Bonjour le Tour: Zentralmassiv, Auvergne und der Puy de Dôme

Shownotes

AUFTAKT IM ZENTRALMASSIV Ich lag im Zelt irgendwo in der Auvergne, mit meiner Schwester, ihrer kleinen Tochter und zwei Hunden, als ein Geräusch mich weckte. Über der Vulkanlandschaft schwebten fünf oder sechs Heißluftballons, langsam und fast lautlos, nur das leise Zischen der Brenner war zu hören. Ein Moment, der mir bis heute im Kopf geblieben ist.

AUVERGNE UND VULKANWEITE Heute fährt die Tour de France von Aurillac nach Le Lioran, mitten hinein in Europas größte zusammenhängende Vulkanlandschaft. Keine Steilküsten, keine mondänen Badeorte – dafür Weite, sanfte Vulkankuppen und grüne Hochflächen, die mich jedes Mal tiefer durchatmen lassen. Aurillac selbst zeigt sich als Stadt, die niemanden beeindrucken will: Natursteinhäuser, ein Wochenmarkt, Menschen, die einfach ihren Alltag leben.

UNTERWEGS MIT DEM VATER Als ich meinen Eltern erzählte, ich wolle einen kleinen Fiat Punto von Hamburg nach Marseille überführen, sagte mein Vater nur: Ich will mit. Mit fast 70 Jahren, ohne langes Überlegen. Fast 1.400 Kilometer, bei denen nicht mal der Scheibenwischer richtig funktionierte – und einige der schönsten gemeinsamen Tage, die wir je hatten. Von ihm habe ich gelernt, dass Reisen nie bedeutet, möglichst schnell anzukommen.

NATIONALFEIERTAG UND TOURFIEBER Am 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag, gehört die Tour de France für viele Franzosen genauso dazu wie das Feuerwerk am Abend. Wenn ein Berg für die Auvergne steht, dann der Puy de Dôme, Teil der Chaîne des Puys mit über 80 erloschenen Vulkanen und UNESCO-Weltnaturerbe. Hier lieferten sich Jacques Anquetil und Raymond Poulidor 1964 eines der berühmtesten Duelle der Tourgeschichte.

LE LIORAN, PUY DE DÔME UND CLERMONT-FERRAND Le Lioran zeigt sich im Sommer von seiner schönsten Seite: grüne Weiden, Bergrücken, Kühe auf den Hochflächen. Clermont-Ferrand dagegen beeindruckt mit seiner fast schwarzen Kathedrale aus Lavastein – ein Material, das die ganze Stadt prägt. Schon lange bevor die Tour hier vorbeikam, waren Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela unterwegs.

KÄSE UND HERZLICHKEIT Nach einem langen Tag draußen freue ich mich in der Auvergne besonders auf die Küche: Truffade mit knusprigen Kartoffeln und geschmolzenem Käse, würziger Saint-Nectaire und der Bleu d'Auvergne für alle, die Blauschimmelkäse mögen. Keine große Inszenierung, einfach ehrliche, wärmende Gerichte – für mich gehört gutes Essen hier genauso zur Landschaft wie die Vulkane.

ERINNERUNGEN UND ABSCHIED Was ich an der Auvergne liebe, ist ihre Ehrlichkeit: die Vulkankuppen, die Weite, die Ruhe, die einem plötzlich wieder Zeit zum Atmen schenkt. Ich denke an die Heißluftballons über unserem Zeltplatz und an meinen Vater, der in Hamburg einfach sagte: Ich will mit. Vielleicht hat er mir genau das mitgegeben – neugierig zu bleiben, statt möglichst schnell anzukommen.

Diese Folge – wie jede Episode von À table – habe ich vollständig allein geschrieben, gesprochen, aufgenommen und geschnitten. Ich freue mich über Ihr Feedback und gerne auch über eine Bewertung des Podcasts.

