Bonjour le Tour: Okzitanien, wo die Mauern erzählen

Shownotes

Bevor ich nach Okzitanien aufbreche, halte ich einen Moment inne: In den Pyrénées-Orientales, westlich von Perpignan, kämpfen die Menschen derzeit gegen schwere Waldbrände, und auch die Tour de France war davon betroffen. Ich wünsche allen, die dort leben oder im Einsatz sind, dass sich die Lage bald entspannt. Dann geht es weiter nach Carcassonne, wo heute die vierte Etappe der Tour de France startet – hinein in eine Region voller Geheimnisse, Burgen und Legenden, die ich kannte, lange bevor ich sie zum ersten Mal bereist habe.

Okzitanien liegt zwischen Mittelmeer, Pyrenäen und Zentralmassiv und hat über Jahrhunderte eine eigenständige Kultur mit eigener Sprache hervorgebracht, dem Okzitanischen. Die Troubadoure, die ersten Liederdichter Europas, kamen aus dieser Gegend, und ihr Erbe ist bis heute in Ortsnamen und Musik spürbar. Ich erzähle von den Katharern, einer christlichen Bewegung, die Hierarchien ablehnte und Gewaltlosigkeit predigte – und die 1209 im Albigenserkreuzzug einem der brutalsten Feldzüge des Mittelalters zum Opfer fiel. Die letzten von ihnen zogen sich in Felsenfestungen wie Montségur zurück, die ich selbst erwandert habe. Carcassonne selbst hat all das überlebt. Die Doppelmauer, die Türme, die Zinnen – ich stand davor und habe das Gewicht dieser Geschichte nicht als Information gespürt, sondern als echtes Gefühl. Ich war schwanger, als ich dort war, kaufte ein kleines Modell der Stadt und habe später in Hamburg oft mit meinem Sohn damit gespielt – vielleicht die erste Frankreich-Begeisterung, die ich in ihm gesät habe.

Bevor ich Okzitanien je bereist hatte, kannte ich es aus einem Buch: „Heimatlos" von Hector Malot, das mich als Kind auf den Flüssen und Landstraßen Frankreichs begleitet hat. Und dann saß ich wirklich auf dem Canal du Midi, unter den Platanen, die sich wie ein grünes Gewölbe über dem Wasser treffen, meine Eltern an meiner Seite, mein Vater mit seiner Spiegelreflexkamera, staunend wie ein Kind.

Kulinarisch gehört Okzitanien zu den reichsten Regionen Frankreichs: Cassoulet, der Bohnen-Eintopf, um dessen beste Variante sich Carcassonne und Toulouse seit Jahrhunderten freundlich streiten, dazu die kräftigen Weine aus Corbières, Minervois und Fitou und der Roquefort aus den Kalksteinhöhlen des benachbarten Aveyron. Am Ende steige ich noch einmal hinauf zur Felsenfestung Montségur, wo sich 1244 eines der tragischsten Kapitel des Mittelalters zutrug – und wo es bis heute sehr still und wunderschön ist. Die nächste Folge erscheint am 9. Juli, wenn die Tour in die Pyrenäen steigt, nach Pau und Gavarnie und auf einen Pass mit langer Geschichte.

Diese Folge – wie jede Episode von À table – habe ich vollständig allein geschrieben, gesprochen, aufgenommen und geschnitten. ich freue mich über Ihr Feedback und gerne auch über die Bewertung des Podcast.

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Wenn Sie Okzitanien nicht nur bereisen, sondern wirklich kennenlernen möchten: Meine individuelle Reise von Atlantik bis Mittelmeer führt Sie durch einige der schönsten Landschaften Südfrankreichs: https://tourexquisit.de/reiseangebot-atlantik-bis-mittelmeer/

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Transkript anzeigen

00:00:00: Attable, der Frankreich-Podcast von Tour Exquisit mit Antje Seele.

00:00:10: Bonjour le tour!

00:00:11: Eine Reise von Catalonien bis Paris auf den Spuren der Tour de France, zwanzig sechsundzwanzig.

00:00:18: Diese Serie ist meinem Vater gewidmet – heute Occitanienne.

00:00:24: Bevor wir nach Occitanien aufbrechen möchte ich noch einen kurzen Moment innehalten.

00:00:29: In den Pyrenee-Oriental, westlich von Perpignan kämpfen die Menschen derzeit gegen schwere Waldbrände.

00:00:36: Viele mussten ihre Häuser verlassen und auch die Tour de France war davon betroffen.

00:00:40: Die gestrige Etappe nach Lesongle wurde auf den letzten Kilometern ohne Zuschauer gefahren – eine außergewöhnliche Entscheidung!

00:00:48: Ich wünsche allen, die dort leben oder im Einsatz sind, von Herzen dass sich die Lage bald entspannt und sie gesund und sicher durch diese schwierigen Tage

00:00:55: kommen.".

00:00:56: Und jetzt machen wir uns gemeinsam auf den Weg nach Occitanien.

00:01:03: Es gibt Orte, die wirken als Seinsi aus einem Romanentsprung.

00:01:08: Carcassonne ist so ein Ort!

