Bonjour le Tour: Katalonien, wo alles begann

Shownotes

Mit dieser Folge beginnt die Serie „Bonjour le Tour“: Ich folge der Tour de France 2026 von Katalonien bis Paris und widme diese Reihe meinem Vater. Den Auftakt macht Barcelona, wo die Grande Boucle zum erst dritten Mal in ihrer Geschichte auf spanischem Boden startet. Für mich ist Katalonien nicht einfach die erste Station dieser Tour, sondern der Ort meiner Kindheit.

Sie hören unter anderem:

– warum Katalanisch kein Dialekt und keine Folklore ist, sondern gelebter Alltag
– wie man das alte Barcelona im Barri Gòtic spürt
– was die Sagrada Família und Antoni Gaudí verbindet
– warum die Menschentürme der Castellers für Vertrauen stehen
– wie ich als Kind mit einem einzigen Satz Spanisch in die Telefonzelle geschickt wurde
– wie die Erinnerungsreise mit meinem Bruder nach L’Escala war

Für wen ist diese Folge besonders interessant?

Für Menschen, die

– die Tour de France verfolgen und die Region dahinter entdecken möchten
– Katalonien und die Costa Brava abseits des Massentourismus kennenlernen möchten
– Geschichte in Schichten mögen, von den Griechen bis heute
– persönliche Reisegeschichten mögen

Orte und Stationen aus der Folge

– Barcelona, der Barri Gòtic, die Sagrada Família und der Montjuïc
– die Costa Brava und L’Escala
– El Port de la Selva
– Tarragona, das römische Tarraco
– Empúries, die erste griechische Kolonie auf der Iberischen Halbinsel

Kulinarische Eindrücke aus der Folge

– Pa amb tomàquet
– Botifarra und Escalivada
– frischer Fisch aus dem Mittelmeer und Anchovis aus L’Escala
– Cava aus dem Penedès
– Crema Catalana

Reisetipp aus der Folge

Verbinden Sie einen Besuch der Ausgrabungen von Empúries mit einem Spaziergang zum Sandstrand und einem Bad im Meer. Und bringen Sie Anchovis aus L’Escala mit – direkt aus der Fabrik.

Weiterführende Inspiration

Wenn Sie Katalonien selbst erleben möchten, finden Sie auf unserer Website eine sorgfältig kuratierte Reiseidee. Sie bildet die Grundlage für ein individuelles Reiseangebot:

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Das kostenlose Katalonien-Dossier mit Hintergrundwissen, persönlichen Empfehlungen und Literaturtipps:

https://tourexquisit.de/katalonien-reisefuhrer-highlights-reisetipps/#dossier

Das Transkript zum Nachlesen: https://tourexquisit.de/katalonien-tour-de-france-podcast/

Transkript anzeigen

00:00:00: „À table!“, der Frankreich-Podcast von Tour Exquisit mit Antje Seele.

00:00:09: Bonjour le Tour!

00:00:10: Eine Reise von Katalonien bis Paris auf den Spuren der Tour de France 2026.

00:00:16: Diese Serie ist meinem Vater gewidmet. Heute: Katalonien, wo alles begann.

00:00:24: Die Sonne steht bereits über dem Mittelmeer, Cafés öffnen ihre Türen, die ersten Stühle werden nach draußen getragen, und in den Straßen rund um den Startbereich in Barcelona herrscht diese besondere Spannung, die man nur kennt, wenn man selbst einmal da war.

00:00:41: Fahrräder überall, Fans suchen die besten Plätze, Fernsehteams bauen ihre Kameras auf, und irgendwo im Getümmel wärmen sich die besten Fahrer der Welt auf.

00:00:51: Heute startet die Tour de France 2026.

00:00:56: Zum erst dritten Mal in ihrer über hundertjährigen Geschichte beginnt die Grande Boucle auf spanischem Boden.

00:01:03: Das Mannschaftszeitfahren führt durch die Stadt, vorbei an der Sagrada Família bis hinauf zum Montjuïc.

00:01:10: Morgen rollen die Fahrer von Tarragona zurück nach Barcelona, entlang der Mittelmeerküste.