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Transkript anzeigen

00:00:00: Attable, der Frankreich-Podcast von Tour Exquisit mit Antje Seele.

00:00:09: Bonjour le tour!

00:00:11: Eine Reise von Catalonien bis Paris auf den Spuren der Tour de France, zwanzig sechsundzwanzig.

00:00:17: Diese Serie ist meinem Vater gewidmet.

00:00:20: Heute nehme ich sie mit ins Zentralmassiv.

00:00:26: Ich lag im Zelt irgendwo in der Overnier.

00:00:29: Es war früher Morgen eigentlich viel zu früh zum Aufstehen.

00:00:36: Ihre kleine Tochter war dabei und zwei Hunde.

00:00:40: Deshalb standen mehrere Zelte auf unserer kleinen Wiese.

00:00:44: Plötzlich hörte ich ein Geräusch, das sich erst gar nicht einordnen konnte!

00:00:48: Meine Schwester war schon wach – Anche, Anche du musst rausgucken!

00:00:52: Ehrlich gesagt wollte ich einfach weiterschlafen.

00:00:55: Aber ich kroch aus dem Zelt, angelockt von diesem Sch- und blieb sofort stehen.

00:01:03: Über der Vulkanlandschaft schwebten fünf oder sechs Heißluftballone langsam Ganz bunt, fast lautlos.

00:01:11: Nur dieses leise Zwischen der Brenner war zu hören und darunter die sanften Hügel der Overnie.

00:01:18: Ich weiß noch, dass ich einfach nur dachte – wow!

00:01:23: Heute fährt die Tour de France von Aurillac nach Le Lirent mitten hinein in diese Landschaft, in das Zentralmassiv, in eine Region, die für mich vor allem eines ist — ein Ort an dem die Seele wieder Platz bekommt.

00:01:37: Wenn Sie an Frankreich denken Denken Sie vielleicht zuerst an Paris oder an die Provence, die Britanie, en Mordeaux.

00:01:46: An die Auvergne denken die Wenigsten und genau das ist vielleicht Ihr großes Glück!

00:01:52: Hier gibt es keine spektakulären Steilküsten, keine Mondaine Badeorte, keine berühmten Boulevard dafür etwas dass heute fast kostbarer geworden ist.

00:02:02: Es gibt weiter.

00:02:04: Ich liebe Horizonte.

00:02:06: wenn ich dort über diese sanften Vulkanketten schaue habe ich jedes Mal das Gefühl, dass auch in mir etwas weiter wird.

00:02:13: Und viele Dinge die vorher wichtig schien rücken ganz von selbst in den Hintergrund!

00:02:19: Die Overnier ist Europas größte zusammenhängende Vulkanlandschaft.

00:02:23: vor Millionen von Jahren entstanden hier gewaltige Vulkane – heute wirken ihre Gipfel fast friedlich.

00:02:29: sanfte Kuppen grüne Hochflächen nicht dramatisch und genau das macht die Landschaft so besonders.

00:02:37: Manchmal muss ich dabei an das Auenland denken, an diese sanften Hügel.

00:02:42: Eine Landschaft, die ruhig wirkt und trotzdem voller Geschichten steckt – vielleicht ist es genau dieses Gefühl, dass mich dort so tief durchatmen ließ?

00:02:52: Oriak Die heutige Etappe startet in Oriak Natursteinhäuser kleine Plätze ein Wochenmarkt Menschen, die in ihrem Alltag leben nicht für Besucher sondern einfach für sich.

00:03:04: Ich mag solche Orte.

00:03:05: Sie wollen niemanden beeindrucken, sie sind einfach sie

00:03:08: selbst.".

00:03:11: Die Overnier erinnert mich jedes Mal daran das Reisen für mich nie bedeutet hat möglichst schnell irgendwo anzukommen.

00:03:18: Im Gegenteil die schönsten Erinnerungen sind oft auf dem Weg entstanden.

