Nîmes, Pont du Gard und die Cévennen: Südfrankreich mit Liliane Skalecki
Shownotes
NÎMES UND DER GARD
Wir beginnen dort, wo Liliane einen großen Teil des Jahres lebt: in einem Dorf nahe Nîmes, der Hauptstadt des Départements Gard. Der Gard gehört zum Languedoc und grenzt an die Provence – die Rhône ist die Trennlinie. Nîmes liegt eine gute halbe Stunde südlich der Cévennen und nordöstlich von Montpellier. Liliane beschreibt Nîmes als eine der faszinierendsten Städte Frankreichs, weil sie so bunt ist: der antike Tempel Maison Carrée, die heute geöffnete Arena, der barocke Jardin de la Fontaine mit Wasserspielen und Kräuterterrassen, die Tour Magne keltischen Ursprungs hoch über der Stadt und das moderne Musée de la Romanité. Dazu belebte Gassen, Boutiquen, kleine Cafés – und einmal im Jahr die Feria mit Umzügen, Flamenco und Pferdevorführungen.
DER PONT DU GARD
Der Pont du Gard liegt im Gard, nicht in der Provence – darauf legt Liliane Wert. Wir sprechen über die Ingenieurskunst der Römer: ein Aquädukt, dessen Gefälle kilometerweit berechnet ist, damit das Wasser am Ende in Nîmes ankommt. Die Brücke steht nicht allein; entlang der antiken Wasserleitung kann man die einzelnen Aquädukte auf einem eigenen Weg peu à peu erwandern. Mein Tipp aus der Folge: nicht direkt vorfahren, sondern die letzten Kilometer zu Fuß gehen – dann taucht dieses Postkartenmotiv plötzlich vor einem auf, und man bekommt einen ganz anderen Bezug dazu. Das Museum am Pont du Gard ergänzt den Besuch.
DIE CÉVENNEN UND DER STEVENSON-WEG
Von Lilianes Schreibtisch geht der Blick über Weinfelder bis in die Cévennen. Dort ist es im Sommer etwas kühler, und man wandert zum Abschalten. Für mich verbindet sich mit den Cévennen sofort Robert Louis Stevenson und seine „Reise mit dem Esel durch die Cévennen“. Den Weg kann man bis heute gehen; Stevenson kam damals in Saint-Jean-du-Gard an, heute starten oder enden viele Wanderer in Alès, der nächstgelegenen größeren Stadt mit Bahnanschluss.
LEBEN IM DORF IN OKZITANIEN
Das Dorf ist klein – Bürgermeister, Grundschule, eine kleine Bibliothek, mehr nicht; im Nachbardorf ein Bäcker und eine Kneipe. Klassisches Dorfleben gibt es kaum, dafür Freundschaften in der Umgebung, spontane Einladungen zum Apéro und die fêtes votives. Dann mischt man sich unters Volk, trinkt einen Pastis oder ein Glas Wein und kommt ins Gespräch. Zu den Festen gehören die unblutigen Course camarguaise und die Abrivado, bei denen Stiere, begleitet von Reitern, durch abgesperrte Straßen laufen – lokale Tradition in dieser Ecke Okzitaniens.
DIE REGION MIT DEN AUGEN EINER AUTORIN
Liliane ist promovierte Kunsthistorikerin und Archäologin – und genau das prägt ihren Blick auf die Region. Für ihre Frankreich-Krimis um die Untersuchungsrichterin Mathilde Boncourt recherchiert sie vor Ort: Sie besucht Ausgrabungen rund um Nîmes, etwa in Uzès, wo gerade ein römischer Mosaikfußboden freigelegt wurde. Wie das römische Erbe und die Landschaft des Gard in ihre Geschichten einfließen, macht Lust, die Region selbst mit wachen Augen zu entdecken.
FRANKREICH GUT VORBEREITET ERLEBEN
Viele der Orte, über die wir sprechen – Nîmes, die Umgebung des Pont du Gard, der Gard und die Cévennen – tauchen auch in meinen Reisen mit Tour Exquisit auf. Wer Südfrankreich einmal in Ruhe, mit Hintergrundwissen und ohne den Stress der eigenen Planung erleben möchte, findet hier den passenden Rahmen.
Diese Folge – wie jede Episode von À table – habe ich vollständig alleine produziert. Ich freue mich über Ihr Feedback und gerne auch über eine Bewertung des Podcasts.