00:01:16: Für mich könnte es kaum einen passenderen Ort geben, um diese Reihe zu beginnen. Denn Katalonien ist für mich nicht einfach nur die erste Region dieser Tour.

00:01:26: Es ist der Ort meiner Kindheit, der Anfang von allem.

00:01:31: Wenn Sie durch Barcelona spazieren, lesen Sie auf Straßenschildern „Benvinguts“ statt „Bienvenidos“.

00:01:38: In den Cafés wird Katalanisch gesprochen, auf den Märkten, in den Schulen, in den Zeitungen.

00:01:45: Die katalanische Sprache ist kein Dialekt und keine Folklore – sie ist gelebter Alltag.

00:01:51: Viele Menschen hier verstehen sich stark über ihre katalanische Identität.

00:01:56: Sprache, Geschichte und Kultur prägen das Selbstverständnis der Region bis heute.

00:02:02: Diese Eigenständigkeit hat tiefe historische Wurzeln.

00:02:05: Im Mittelalter war die Grafschaft Barcelona eine der mächtigsten Regionen des westlichen Mittelmeers.

00:02:11: Katalonien blickte immer nach außen, nach Genua, nach Sizilien und nach Alexandria.

00:02:18: Die Häfen dieser Region waren bedeutende Handelszentren, lange bevor Spanien als Staat existierte – und dieses Selbstbewusstsein spürt man bis heute.

00:02:29: Das Katalonien, das ich Ihnen besonders ans Herz legen möchte, liegt allerdings nördlich von Barcelona.

00:02:35: Die Costa Brava.

00:02:37: So wie ich sie kenne: keine großen Hotelkomplexe, kein Massentourismus, kleine Fischerorte, die sich in Felsbuchten schmiegen, Schmugglerpfade, die an der Küste entlangführen, immer das Meer zur Seite.

00:02:51: Barri Gòtic, Gaudí und Menschentürme.

00:02:54: Um Barcelona wirklich zu verstehen, sollten Sie die großen Sehenswürdigkeiten manchmal verlassen.

00:03:01: Im Barri Gòtic, dem gotischen Viertel, liegen mittelalterliche Plätze

00:03:05: hinter schmalen Gassen. Zwischen Natursteinmauern und schattigen Innenhöfen scheint die Zeit langsamer zu vergehen.

00:03:12: Hier spürt man das alte Barcelona – eine Handelsstadt, die mit Schiffen das Mittelmeer überquerte und die von Kaufleuten und Handwerkern geprägt wurde, nicht von Königen.

00:03:23: Und als großes Wahrzeichen der Stadt natürlich die Sagrada Família.

00:03:28: Mehr als 140 Jahre wird an diesem Bauwerk inzwischen gearbeitet.

00:03:32: Antoni Gaudí widmete ihm die letzten Jahrzehnte seines Lebens vollständig, er wohnte auf der Baustelle, lebte für dieses Projekt.

00:03:42: Als er 1926 starb – also genau vor hundert Jahren –, war nur ein kleiner Teil fertig.

00:03:48: Keine Türme, keine vollendeten Fassaden, nur das Fundament einer Vision.

00:03:54: Heute ist die Turmspitze vollendet, drumherum wird noch gebaut.

00:03:59: Und dann gibt es eine andere Art von Türmen – die Castellers.

00:04:04: Auf Dorfplätzen in ganz Katalonien bauen Gruppen von Menschen bei Festen und Feierlichkeiten Menschentürme.

00:04:11: Zehn Meter hoch, manchmal mehr, mehrere Stockwerke.

00:04:16: Die Basis bilden die kräftigsten Männer und Frauen, dicht gedrängt, Schulter an Schulter.

00:04:20: Sie tragen das gesamte Gewicht.

00:04:22: Darüber steigen leichtere Reihen, immer kleiner werdend, und ganz oben,

00:04:27: als krönender Abschluss, klettert ein Kind hinauf, oft fünf oder sechs Jahre alt.

00:04:32: Federleicht.

00:04:33: Und streckt die Hand in die Höhe.

00:04:36: Das ist der Moment.

00:04:37: Der Turm ist vollendet.

00:04:39: Was diese Tradition so besonders macht, ist das, was sie verkörpert: Vertrauen.