00:01:10: Schon von weiten sieht man die Mauern.

00:01:12: mehr als fünfzig Türme erheben sich über der Ebene – Zinn-, Wehrgänge-Schieferdächer.

00:01:19: Fast zu schön um wahrzusein.

00:01:21: Heute startet die vierte Etappe der Tour de France direkt unter diesen Mauern.

00:01:26: Von Carcassan geht es nach Foix durch Weinberge, Hügeland und eine Landschaft die seit Jahrhunderten Menschen fasziniert.

00:01:35: Heute nehme ich sie mit nach Occitanien in einer Region voller Geheimnisse, Burgen und Legenden – in eine Region, die ich kannte lange bevor ich sie zum ersten Mal bereist habe.

00:01:48: Occitanian gehört zu den geschichtsträchtigsten und gleichzeitig am wenigsten bekannten Regionen Frankreichs.

00:01:54: Zwischen Mittelmeer, Pyreneen und Zentralmassiv entstand hier über Jahrhunderte eine eigenständige Kultur mit einer eigenen Sprache dem Occitanischen das bis heute in Ortsnamen Tradition und in der Musik dieser Region weiterlebt.

00:02:10: Die Trubadure die ersten Liederdichter Europas kam aus dieser Gegend.

00:02:15: Im XII.

00:02:16: und XIII.

00:02:17: Jahrhundert waren diese Länder wohlhabend offen kulturell blühend.

00:02:21: Geografisch ist Occitanien ein Versprechen Im Süden, das Mittelmeer.

00:02:26: Im Westen die Pyrenäen.

00:02:28: Im Norden das massiv Sentral.

00:02:31: Dazwischen Weinberge Flüsse mittelalterliche Städtchen und Kanäle.

00:02:38: Das Licht hier ist anders als im Rest Frankreichs Weicher am Morgen intensiver zum Mittag goldener Am Abend.

00:02:47: Die Tour de France führt heute durch den Ort des Herzog Zitaniens Corbière Weinberg zur Linken Hügel mit Katara-Burgen zurechten.

00:02:57: Für die Fahrer ist es eine taktische Etappe, bergigt genug für erste Angriffe noch nicht entscheidend – für die Zuschauer ist das eines der schönsten Bühnenbilder der gesamten Tour.

00:03:10: Tötet sie alle!

00:03:11: Die Katarra und Kakasson.

00:03:14: Bevor ich von Kakassons erzähle muss sich ihnen von den Kataran erzählen, denn ohne sie versteht man diese Region.

00:03:21: Im zwölften und dreizehn Jahrhundert lebte in Occitanien eine christliche Glaubensbewegung, die der Kirche in Rom fremd- und gefährlich erschienen.

00:03:30: Die Katara!

00:03:32: Sie linden die Hierarchien der Kirchen ab, lebten schlicht, predigten Güte und Gewaltlosigkeit.

00:03:38: Für sie war die materielle Welt das Werk eines bösen Schöpfers – das wahre göttliche lag allein im Geistigen.

00:03:46: Einfache Leute liebten sie, Adlige schützten sie... ...die Kirche sahen ihnen

00:03:50: ketzer.".

00:03:54: In den Städten von Albi Gensakreuzzug im Pirmont benannt nach der Stadt Albi.

00:04:02: Was folgte, war einer der brutalsten Feldzüge des Mittelalters – ganze Städte wurden ausgelöscht!

00:04:22: Historiker streiten darüber, aber er beschreibt den Geist dieser Zeit.

00:04:27: Die letzten Katara zogen sich in die Felsenfestung der Region zurück – Montseguir, Periperthus, Kiribüs.

00:04:35: Diese Burgen hoch oben kaum erreichbar wurden zu ihren letzten Zufluchtsorten.

00:04:41: Ich habe sie erwandert auf einer Recherchereise!

00:04:44: Ich stieg hoch und entstand ich hier oben und schaute ins Tal.

00:04:49: Fantastischer Ausblick und ich verstand warum diese Menschen hierher geflohen sind.

00:04:57: Kakasson selbst überlebte all das, die mächtige Doppelmauer, die Türme und Zinnen.

00:05:03: Das ist eine der ikonischsten Silhouetten Europas – und sie täuscht nicht!

00:05:08: Manchmal ist ein Original weniger eindrucksvoll als erwartet… aber Kakassonn nicht ….

00:05:14: Kakassonnen hat mich begeistert ... Diese trotzige Burg, diese Mauern, die seit zweitausend Jahren stehen.

00:05:21: Römer, Westguten, Katara, Franzosen – alle haben hier gebaut und gelebt und gekämpft.

00:05:27: Man steht davor und spürt das Gewicht dieser Geschichte nicht als abstrakte Information sondern als echtes Gefühl!

00:05:36: Ich war schwanger, als ich dort war, kaufte ein Modell dieser eindrucksvollen Stadt und habe später in Hamburg oft mit meinem kleinen Sohn mit genau dieser Burg gespielt und vielleicht so schon die erste Frankreich-Begeisterung in ihm gesehen und bin selber immer wieder in die Region gereist, in Gedanken.