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Transkript anzeigen
00:00:06: Antje: Bienvenue bei A Table, dem Frankreich-Podcast von Tour Exquisit mit Antje Seele.
00:00:12: Liliane: Hier hören, schmecken und erleben sie Frankreich auf vielfältige Weise,
00:00:16: Liliane: mit Menschen, die dem Land verbunden sind.
00:00:19: Antje: Liliane Skalicki, aufgewachsen in Saint-Louis an der deutsch-französischen Grenze,
00:00:23: Liliane: ist promovierte Kunsthistorikerin und Archäologin.
00:00:26: Antje: Unter dem Pseudonym Liliane Fontaine schreibt sie im Pipa-Verlag die Reihe um
00:00:31: Liliane: die Untersuchungsrichterin Mathilde Boncourt aus Nîmes.
00:00:35: Antje: Unter Lili Andersen erscheint ihre Nordseereihe, unter Lilian Skalicki ihre Thriller.
00:00:40: Antje: Drei Frauen, drei Welten, drei Namen.
00:00:43: Antje: Sie lebt in Bremen, wo ihr Mann Georg Skalicki das Denkmalschutzamt leitet und
00:00:48: Liliane: verbringt viele Wochen im Jahr in einem Dorf nahe Nîmes am Fuße der Cévennes.
00:00:53: Liliane: Das erste bei der Ankunft zum Winzerfahren, bevor sie einkaufen gehen.
00:00:57: Antje: Sie hat drei Kinder, wandert gerne und kennt die Region Okzitanien wie kaum
00:01:01: Liliane: eine andere deutschsprachige Autorin.
00:01:04: Antje: Guten Morgen, Liliane. Schön, dass du da bist. Hallo, guten Morgen, Antje.
00:01:09: Liliane: Ich habe gehört, du wachst nachts um drei auf und schreibst Ideen auf Zettel
00:01:15: Antje: neben dem Bett und trotzdem sagst du, du verzettelst dich nicht. Wie geht das?
00:01:21: Liliane: Ja, das Verzetteln hat wahrscheinlich mit dem Zettel gar nichts zu tun.
00:01:24: Liliane: Das müsste man jetzt sprach- etymologisch mal untersuchen.
00:01:29: Liliane: Nein, ich verzettle mich nicht, eben weil ich diese Zettel benutze.
00:01:33: Liliane: Und dann meine Gedanken, die mir dann so durch den Kopf gehen.
00:01:38: Antje: Wer ist der nächste Mörder? Wer ist die nächste Mörderin? Wo kann ich einen Giftmord einschieben?
00:01:43: Liliane: Und wie funktioniert es mit, ich sage jetzt mal, mit Digitalis oder mit einem
00:01:48: Liliane: sonstigen Giftstoff? Und dann mache ich mir meine Fragen, meine Ideen,
00:01:52: Liliane: meine Gedanken auf den Zettel und dann schleife ich gleich wieder ein. Dann bin ich beruhigt.
00:01:58: Liliane: Das ist ja, bin ich beruhigt, das ist schön.
00:02:01: Liliane: Du bist ja in St. Louis aufgewachsen, direkt an der französisch-deutschen Grenze.
00:02:07: Antje: Hat sich das als Kind für dich schon anders angefühlt, Frankreich im Gegensatz zu Deutschland?
00:02:13: Liliane: Also im Gegensatz zu Deutschland anders angefühlt? Nein, eigentlich nicht.
00:02:17: Liliane: Es ist nur so, dass man als Saarländer eine sehr enge Bindung oder viele Familien
00:02:22: Liliane: eine sehr enge Bindung zu Frankreich haben, weil es auch sehr viele familiäre Verbindungen gibt.
00:02:29: Liliane: Und es war für uns immer selbstverständlich, in Frankreich die Urlaube zu verbringen,
00:02:34: Liliane: ob es jetzt die Bretagne war, Südfrankreich.
00:02:36: Liliane: Also wir sind, sobald mein Vater, er war Lehrer, Schulferien hatte,
00:02:41: Liliane: ist der Wohnwagen angehängt worden und dann ging es los. Später sind Wohnungen gemietet worden.
00:02:46: Liliane: Und es hat sich natürlich auch.