00:04:45: Die Menschen unten können nicht sehen, was oben passiert.

00:04:48: Sie halten einfach – sie tragen.

00:04:50: Und das Kind oben vertraut darauf, dass die Gemeinschaft unter ihm hält.

00:04:54: Wenn der Turm steht und das Kind die Hand hebt, jubelt der Platz.

00:04:58: Das ist keine Show für Touristen.

00:05:00: Das ist Katalonien, wie es sich selbst versteht.

00:05:04: Seit Jahrzehnten gehören die Castellers zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe der Menschheit.

00:05:12: Ein Satz Spanisch und eine Telefonzelle.

00:05:16: Ich kenne diese Küste seit meiner Kindheit.

00:05:19: Meine Eltern haben ihre Hochzeitsreise nach Katalonien gemacht, das Haus meiner Großeltern war in L’Escala – ein kleiner Ort an der Costa Brava, an der Mündung des Golfs von Roses.

00:05:31: Damals, als ich klein war, war L’Escala noch ein echter Fischerort: Boote im Hafen, Netze und das Rauschen des Meeres.

00:05:38: Wir fuhren jeden Sommer hin. Als Kind war es selbstverständlich, so selbstverständlich, dass ich gar nicht wusste, was ich hatte.

00:05:46: Meine Mutter sprach Spanisch, Französisch und Englisch.

00:05:49: Sie war als junges Mädchen Au-pair in allen drei Ländern gewesen.

00:05:53: Ich hatte als Kind einen einzigen Satz Spanisch auswendig gelernt:

00:05:58: „Soy la hija de Barbara, llegamos mañana“ – ich bin die Tochter von Barbara, wir kommen morgen.

00:06:06: Ich wurde zur Telefonzelle geschickt –

00:06:08: damals gab es keine Handys – und habe diesen Satz in ein fremdes Telefon gesagt, zu Menschen, die ich kaum kannte.

00:06:16: Ich war ein bisschen aufgeregt, und ich verstand auch nur die Hälfte der Antwort.

00:06:20: Aber das machte nichts.

00:06:22: Dann fuhren wir nach El Port de la Selva zu Archelita, der spanischen Freundin meiner Mutter – eine Familie mit sechs Kindern, die direkt am Wasser wohnte.

00:06:32: Wir sind mit dem Boot hinausgefahren, haben Dinge mitgegessen, die wir nicht kannten, wie zum Beispiel Seeigel, haben dort mitgelebt.

00:06:41: Ein Satz?

00:06:42: Das hat gereicht.

00:06:44: Letzten September war ich mit meinem Bruder wieder in L’Escala.

00:06:47: Wir haben eine Erinnerungsreise gemacht, auf den Spuren unserer Eltern und unserer Kindheit. Wir sind auf dem Schmugglerpfad am Meer entlanggewandert, das Wasser so klar, dass man den Grund sah.

00:06:59: Irgendwann saßen wir in einem kleinen Restaurant direkt am Meer, redeten nicht viel, schauten aufs Wasser, dachten an dieselben Menschen, ohne es sagen zu müssen.

00:07:09: Das Haus gehört noch immer zur Familie.

00:07:15: … und ein Glas Cava.

00:07:17: Eine Reise durch Katalonien, ohne das Essen zu beschreiben, wäre ein echtes Versäumnis.

00:07:23: Fangen wir mit dem Einfachsten an:

00:07:25: Pa amb tomàquet.

00:07:27: Ich weiß nicht genau, ob ich das richtig ausspreche – ich kann kein Katalanisch.

00:07:31: Es ist geröstetes Brot, mit einer reifen Tomate eingerieben. Nicht bestrichen, eingerieben.

00:07:36: Das ist der Unterschied.

00:07:38: Und dann mit gutem Olivenöl beträufelt und einem Hauch Salz. Was unglaublich simpel klingt, ist für viele Katalanen ein Grundnahrungsmittel.

00:07:47: Ich liebe dieses Brot, denn die Tomaten in Spanien schmecken wunderbar.

00:07:52: Dazu kommen Botifarra, die traditionelle katalanische Wurst, Escalivada, gegrillte Paprika und Aubergine, in Streifen geschnitten, mit Olivenöl, und natürlich frischer Fisch aus dem Mittelmeer.