00:03:22: Das habe ich von meinem Vater gelernt als sich meinen Eltern in Hamburg erzählte dass ich einen kleinen Fiat Punto nach Marseille überführen wollte.

00:03:30: damit das Auto später weiter nach Katalonien kam Hörte mein Vater einfach nur zu und sagte, ich will mit.

00:03:39: Das war typisch für ihn – nicht lange überlegen, nicht planen, einfach losfahren!

00:03:43: Er war damals schon um die siebzig.

00:03:45: in seiner Garage standen deutlich komfortablere Autos aber das spielte überhaupt keine Rolle.

00:03:51: Also machten wir uns gemeinsam auf den Weg fast ein Tausend vierhundert Kilometer in einem kleinen Fiat Punto bei dem nicht mal der Scheibenwäscher richtig funktionierte.

00:04:02: Es wurden ein paar der schönsten Tage, die wir zusammen erlebt haben.

00:04:05: Wir hielten an wo es uns gefiel entdeckten Orte ,die wir vorher nicht kannten Aßengut lachten unglaublich viel und genossen einfach den Moment.

00:04:15: Mein Vater wollte nie möglichst schnell ankommen.

00:04:18: Er wollte wissen was hinter der nächsten Kurve liegt Und ich glaube genau das habe ich von ihm gelernt.

00:04:24: Vielleicht ist das sogar der Grund warum Ich heute reisen so plane wie ich sie plane Nicht möglichst viele Sehenswürdigkeiten, sondern Zeit zum Schauen, zum Staunen und für Begegnungen.

00:04:37: Bei der Tour de France ist es natürlich genau anders – dort zählt jede Sekunde!

00:04:41: Vielleicht fasziniert mich die Tour auch gerade deshalb?

00:04:44: Sie zeigt wie unterschiedlich Reisen sein können….

00:04:47: Die Fahrer kämpfen um jede Minute ….

00:04:50: Ich genieße lieber das was links- und rechts des Weges liegt.

00:04:54: Heute ist der vierzehnte Juli, der französische Nationalfeiertag.

00:04:59: Für viele Französinnen und Franzosen gehört die Tour de France an diesem Tag genauso dazu wie das Feuerwerk am Abend.

00:05:06: Die Straßen sind voller Menschen, die Stimmung ist besonders – und ein Etappensieg am Nationalfeiertag hat in Frankreich einen ganz eigenen Stellenwert!

00:05:17: Wenn es einen Berg gibt der für die Auvergne steht dann ist es der Prydedon.

00:05:22: Von Clermont-Ferrand aus sieht man ihn fast überall.

00:05:25: Er gehört zu einer Kette von mehr als achtzig erloschenen Vulkanen, der Schillendepri die heute UNESCO-Weltnaturerbe ist.

00:05:34: Seit einigen Jahren bringt eine Zahnradbahnbesuche auf den Gipfel – Von dort öffnet sich der Blick über diese außergewöhnliche Vulkanlandschaft.

00:05:42: Mitten in Frankreich liegt eine Landschaft, die man eher in Island vermuten würde.

00:05:47: Der Prüde Dom ist aber nicht nur landschaftlich etwas Besonderes auch Die Tour de France hat hier Geschichte geschrieben.

00:05:54: In den letzten Jahren lieferten sich Jack Ancetit und Raymond Poulidour an seinen Hängen eines der berühmtesten Duelle der Tourgeschichte.

00:06:02: Schulter an Schulter kämpften sie sich den Berg hinauf, ein Moment, der bis heute untrennbar mit dem Prüdedom verbunden ist.

00:06:11: Le Léaurant und das Kramteil.

00:06:14: Das Etappenziel liegt heute in Le Lèaurant.

00:06:16: Im Winter kommen viele Menschen zum Skifahren hierher.