00:02:50: Liliane: Auf die Küche meiner Mutter ausgewirkt. Es hat sich auf meine Schulferien insofern
00:02:55: Liliane: ausgewirkt, dass ich viele Urlaube in Metz bei meiner Familie verbracht habe.
00:03:00: Liliane: Also Metz liegt in Lothringen und insofern bin ich als Kind,
00:03:07: Liliane: ich will nicht sagen zwischen den Welten hin und her gependelt,
00:03:09: Liliane: das wäre wirklich übertrieben gesagt, aber ich habe sehr viel Frankreich mitbekommen.
00:03:15: Antje: Du hast es angedeutet, du hast auch Familie in Frankreich und ich meine gelesen
00:03:18: Liliane: zu haben, sogar jemanden, der mit Mord zu tun hatte.
00:03:24: Liliane: Und ja, also was heißt mit Mord zu tun hatte? Mein Großvater war Gendarme und.
00:03:32: Liliane: Er hat einen Mörder tatsächlich gestellt und dieser Mensch ist dann hingerichtet worden.
00:03:36: Liliane: Das ist ja schon ewige Zeiten her, da gab es also noch die Todesstrafe und das
00:03:40: Liliane: hat mein Großvater sehr bedrückt.
00:03:42: Liliane: Also dass er diesen Mörder geschnappt hat, das war für ihn genau das Richtige als Polizist.
00:03:52: Liliane: Aber diese Hinrichtung dann, das hat ihm, glaube ich, sein Leben lang auf den Magen gelegen.
00:03:58: Liliane: War das der Vater deines Vaters? Das war der Vater meines Vaters, ja.
00:04:05: Liliane: Und dein Vater war ja auch sehr Krimi begeistert, ne? Ja, also mit den Krimis bin ich groß geworden.
00:04:12: Liliane: Der hatte also eine ganze Regallandschaft, würde ich sagen, mit diesen alten,
00:04:16: Liliane: also damals waren sie natürlich nicht alt, aber heute diese Goldman-Krimis,
00:04:19: Liliane: so rot-schwarz waren die, also,
00:04:22: Liliane: eine Reihe Edgar Wallace, eine
00:04:23: Liliane: Reihe Agatha Christie, also die sogenannten Klassiker, würde ich sagen,
00:04:27: Liliane: dann viele amerikanische Krimis.
00:04:30: Liliane: Und ich habe dann mit Agatha Christie angefangen. Das war eigentlich so das,
00:04:33: Liliane: was mir am besten gefallen hat. Also wer war es? Am Schluss kommt die große
00:04:38: Liliane: Auflösung innerhalb von zehn Personen, die Miss Marple oder R. Kupferot befragen.
00:04:43: Liliane: Das war so meine Lektüre, ich würde sagen, seitdem ich 13 bin.
00:04:48: Liliane: Hat dein Vater deine Krimis noch gelesen können? Hat er das mitbekommen,
00:04:52: Antje: dass du Krimis schreibst?
00:04:53: Liliane: Er hat es noch mitbekommen, ja. Er hat die ersten auch noch gelesen.
00:04:56: Liliane: Das waren allerdings nicht die Frankreich-Krimis, das waren noch die Bremen-Krimis und.
00:05:01: Liliane: Und da ist er dann sehr krank geworden und ist dann verstorben.
00:05:05: Liliane: Und ja, ich glaube, er würde sich sehr freuen, wenn er das noch mitbekommen hätte. Ja, schön.
00:05:12: Antje: Nochmal zu deiner Familie. Du hast gesagt in einem anderen Interview,
00:05:17: Liliane: du hast ja eine Banklehre gemacht und dann Kunstgeschichte und Archäologie studiert.
00:05:22: Liliane: Und das hast du gemeinsam mit deinem Mann, den du da schon kanntest,
00:05:25: Liliane: beschlossen, dass ihr das Gleiche studiert.
00:05:28: Liliane: Das klingt ja, finde ich, ganz toll. Weil das ist ja wie so ein Erfolgsgezept,
00:05:32: Liliane: weil ihr seid immer noch zusammen, ihr habt drei Kinder.
00:05:35: Liliane: Ja, das war in der Tat ein Erfolgsrezept. Und die Liebe zur Kunst,
00:05:39: Liliane: vor allen Dingen zur Architektur, die hat uns dann.
