berge dahinter.

00:03:09: Vielleicht ist genau das die erste Erinnerung, die mich mit diesem Gebirge verbindet.

00:03:14: Es war nie einfach nur weit weg – es war immer schon da, am Horizont.

00:03:19: Pau und der Tourmalet.

00:03:21: Pau ist die Stadt, von der aus die Tour heute startet, und sie verdient viel mehr Aufmerksamkeit, als sie meistens bekommt.

00:03:28: Die Stadt liegt auf einer Anhöhe über dem Fluss Gave de Pau.

00:03:31: An klaren Tagen reicht der Blick vom Boulevard des Pyrénées weit über die Ebene bis zu den Gipfeln.

00:03:38: Das ist eine der schönsten Stadtaussichten Frankreichs – und zugleich eine, die erstaunlich wenige Menschen kennen.

00:03:44: Im 19. Jahrhundert entdeckten britische Reisende Pau als Kurort.

00:03:49: Sie brachten ihre Vorstellung von Sommerfrische mit, ihre Clubs, ihre Sportarten und ihren Lebensstil.

00:03:56: Deswegen gilt die Stadt als eine der ersten in Europa, in denen Golf gespielt wurde.

00:04:01: Der englische Einfluss ist bis heute spürbar, in der Architektur und in den Villen – in diesem eleganten, etwas zurückgenommenen Lebensgefühl der Stadt.

00:04:12: Im Herzen von Pau steht das Schloss.

00:04:15: Hier wurde Heinrich IV.

00:04:18: geboren, der König, der Frankreich nach den Religionskriegen befriedete und bis heute einer der beliebtesten Könige des Landes ist.

00:04:26: Die Einwohner von Pau erzählen mit sichtbarem Stolz von ihrem berühmten Sohn – doch für die Fahrer bleibt wenig Zeit für Aussicht und Geschichte.

00:04:36: Nach rund 147 Kilometern wartet heute der Col du Tourmalet.

00:04:41: Seit 1910 gehört dieser Pass zur Tour de France. Er war von Anfang an dabei, als Henri Desgrange die Fahrer zum ersten Mal in die hohen Berge schickte.

00:04:52: Damals war das eine Zumutung oder eine Vision, wahrscheinlich beides.

00:04:57: Die Straßen waren kaum befahrbar, die Fahrer mussten im Dunkeln los, manche stiegen ab und schoben ihre Räder – heute undenkbar.

00:05:05: Der erste Fahrer, der den Tourmalet bei der Tour bezwang, soll sinngemäß gesagt haben: „Desgrange, ich werde am Leben bleiben.“

00:05:14: Ob der Satz genau so fiel, ist fast egal.

00:05:16: Er erzählt, was dieser Berg für die Tour bedeutet.

00:05:19: Heute ist der Tourmalet einer der meistgefilmten Anstiege der Welt.

00:05:23: Jede Serpentine ist bekannt, jede Attacke wird von der Kamera begleitet, und trotzdem ist es immer noch derselbe Berg – unerbittlich.

00:05:33: Gerade in den Bergen zeigt sich übrigens, dass die Tour kein Einzelsport ist, auch wenn am Ende einer allein als Sieger auf dem Podium steht.

00:05:41: Die Helfer fahren stundenlang im Wind.

00:05:43: Sie holen Flaschen, schließen Lücken, halten das Tempo hoch, bis die Kräfte schwinden.

00:05:49: Erst am Berg, wenn die Straße steiler und die Luft dünner wird, bleiben die Besten allein zurück.

00:05:55: Vielleicht macht genau das die Faszination der Tour für mich aus.

00:05:59: Am Ende gewinnt einer, aber allein schafft es niemand.

00:06:04: Immer wieder Serpentinen.

00:06:07: Als Kinder fuhren wir oft durch die Pyrenäen.

00:06:09: Diese kurvigen Bergstraßen, Kehre um Kehre, links der Fels, rechts teilweise sehr wenig.

00:06:16: Ich hatte manchmal ein bisschen Angst, das gebe ich zu.

00:06:18: Mein Vater hatte keine, er hatte Freude. Er schaute auf die Landschaft, auf die Ausblicke, auf die Täler, auf die Felsen im Licht.

00:06:27: Ob er dabei immer genug auf die Straße schaute, lasse ich offen. Was ich weiß:

00:06:32: Er nahm gern Umwege in Kauf, wenn es einen schöneren Weg gab. Auch wenn wir Kinder auf dem Rücksitz längst unruhig wurden, auch wenn uns ein gerader Weg manchmal lieber gewesen wäre.

00:06:43: Für ihn gehörte der Weg zur Reise, nicht als Zwischenstück, sondern als eigentlicher Teil davon.

00:06:50: Viele Jahre später bin ich als Studentin bewusst in die Pyrenäen gefahren.

00:06:54: Ein Kommilitone hatte einen Kunstprofessor, der sich ein kleines Schlösschen in der Nähe von Pau gekauft hatte.

00:07:02: Der Professor lud Studenten ein: Kommt her, helft ein bisschen mit.

00:07:06: Dafür gibt es Kost und Logis – und das wunderbare Frankreich.