00:05:57: Ein buchvoller Erinnerung.

00:05:59: Bevor ich Obzitanie nie bereist hatte kannte ich es aus einem Buch.

00:06:04: Saint-Familie auf Deutsch Heimatlos von Héctor Malau.

00:06:08: Ich habe es als Kind gelesen Die Geschichte eines kleinen Jungen der mit einer Wandertruppe durch Frankreich zieht Der nirgends wirklich zu Hause ist Und doch überall etwas findet Auf Flüssen Auf Landstraßen durch Landschaften, die man sich beim Lesen vorstellt.

00:06:25: Dieses Buch hat mich lange in meinen Träumen begleitet und dann war ich wirklich dort auf dem Kanal du Midi.

00:06:33: Wer den Kanal nicht kennt, zweihundertvierzig Kilometer Wasserstraße, die den Atlantik mit dem Mittelmeer verbindet, gesäumt von alten Platanen erlehnt, deren Äste sich über dem Wassertreffen wie ein grünes Gewölbe – wie eine Kathedrale!

00:06:47: Das Boot gleitet, die Platanen ziehen vorbei.

00:06:51: Das Wasser ist dunkelgrün im Schatten dann wieder hell wenn die Sonne durch die Blätter bricht.

00:06:56: Man hört die Vögel zwitschern – sonst nichts!

00:06:59: Auf dieser Reise nach Cacassonne waren meine Eltern dabei und diese Bootsfahrt erinnere ich genau.

00:07:05: Als ich auf dem Kanal saß fiel mir das Buch wieder ein Die Reise durch Frankreich auf dem Wasser.

00:07:11: Mein Vater wie immer die Spiegelreflexkamera umgehängt staunend wie ein Kind mit einem beglückten Lächeln im Gesicht.

00:07:21: Cassoulet Ein Eintopf aus weißen Bohnen, Entenkonfi, Schweinebau und Wurst, der stundenlang im Ofenschmord bis die cruste Omen goldbraun- und knusprig ist und darunter alles verschmilzt.

00:07:35: Jede Stadt hat ihre eigene Version – Castellnorderie gilt als Ursprungsstadt.

00:07:40: Cacassonne und Toulouse streiten um die beste Variante.

00:07:43: Es ist ein freundlicher kulinarischer Krieg, der seit Jahrhunderten geführt wird.

00:07:48: Dazu die Weine, Corbière, Minervois, Fito.

00:07:53: Kräftig dunkel mit dieser Wärme des Südens!

00:07:56: Weine die nach Sonne schmecken und nach trockenem Stein.

00:08:00: Wenig bekannt sehr gut, sehr erschwinglich.

00:08:05: Dazu natürlich der Käse.

00:08:07: Rock vor kommt aus dem benachbarten Averon aber gehört zum Tisch Oxytaniens.

00:08:12: wie das Brot In den Kalksteinhöhlen von Kombalu reift er unter der Erde in einem natürlichen Mikroklima, das ihn einzigartig macht.

00:08:23: Monseguir – die letzte Festung.

00:08:26: Noch einmal zurück zu den Katarren Eine Felsenfestung auf einem Tausendzweinert-Siebenmeter hohen Kalksteinfailer in den östlichen Pyreneen.

00:08:37: ausläufern.

00:08:38: Man sieht sie von weiten diese Burg, die aus dem Fels zu wachsen scheint.

00:08:43: Und wenn man die Geschichte kennt dann hört man, dass diese zu den tragischsten Momenten des Mittelalters gehört.

00:08:50: Im März, twelvehundertvierundvierzig nach zehn Monaten Belagerung ergaben sich die letzten Katara – der Bischof verhandelte, wer seinen Glauben abschwürre dürfe gehen!

00:09:01: Über zweihundert Menschen weigerten sich, sie stiegen hinunter in das Tal, dort wartete der Scheiterhaufen.

00:09:08: Bis heute rankten sich Legenden und Montseguir um einen angeblichen Schatz der Katara um den heiligen Gral, der dort verborgen sein soll.

00:09:17: Wenn sie jener Gegend sind, steigen Sie hinauf!

00:09:20: Es dauert etwa eine Stunde.

00:09:22: Oben angekommen schauen Sie über die Teele der östlichen Pyrenäen und es ist sehr still und wunderschön.

00:09:31: Nächste Folge – Die Pyrenän.

00:09:34: Die nächste Folge erscheint am neunten Juli, wenn die Tour in die Pyrenee steigt.

00:09:38: Nach Po, nach Gavernis und auf einen Pass der seit Jahrhundertzehn zur Tour gehört – und Geschichte trägt, die ich unbedingt erzählen möchte!

00:09:47: Wenn Sie auch Zitanie nicht nur bereisen sondern wirklich kennenlernen möchten.

00:09:52: unsere individuelle Reise von Atlantik bis zum Mittelmeer führt sie durch einige der schönsten Landschaften Südfrankreichs.

00:09:59: Alle Informationen in den Show Notes.

00:10:01: Vielleicht sehen wir uns ja irgendwann in Frankreich ab Jento ihre Antisäle.

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