00:05:44: Liliane: Über die ganzen Jahre hindurch das Studium, es hat uns sehr viel Spaß gemacht.
00:05:49: Liliane: Und wir sind dann tatsächlich auch in diesem Bereich hängen geblieben.
00:05:53: Liliane: Also mein Mann dann als Landesdenkmalpfleger von Bremen.
00:05:57: Liliane: Ich bin dann freiberuflich tätig gewesen all die Jahre, bis ich dann mit der,
00:06:02: Liliane: Krimischreiberei angefangen habe.
00:06:03: Liliane: Also für Kunstgeschichte habe ich jetzt insofern keine große Zeit mehr.
00:06:07: Liliane: Allerdings fließt das Thema immer wieder in meine Bücher ein.
00:06:11: Liliane: Ja, das habe ich gemerkt. Ich habe gerade gelesen bzw. gehört,
00:06:17: Liliane: die Richterin und die Archäologin. Tote Archäologin. Genau, die tote Archäologin.
00:06:22: Liliane: Und da habe ich noch einiges wiederentdeckt.
00:06:26: Antje: Was sagen denn deine Kinder dazu, dass Mama mordet? Die sind total begeistert.
00:06:32: Liliane: Also nicht, dass Mama mordet, aber dass Mama Bücher schreibt.
00:06:35: Liliane: Und die wissen halt auch, aus welchem inneren Antrieb das Ganze überhaupt vonstatten geht.
00:06:43: Liliane: Es ist ganz einfach, es ist halt schlimm auf der Welt, es passiert viel auf
00:06:47: Liliane: der Welt. Aber bei mir passiert das, was auf der Welt auch passiert.
00:06:51: Liliane: Aber bei mir gibt es immer ein gutes Ende und das befriedigt mich bei dieser
00:06:55: Liliane: Schreiberei natürlich. Ja, die Mathilde Boncourt.
00:07:03: Liliane: Deine Protagonistin der Frankreich-Krimis, in der Folge, die ich gerade gehört
00:07:10: Liliane: habe, ich finde die herrlich, weil die ist so ein bisschen unperfekt.
00:07:12: Liliane: Da gibt es eine Szene, wo sie also ins Büro geht und den Rock falsch rumträgt
00:07:17: Liliane: und das einfach mal so zack eben wieder korrigiert. Sie raucht und trinkt und
00:07:22: Liliane: zumindest, wir spoilern jetzt nicht, aber zumindest in dem Band hat sie auch
00:07:26: Liliane: noch keinen festen Partner.
00:07:28: Liliane: Das ist so eine, finde ich, ein bisschen typisch unperfekte französische Frau.
00:07:32: Antje: Wie bist du darauf gekommen? Wie ist Mathilde entstanden?
00:07:36: Liliane: Und Mathilde ist entstanden, nachdem ich mich entschlossen habe,
00:07:43: Liliane: überhaupt Südfrankreich-Krimis zu schreiben.
00:07:45: Liliane: Also wir lebten damals schon in der Nähe von ihm und es war mir irgendwo ein
00:07:49: Liliane: Bedürfnis, aus dieser ganzen Geschichte eine Serie zu machen.
00:07:54: Liliane: Also nicht aus der Geschichte, sondern aus dem, was in mir vorgegangen ist.
00:07:59: Liliane: Und da muss das halt eine Protagonistin sein, die sich durch mehrere Wände durchziehen kann.
00:08:03: Liliane: Und dass es überhaupt eine Frau ist, lag daran, dass zu diesem Zeitpunkt aussah
00:08:07: Liliane: Madame Le Commissaire, die ein Kollege schreibt, diese Reihe,
00:08:10: Liliane: es waren ja alles nur Männer.
00:08:12: Liliane: Und ich wollte eine Frau haben, die aber über sehr viele Möglichkeiten verfügt.
00:08:16: Liliane: Und deswegen ist sie eine Untersuchungsrichterin, die im Gegensatz zu der Staatsanwaltschaft
00:08:21: Liliane: in Bremen über viel mehr Befugnisse verfügt, als eine deutsche Staatsanwältin verfügen würde.
00:08:29: Liliane: Und ich wollte eine Person haben, die auf der anderen Seite diesen extremen
00:08:36: Liliane: Gerechtigkeitssinn hat, das ist Mathilde, aber auf der anderen Seite nicht wie
00:08:40: Liliane: die männlichen Protagonisten in den.
