Burgund entdecken: Wo Tour Exquisit seinen Anfang nahm
Shownotes
BURGUNDS URSPRUNG Für viele ist Burgund das Land der großen Weine. Für mich ist es der Ort, an dem Tour Exquisit seinen Anfang genommen hat. In Luzy, einem kleinen Ort am Südrand des Morvan, entdeckten mein damaliger Lebensgefährte und ich bei Steak frites und Charolais-Rind zufällig ein altes Farmhaus mit Kuhstall – umgeben von Weite, Wäldern und Rindern auf den Weiden. In diesem Moment war die Entscheidung schon gefallen.
VOM GESTALTEN ZUM WEIN Aus dem alten Kuhstall entstanden zwei Ferienwohnungen: Natursteinmauern, handglasierte Fliesen aus einer alten Ziegelbrennerei, eine selbstgebaute Holztreppe. Beim Umbau wurde mir klar, dass ich gestalten statt verwalten wollte – ein Gefühl, das ich seit meiner Tischlerlehre kannte und in Bürojobs verloren geglaubt hatte.
TAFEL, WEINLESE UND GEMEINSCHAFT Ich lernte Caroline kennen, eine Holländerin, verheiratet mit einem Winzer aus Burgund, und half bei der Weinlese – inklusive Prüfung durch ihren Mann Nicolas und der traditionellen Taufe mitten in den Weintrauben. Seitdem ist Pinot Noir meine Lieblingstraube, und ich sehe hinter jedem Etikett die Menschen, die dafür arbeiten. Genau an diesen langen Tischen mit Wein, Essen und Gesprächen liegt wohl der Ursprung meines Podcast-Titels: À table!
KLÖSTER UND GESCHICHTE Burgund ist auch Kulturlandschaft: Cluny, einst von europäischer Bedeutung, die Basilika von Vézelay, die Zisterzienserabtei Fontenay und das historische Alésia, wo Cäsar und Vercingetorix aufeinandertrafen. Dazu Dijon, die Hauptstadt der Herzöge von Burgund. Über jeden dieser Orte könnte ich eine eigene Folge machen.
DIE IDEE VON TOUR EXQUISIT Wenn ich an Burgund denke, sehe ich zuerst den Stapel alter Holzbalken vor mir, auf dem wir abends saßen und in den Himmel schauten. Dort entstand, ohne Businessplan und große Vision, die Idee zu Tour Exquisit – aus der Freude am Entdecken und der Neugier auf Menschen.
Diese Folge – wie jede Episode von À table – habe ich vollständig allein geschrieben, gesprochen, aufgenommen und geschnitten. Ich freue mich über Ihr Feedback und gerne auch über eine Bewertung des Podcasts. Hier geht es zu meiner Burgund-Reise
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Transkript anzeigen
00:00:04: Antje: À table! Der Frankreich-Podcast von Tour Exquisit mit Antje Seele.
00:00:09: Antje: Bonjour le Tour, eine Reise von Katalonien bis Paris, auf den Spuren der Tour de France 2026. Heute führt uns die Tour nach Burgund. Für viele ist Burgund das Land der großen Weine. Für mich ist es viel mehr. Es ist der Ort, an dem Tour Exquisit seinen Anfang genommen hat – und an dem ich einmal zu Hause war.
00:00:33: Antje: Eigentlich wollten wir damals gar kein Haus kaufen. Ich war mit meinem damaligen Lebensgefährten unterwegs, einem Engländer. Wir suchten vor allem Ruhe nach einer turbulenten Zeit. In Luzy, einem kleinen Ort am Südrand des Morvan, kehrten wir mittags in einer kleinen Bar ein. Steak frites, natürlich mit Charolais-Rind aus der Region. Auf dem Marktplatz schien jeder jeden zu kennen. Ich mag solche Orte. Man setzt sich dazu, beobachtet das Leben und fühlt sich sofort willkommen. Draußen hingen ein paar Immobilienangebote im Schaufenster. Eigentlich nur aus Neugier riefen wir an. Ein Makler zeigte uns drei Häuser. Und dann standen wir plötzlich auf einer kleinen Anhöhe. Das Haus selbst war gar nicht spektakulär, aber daneben stand ein alter Kuhstall – und ich wusste sofort: Daraus könnte etwas Besonderes werden. Noch stärker war allerdings dieses Gefühl, als ich mich langsam einmal um mich selber drehte. In jede Richtung: Weite. Charolais-Rinder auf den Weiden, Wälder, Horizont. Keine direkten Nachbarn. Ich glaube, in diesem Moment war die Entscheidung schon gefallen.