00:08:06: L’Escala ist übrigens weltberühmt für seine Anchovis.

00:08:09: Seit Jahrhunderten werden sie dort nach demselben Verfahren in Salz eingelegt.

00:08:14: Die kleinen Anchovisgläser aus L’Escala sind ein Mitbringsel, das ich gern verschenke, direkt aus der Fabrik.

00:08:21: Zum Anstoßen Cava aus dem Penedès, südwestlich von Barcelona.

00:08:25: Kataloniens Antwort auf den Champagner.

00:08:28: Die Methode der Flaschengärung ist dieselbe,

00:08:30: die Rebsorten sind andere, der Charakter eigen: Frische, manchmal ein bisschen erdiger, eine sehr selbstbewusste Antwort.

00:08:39: Und zum Schluss Crema Catalana.

00:08:42: Die Katalanen würden Ihnen sagen: Die Franzosen haben sie von uns.

00:08:48: Die Franzosen nennen sie Crème brûlée und sehen das naturgemäß anders.

00:08:53: Ich halte mich da raus und esse sie einfach.

00:09:01: Die zweite Etappenstadt der Tour wirkt auf den ersten Blick wie eine entspannte Mittelmeerstadt.

00:09:06: Breite Alleen, Cafés, das Meer in der Nähe.

00:09:10: Aber vor 2.000 Jahren war diese Stadt eine der mächtigsten des gesamten Römischen Reiches außerhalb Italiens.

00:09:17: Damals hieß sie Tarraco.

00:09:19: Von hier aus verwalteten die Römer große Teile der Iberischen Halbinsel.

00:09:24: Kaiser Augustus verbrachte hier seine Winter.

00:09:27: Das Amphitheater liegt direkt hinter den antiken Stadtmauern und dahinter das Meer.

00:09:33: Man sitzt dort oben auf den Stufen, schaut aufs Wasser und kann sich gut vorstellen, wie es hier früher ausgesehen hat.

00:09:40: 2.000 Jahre ist das her.

00:09:43: Und dann ist da noch einer meiner Lieblingsorte: Empúries, direkt neben L’Escala, fast fußläufig vom Haus meiner Großeltern.

00:09:52: Dort haben die Griechen vor 2.500 Jahren ihre erste Kolonie auf der Iberischen Halbinsel gegründet.

00:09:59: Der Ausgrabungsort liegt zwischen Pinienwäldern und Meer, hervorragend erklärt: Ruinen, Mosaikböden, Statuen – und das Mittelmeer wieder direkt dahinter.

00:10:10: Als Kind musste ich dorthin, als Erwachsene bin ich hingerissen. Nach einem Besuch kann man direkt an den herrlichen Sandstrand spazieren und im Meer schwimmen.

00:10:20: Das ist das Katalonien, das ich Ihnen empfehle.

00:10:23: Nicht nur Barcelona, nicht nur Gaudí, sondern diese Schichten – griechisch, römisch, mittelalterlich, modern –, die sich hier übereinandergelegt haben und die man spürt, wenn man langsam genug geht.

00:10:36: Das war Katalonien, der Anfang dieser Reihe und für mich der Anfang von allem.

00:10:41: Die nächste Folge erscheint am 7. Juli, wenn die Tour in Okzitanien ankommt – mit Carcassonne, dem Canal du Midi und einem Holzmodell, das mich jahrelang im Alltag nach Frankreich zurückgebracht hat.

00:10:54: Wenn Sie keine Folge verpassen möchten, abonnieren Sie „À table!“ – am besten gleich hier auf Ihrer Podcast-Plattform.

00:11:01: Und wenn Sie Lust bekommen haben, Katalonien selbst zu entdecken: In den Shownotes finden Sie den Link zu einem kostenlosen Katalonien-Dossier mit Hintergrundwissen, persönlichen Empfehlungen und ausgewählten Literaturtipps.

00:11:14: Alle Informationen in den Shownotes und auf tourexquisit.de.

00:11:20: Vielleicht sehen wir uns ja irgendwann in Frankreich oder in Katalonien.

00:11:24: À bientôt, Ihre Antje Seele.

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