00:08:44: Liliane: Büchern meiner Kollegen aus Paris kommt und dann zuerst mal mit dem Schicksal
00:08:49: Liliane: hadert, oh nee, die Bretagne ist gefällt mir nicht, ist nicht Paris,
00:08:52: Liliane: nee, Südfrankreich gefällt mir nicht, ist nicht Paris.
00:08:55: Liliane: Mathilde ist dort geboren, hat in Paris studiert, kam wieder zurück und sagte,
00:08:59: Liliane: hier will ich doch nicht weg, ist doch wunderbar hier.
00:09:02: Liliane: Und sie hat diese große Familie auf diesem Weingut und ist dermaßen verwurzelt.
00:09:09: Liliane: Und ich bin ebenfalls ein verwurzelter Mensch. Also aus dem Saarland bin ich
00:09:12: Liliane: zwar raus, aber ich habe diese Wurzeln nie abgelegt.
00:09:15: Liliane: Dann habe ich kleine neue Wurzeln in Bremen entwickelt. Dort leben auch meine
00:09:19: Liliane: Kinder und die Enkel und mein Mann, natürlich auch.
00:09:23: Liliane: Und diese Verwurzelung irgendwo und das zu lieben, was man drumherum hat,
00:09:30: Liliane: das ist mir einfach ganz wichtig gewesen.
00:09:32: Liliane: Und so ist Mathilde entstanden. So ein kleines bisschen wie ich von der Mentalität her.
00:09:37: Antje: Aber weil das viele Leute fragen, bist du das?
00:09:41: Liliane: Nein, sie ist mindestens zehn Zentimeter größer.
00:09:44: Liliane: Sie hat rotblondes Haar, aber auch dieses oft nicht perfekte,
00:09:49: Liliane: also wie oft ich manchmal einen Pullover verkehrt rum anhabe und es erst draußen merke.
00:09:54: Liliane: Also das ist tatsächlich passiert.
00:09:56: Liliane: Ich war in einem Geschäft, stand dann mit meinem Einkaufswagen und dann tippte
00:10:02: Liliane: mir meine Frau hinten auf die Schulter und sagte zu mir, haben Sie eigentlich
00:10:06: Antje: schon gesehen, dass Sie Ihren Pullover verkehrt rum tragen?
00:10:10: Liliane: So, das ist Mathilde, das bin ich.
00:10:13: Liliane: Ja, herrlich. Aber es stört uns nicht. Das macht ja wahnsinnig sympathisch,
00:10:18: Liliane: finde ich. Gerade dieses Unperfekte.
00:10:23: Liliane: Das ist ja so ein bisschen, also dieses mit dem Gerechtigkeitssinn,
00:10:25: Liliane: das hatte ich gelesen, dass du den hast und Mathilde auch. Und da dachte ich
00:10:30: Liliane: schon so, das könnte eine ähnliche Figur sein.
00:10:33: Liliane: Und du sagst ja, die Figuren übernehmen irgendwann. Also die entwickeln so ein Eigenleben.
00:10:39: Antje: Kannst du da noch eine Grenze ziehen? Wann bist du das? Wann ist das Mathilde?
00:10:43: Antje: Und wie fühlt sich das an?
00:10:45: Liliane: Sag mal, die Grenze ist schwimmend. Also in einem der, ich glaube es war das
00:10:51: Liliane: vorletzte Buch, da klingelt ein Obdachloser an der Schlosspforte,
00:10:56: Liliane: wo Mathilde lebt und hat einen Welpen dabei.
00:10:59: Antje: Seine Hündin hat Welpen bekommen. Und er sagt, wollt ihr den nicht nehmen?
00:11:03: Liliane: Und Mathilde hat sofort ja gesagt.
00:11:04: Liliane: Wenn bei mir jemand klingelt und sagt, ich habe hier einen Welpen,
00:11:07: Liliane: wollt ihr den nehmen? Die Tür auf und der Welpe ist da.
00:11:10: Liliane: Das würde ich jetzt nicht zu laut sagen, sonst klingen nachher ganz viele.
00:11:15: Liliane: Ja, im Moment, wir haben ja noch einen großen Hund. Aber ich meine jetzt nur
00:11:20: Liliane: in dieser Situation würde ich nicht Nein sagen.