00:01:47: Antje: Aus dem alten Kuhstall entstanden nach und nach zwei Ferienwohnungen. Wir haben Natursteinmauern freigelegt, verputzt, gebaut, geplant und immer wieder überlegt, was zu diesem Ort passt. In der Nähe gab es eine alte Ziegelbrennerei. Dort entdeckte ich wunderschön handglasierte Fliesen. Ich wusste sofort: Genau die sollen in unseren alten Stall. Unsere ersten Freunde im Morvan handelten mit Antiquitäten. Ein befreundeter Tischler baute die Holztreppe. Nach und nach bekam alles seinen Platz. Es war kein Umbau – es war ein Zuhause auf Zeit, das da langsam entstand. Aber wenn ich heute an diese Jahre denke, erinnere ich mich gar nicht zuerst an die Baustelle, sondern an die Abende danach. Wir saßen auf einem Stapel alter Holzbalken, mit einem Bier in der Hand, und schauten in den Himmel. Wir spielten Wolkenraten. Im Winter saßen wir stattdessen vor dem offenen Kamin mit einem Glas Burgunder. Draußen war es still. Einen Teil dieser Einfachheit habe ich gerne behalten. Während wir das Farmhaus ausbauten, wurde mir noch etwas anderes klar. Ich hatte nach dem Abitur eine Tischlerlehre gemacht. Ich mochte es schon immer, mit den eigenen Händen etwas entstehen zu lassen. Später, in meinen Bürojobs, war dieses Gefühl ein Stück weit verloren gegangen. Hier kam es zurück.
00:03:08: Antje: Vielleicht habe ich damals zum ersten Mal verstanden, dass die klassische Karriere nie wirklich mein Weg sein würde. Ich wollte gestalten, nicht verwalten. Zu dieser Zeit lernte ich Caroline kennen. Caroline ist Holländerin und mit einem Winzer aus Burgund verheiratet. Sie lud mich ein, bei der Weinlese mitzuhelfen. Ich dachte damals naiv: Trauben abschneiden, das wird schon nicht so schwer sein. Weit gefehlt. Bevor ich überhaupt mitschneiden durfte, musste ich erst eine kleine Prüfung bestehen. Nicolas, Carolines Mann, nahm mich mit in den Weinberg. Zeig mal, wie du schneidest. Ob ich sorgfältig genug arbeitete, ob ich schnell genug war. Erst danach durfte ich mitlesen. Und natürlich blieb mir auch die traditionelle Taufe nicht erspart. Plötzlich packten mich alle. Im nächsten Moment lag ich mitten in den frisch gelesenen Weintrauben auf dem Anhänger. So wird man aufgenommen. Und genau so habe ich mich auch gefühlt. Erst dort habe ich wirklich verstanden, wie unglaublich hart die Arbeit eines Winzers ist. Wenn wir heute einen großen Burgunder genießen, sehen wir oft nur das Etikett. Ich sehe inzwischen die Menschen dahinter.
00:04:19: Antje: Die vielen Stunden im Weinberg. Vielleicht ist deshalb Pinot Noir bis heute meine Lieblingstraube geblieben. Mittags und abends saßen wir gemeinsam am Tisch. Caroline und, soweit ich mich erinnere, ihre Schwiegermutter kochten für alle. Alle waren müde, die Hände schmerzten, der Rücken tat weh – und trotzdem wurde unglaublich viel gelacht. Es gab natürlich Wein, auch mittags. Und meistens auch noch ein Stück Schokolade. Einfach, damit wir alle wieder Kraft bekamen.