00:06:19: Im Sommer zeigt sich die Landschaft von ihrer vielleicht schönsten Seite mit grünen Weiden, Bergrücken und den Können auf den Hochflächen.

00:06:27: Hier merkt man es geht nicht um spektakuläre Höhe sondern um diese besondere Mischung wieder weite Ruhe Natur.

00:06:35: genau das macht den Reiz des Zentralmassiv aus.

00:06:40: Anders ist Clermont-Ferrand vor allem wegen seiner Kathedrale.

00:06:45: Sie ist dunkel, fast schwarz und völlig anders als alle anderen Kathedralen die ich bisher in Frankreich gesehen habe.

00:06:52: Hier wird sichtbar dass der Vulkan nicht nur die Landschaft geprägt hat er steckt im Stein und in den Mauern in der ganzen Stadt.

00:07:00: Diese dunkle Lava hat eine ganz besondere Oberfläche.

00:07:04: Ich hatte so etwas noch nie gesehen Und es hat mich total umgehauen.

00:07:08: Schon lange bevor die Tour de France durch das Zentralmassiv fuhr waren hier Menschen unterwegs Pilger, Händler und Reisende.

00:07:17: Viele Wege führten in Richtung Santiago de Compostela.

00:07:21: vielleicht passt das gut zu dieser Landschaft, denn auch heute lädt sie dazu ein nicht nur hindurchzufahren sondern unterwegs immer wieder stehen zu bleiben.

00:07:31: Nach einem langen Tag draußen freue ich mich in der Overnie besonders auf die Küche.

00:07:36: keine große Inszenierung sondern Gerichte die Wärmen uns satt machen ähnlich wie in den Pyrenäen.

00:07:42: Ich erinnere mich noch gut an meine erste Truffat.

00:07:45: Knusprige Kartoffeln, geschmolzener Käse – herzhaft!

00:07:49: Genau das Richtige nach einem Tag, an dem wir Burkruinen erkundet durch kleine Orte gebummelt und stundenlang draußen unterwegs waren.

00:07:57: Ich mag den Sonnecther besonders gern.

00:07:59: Den Käse kräftig würzig fast ein bisschen wie geschmolsnerer Glettkäse nur mit ganz eigenem Charakter.

00:08:07: Und wenn sie Blauschimmelkäse mögen Probieren Sie unbedingt auch den Blödovernier.

00:08:12: Den esse ich ebenfalls sehr gern, für mich ist die Overnie einfach ein Käseland – eigentlich das Frankreich!

00:08:19: Und ich finde gutes Essen gehört hier genauso selbstverständlich zur Landschaft wie die Vulkaner und die weiten Wiesen.

00:08:27: Was sich an der Overnieliebe ist ihre Ehrlichkeit.

00:08:31: Ihre Vulkan guppen die Weite, die kleinen Dörfer und die Ruhe, die einem plötzlich wieder Zeit zum Atmen schenkt.

00:08:39: Wenn ich an die Region denke, denke ich natürlich an den Morgen vor unserem Zelt.

00:08:44: An diese Heißluftballone und dieses leise Wow das mir bis heute im Kopf geblieben ist.

00:08:49: aber genauso denke ich an meinen Vater.

00:08:53: Ich sehe ihn vor mir wie er in Hamburg einfach sagt – ich will mit!

00:08:57: So war er neugierig offen und immer bereit für das nächste Abenteuer.

00:09:02: Vielleicht hat er mir genau das mitgegeben.

00:09:06: Das ist im Leben nicht darum geht möglichst schnell anzukommen, sondern neugierig zu bleiben.

00:09:11: Es ging ihm nie um Status – es ging immer um das Leben.

00:09:15: Ich glaube genau deshalb liebe ich Frankreich bis heute so!

00:09:19: In der nächsten Folge nehme ich Sie mit nach Burgund, dorthin wo ich einige Jahre gelebt habe und wo die Idee zur Tourexquisit ihren Anfang nahm.

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