00:11:22: Liliane: Sagen wir mal so, wenn es hart auf hart geht. Ich schränke das jetzt wieder ein bisschen ein.
00:11:28: Liliane: Und insofern kommt immer wieder ein neues Stück Mathilde, das von mir stammt,
00:11:33: Liliane: aber Mathilde ist jetzt als Person festgelegt.
00:11:38: Liliane: Da gibt es kleine Nuancen wieder, sie raucht im Moment etwas weniger,
00:11:43: Liliane: sie trinkt nicht mehr aus der Flasche, sie hat,
00:11:47: Liliane: einmal einen moralischen gehabt, so kann man das nennen, sie war in einer kleinen
00:11:52: Liliane: Depression Und dann ist sie runter in die Bibliothek und hat sich eine Flasche
00:11:57: Liliane: Wein mitgenommen und hat sich hingesetzt und hat aus der Flasche getrunken.
00:12:00: Liliane: Sowas fällt mir auch als Autorin manchmal auf die Füße, dass dann jemand in
00:12:04: Liliane: einer Rezension schreibt. Also das finde ich überhaupt nicht gut.
00:12:07: Liliane: Sie raucht zu viel, sie trinkt aus der Flasche.
00:12:10: Liliane: Tja, sie hat halt ihre kleinen Fehler. Jeder muss damit leben.
00:12:13: Liliane: Ich lebe damit, Mathilde lebt damit, die Leserschaft muss auch damit leben.
00:12:17: Liliane: Du schreibst ja gleichzeitig, hatte ich eingangs gesagt, an verschiedenen Büchern.
00:12:22: Liliane: Also gleichzeitig weiß ich nicht.
00:12:23: Liliane: Aber du sagst, Mathilde hat was von dir. Ich glaube, nicht alle Protagonistinnen
00:12:29: Antje: haben was von dir. Wie machst du das, dass du da nicht durcheinander kommst?
00:12:34: Liliane: Also ich schreibe nicht gleichzeitig, das würde ich nicht schaffen,
00:12:37: Liliane: aber sie haben alle ein bisschen was von mir.
00:12:39: Liliane: Also aus der Nordsee-Reihe, die auf Pellworm spielt, ist ja eine Köchin zugange,
00:12:45: Liliane: Louise Dumas, die aus dem Elsass kommt, also insofern wieder mein Frankreich-Bezug.
00:12:51: Liliane: Dass sie Köchin ist, liegt daran, dass es meine große Leidenschaft ist, zu kochen.
00:12:58: Liliane: Bei den Thrillern ist es so, dass im ersten Band spielt sie noch eine Art Nebenrolle.
00:13:04: Liliane: Im zweiten Band spielt sie die Hauptrolle, das ist Tessa und Tessa ist Kunsthistorikerin.
00:13:09: Liliane: Also insofern fließt beim Bildersammler mit Tessa wieder mein Beruf hinein.
00:13:17: Liliane: Also so ganz lösen kann ich mich von meinen Protagonistinnen nicht.
00:13:21: Liliane: Ich werfe sie auch nicht durcheinander. Genau, und deswegen kann man auch nicht
00:13:24: Liliane: gleichzeitig, denke ich, an den Büchern schreiben. Da musst du aber sehr fleißig
00:13:27: Liliane: sein, weil das, das sagtest du
00:13:29: Liliane: ja auch, sehr strukturiert, damit man das überhaupt alles abdecken kann.
00:13:35: Liliane: Ja, also ich habe eigentlich so eine Art Tagesplan, den ich mir auferlege,
00:13:39: Liliane: sobald das nächste Buch angefangen wird. Und die Frankreich-Bücher schreibe
00:13:44: Liliane: ich eigentlich hauptsächlich in Frankreich, weil ich da zur absoluten Ruhe komme.
00:13:48: Liliane: Und ich bin auch mehr als ein paar Wochen da. Ich bin Monate da.
00:13:52: Liliane: Also insgesamt etwa fünf Monate des Jahres in Frankreich und sieben Monate etwa in Bremen.
00:13:59: Liliane: Und ich, wie soll ich sagen, ich möchte am Tag ein Kapitel schreiben.
00:14:05: Liliane: Und das Kapitel, das hat so zwischen sechs und neun Seiten.