00:04:48: Antje: Vielleicht liegt genau dort der Ursprung meines Podcast-Titels: À table! Denn ich habe dort erlebt, wie viel an einem gemeinsamen Tisch entstehen kann. Gutes Essen, Gespräche, Freundschaften, Gemeinschaft. Und genau das liebe ich bis heute. Je länger ich im Burgund lebte, desto mehr interessierte mich die Region. Ich fuhr durch kleine Dörfer, entdeckte romanische Kirchen, besuchte Winzer, blieb auf Märkten stehen und kam mit Menschen ins Gespräch. Immer wieder bog ich irgendwo ab, weil ich wissen wollte, was hinter der nächsten Kurve liegt. Genau dieses Entdecken machte mich total glücklich. Und irgendwann bemerkte ich, dass es unseren Gästen ganz ähnlich ging. Sie mussten gar nicht möglichst viele Sehenswürdigkeiten abhaken. Sie wollten ankommen, durchatmen, den Ort verstehen, mit Menschen ins Gespräch kommen. Ich glaube, ich hatte die Antwort zuerst bei mir selbst gefunden. Und daraus entstand irgendwann die Frage, die mich bis heute begleitet: Was brauchen Menschen wirklich, wenn sie reisen?
00:05:53: Antje: Zu Burgund gehört für mich natürlich auch das Essen. Und wenn Besuch kam, begann die Vorfreude oft schon am Abend vorher. Dann wurde das Fleisch für Bœuf bourguignon in Pinot Noir eingelegt – die gleiche Flasche, die später auch auf dem Tisch stand. Im großen Kamin knisterte das Feuer und in einem schweren Gusseisentopf von Le Creuset begann alles langsam vor sich hin zu schmoren. Ich liebe dieses leise Blubbern, diesen Duft, der sich ganz langsam im ganzen Haus ausbreitet. Ich glaube, Vorfreude kann manchmal genauso schön sein wie das Essen selbst. Wenn am nächsten Tag unsere Freunde ankamen, war das Haus schon voller Wärme. Der Kamin brannte, der Tisch war gedeckt – und irgendwann saßen wir alle zusammen. Genau solche Abende verbinde ich bis heute mit Burgund. Zeit füreinander.
00:06:40: Antje: Natürlich gehört zu Burgund auch Cluny. Als ich dort war, beeindruckte mich, welche Bedeutung dieses Kloster einmal für ganz Europa hatte. Heute steht nur noch ein Teil der Anlage – und trotzdem spürt man, welche Kraft dieser Ort einmal gehabt haben muss. Überhaupt begegnet man im Burgund ständig der Geschichte. In kleinen Dörfern, in den romanischen Kirchen und natürlich auch in den Weinbergen. Geschichte gehört hier einfach zum Alltag.
00:07:11: Antje: Gleichzeitig ist Cluny nur einer von vielen Gründen, nach Burgund zu reisen. Da sind Vézelay mit seiner berühmten Basilika, die Abtei von Fontenay – mein Lieblings-Zisterzienserkloster –, das geschichtsträchtige Alésia, wo Cäsar und Vercingetorix aufeinandertrafen und wo es ein ganz tolles Museum gibt, und natürlich Dijon, die Hauptstadt der Herzöge von Burgund. Über all diese Orte könnte ich jeweils eine eigene Podcastfolge machen – und vielleicht mache ich das auch irgendwann. Wenn Sie Lust bekommen haben, Burgund auf meinen Spuren zu entdecken, dann schauen Sie in die Shownotes oder direkt auf meine Webseite unter www.tourexquisit.de. Dort finden Sie eine 14-tägige Rundreise an meine Lieblingsorte.
00:08:00: Antje: Wenn ich heute an Burgund denke, denke ich natürlich an Wein, an die Weinlese, an die kleinen Straßen durch den Morvan. Aber als Erstes sehe ich diesen Stapel alter Holzbalken vor mir, mit Blick in den Himmel. Damals wusste ich noch nicht, dass dort die Idee für Tour Exquisit entstehen würde. Heute glaube ich, dass sie genau dort ihren Anfang genommen hat. Nicht mit einem Businessplan, nicht mit einer großen Vision, sondern mit der Freude am Entdecken, mit der Neugier auf Menschen und mit dem Wunsch, einen Ort so kennenzulernen, dass man sich für eine Weile zu Hause fühlt.
00:08:36: Antje: In der nächsten Folge reisen wir weiter ins Elsass und in die Vogesen – eine Region, in der sich französische Lebensart und deutsche Geschichte auf ganz besondere Weise begegnen. Und wenn Sie auch in Deutschland ein bisschen Frankreich-Feeling haben möchten, dann kommen Sie doch mal nach Hamburg zu einem unserer À-table!-Abende, unserer Gästetafel im französischen Restaurant. Schreiben Sie mir oder melden Sie sich zu meinem Newsletter an. À bientôt – vielleicht irgendwann in Frankreich. Ihre Antje Seele.
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