00:07:10: Pau, Tarbes, die Vorpyrenäen.

00:07:13: Wir waren vier oder fünf junge Leute aus Bremen und Hamburg und hatten eine großartige Zeit.

00:07:18: Danach habe ich für meine Mitreisenden einen Kalender gebastelt.

00:07:22: Mit Fotos, Momenten und Orten.

00:07:25: Das war meine Art, Merci zu sagen. Gute

00:07:28: Reisegefährten sind ein wichtiger Teil einer Reise, manchmal fast wichtiger als die Route selbst.

00:07:35: Jahre später kam dann eine Kundenanfrage, die mich sofort begeistert hat: Ein Paar wollte von Bordeaux bis zum Mittelmeer reisen, quer durch den Südwesten und durch die Pyrenäen.

00:07:46: Bei der Recherche tauchten all die Bilder wieder auf: die Straßen, die Pässe, die kleinen Orte. Und Lourdes, ein Ort voller Widersprüche, laut und still zugleich, überlaufen und berührend.

00:07:58: Gerade deshalb fasziniert er mich.

00:08:01: Und dann war da noch ein Hotelkloster, das ich bei dieser Recherche entdeckt habe, irgendwo im Hinterland.

00:08:07: Ein Ort, an dem man wunderbar zur Ruhe kommen kann.

00:08:11: Solche Funde liebe ich – sie sind der Grund, warum ich Reisen nicht einfach plane, sondern Besonderheiten suche.

00:08:20: Garbure, Ossau-Iraty und schwarze Kirschen. Nicht schwer um der Schwere willen, sondern nahrhaft, wärmend, gemacht für Menschen, die draußen arbeiten, die wandern.

00:08:32: Das Grundgericht dieser Region ist die Garbure.

00:08:35: Ein kräftiger Eintopf aus Gemüse, weißen Bohnen, Kohl und Fleisch.

00:08:40: Ursprünglich das Essen der Bauern und Hirten, stundenlang geschmort – einfach sehr sättigend.

00:08:46: Vielleicht nichts für einen heißen Sommerabend in der Stadt, aber perfekt nach einer Wanderung auf 2.000 Metern Höhe.

00:08:53: Danach gibt es Ossau-Iraty, einen Schafskäse aus dem Baskenland, seit Jahrhunderten hergestellt, fest, aromatisch, mit einem Charakter, der noch nach Berg schmeckt.

00:09:07: Dazu reicht man oft Konfitüre aus schwarzen Kirschen aus Itxassou.

00:09:13: Itxassou ist ein kleiner Ort im Baskenland, berühmt für genau diese Kirschkonfitüre.

00:09:19: Salziger Käse, süße Frucht – eine Kombination, die man sofort versteht, wenn man sie probiert.

00:09:26: Und genau darum geht es mir beim Reisen immer wieder.

00:09:29: Nicht nur zu wissen, was typisch ist, sondern den Moment zu erleben, in dem man plötzlich versteht, warum es zusammengehört.

00:09:40: Gavarnie – die Kathedrale der Natur.

00:09:43: Je näher man Gavarnie kommt, desto dramatischer wird die Landschaft.

00:09:47: Das Tal verengt sich, die Felswände werden höher, das Licht verändert sich. Und dann öffnet sich der Cirque de Gavarnie: eine gewaltige Felsenarena, Wände, die teilweise mehr als 1.500 Meter senkrecht in die Höhe ragen, und mittendrin ein großer Wasserfall, der fast 400 Meter in die Tiefe stürzt.

00:10:07: Victor Hugo nannte Gavarnie eine Kathedrale der Natur.

00:10:12: Wenn man dort steht, weiß man sofort, warum.

00:10:16: Es ist überwältigend.

00:10:18: Man wird klein dort, nicht auf eine unangenehme Weise, eher auf eine heilsame. Man schaut hinauf und merkt, wie die eigenen Pläne und Sorgen, die Listen und Termine für einen Moment sehr leise werden.

00:10:32: Vielleicht ist das die eigentliche Kraft der Berge.

00:10:35: Sie erklären einem nichts – sie sind einfach nur da.

00:10:40: Das waren die Pyrenäen, das Dach der Tour.

00:10:42: Ein Gebirge, das für die Fahrer heute zum ersten großen Prüfstein wird und für mich immer mit Kindheit, Umwegen, Serpentinen und meinem Vater am Steuer verbunden bleibt.

00:10:52: Die nächste Folge erscheint am 10. Juli, wenn die Tour Nouvelle-Aquitaine erreicht: Bordeaux, der Wein und eine Geschichte über eine Frau namens Katrin, die beim Abendessen aufgestanden und gegangen ist.

00:11:07: Und mich damit etwas Wichtiges gelehrt hat.

00:11:10: Wenn Sie die Pyrenäen nicht nur bereisen, sondern wirklich kennenlernen möchten, finden Sie auf tourexquisit.de viele weitere Informationen zu unserer individuellen Reise vom Atlantik bis zum Mittelmeer.

00:11:21: Vielleicht sehen wir uns ja irgendwann in Frankreich.

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