00:14:10: Liliane: Ich habe ja so eine gewisse Vorgabe vom Verlag hier, etwa 350 Seiten soll so ein Buch haben.
00:14:15: Liliane: Und dann weiß ich etwa, wie viele Kapitel ich schreibe oder schreiben möchte.
00:14:20: Liliane: Und dann fange ich einfach an, meistens so am etwas späteren Vormittag,
00:14:24: Liliane: über die Mittagszeit hinaus.
00:14:26: Liliane: Und dann muss ich halt einfach gucken, wie es mir geht. Also nicht,
00:14:29: Liliane: ob es mir schlecht geht oder gut geht, sondern ob die Gedanken einfach fließen, ob ich dabei bin.
00:14:35: Liliane: Ich bin nicht in absoluter Klausur, das haut bei mir nicht hin,
00:14:37: Liliane: dass ich mich jetzt komplett wegschließe.
00:14:40: Liliane: Dazu ist zu viel um mich rum. Der Hund ist da, der muss gefüttert werden,
00:14:43: Liliane: der will spazieren gehen. Ich will auf den Markt gehen, ich will einkaufen, ich will kochen.
00:14:47: Liliane: Und wir haben auch Gäste in Frankreich, sind zum Aperu eingeladen und,
00:14:52: Liliane: und, und. Also ich bin da nicht vollkommen in Klausur.
00:14:56: Liliane: Deswegen versuche ich schon einigermaßen meinen Plan einzuhalten,
00:15:00: Liliane: aber es funktioniert halt nicht immer.
00:15:02: Liliane: Und ich merke auch, manche Tage, da läuft es gar nicht und dann wird das Laptop
00:15:05: Liliane: zugeklappt und dann schreibe ich halt nichts.
00:15:10: Liliane: Das ist mir nämlich auch aufgefallen. Ich habe ja schon mit einigen Frankreich-Krimi-Autoren
00:15:14: Liliane: gesprochen und fast alle schwören auf diese festen Schreibzeiten.
00:15:18: Liliane: Und das ist bei dir ein bisschen anders. Ich habe sogar gelesen,
00:15:21: Liliane: das stört dich gar nicht, wenn du mal unterbrochen wirst.
00:15:24: Liliane: Nee, das stört mich überhaupt nicht. Also ich habe meinen Faden,
00:15:28: Liliane: wenn ich ein Kapitel angefangen habe, wenn der erste Satz eines Kapitels steht...
00:15:33: Liliane: Dann kann ich dieses Kapitel schreiben auch mit zweistündiger Unterbrechung.
00:15:37: Liliane: Ich weiß genau, was ich vorhabe, wie es weitergeht.
00:15:41: Liliane: Was natürlich nicht bedeutet, dass ich mich starr an 40 Kapitel halte.
00:15:45: Liliane: Also innerhalb dieses Schreibprozesses mit diesen, ich sage jetzt mal 40 Kapiteln,
00:15:51: Liliane: das ist jetzt einfach nur so eine Zahl, passiert ja sehr viel.
00:15:56: Liliane: Also ich habe in Kapitel 3 einen Mörder, der mir, wo ich in Kapitel 16 plötzlich
00:16:03: Liliane: merke, Das passt einfach nicht.
00:16:05: Liliane: Ich kriege den mit dieser Person kaum zusammen. Habe ich vielleicht eine bessere
00:16:08: Liliane: Person, die vorher schon aufgetaucht ist? Da muss ich wieder ziemlich viel ummuddeln.
00:16:12: Liliane: Aber der Schreibprozess ist im Prinzip, obwohl ich sehr strukturiert bin.
00:16:19: Liliane: Ein Fließprozess, von dem immer wieder kleine Bächlein abgehen,
00:16:23: Liliane: die sich wieder zusammenfügen zu dem großen Ganzen.
00:16:28: Liliane: Ja, so könnte man es eigentlich ausdrücken. Es sind immer wieder Nebenarme,
00:16:31: Liliane: die ich dann plötzlich aufnehme, die dann aber wieder zurück zum Hauptfluss führen.
00:16:36: Liliane: Wenn du sagst, du schreibst die Mathilde-Geschichte hauptsächlich in Frankreich,
00:16:42: Antje: wie muss man sich das vorstellen?
00:16:45: Liliane: Es ist zuallererst mal wichtig, dass ich alles kennenlerne, was mich in diesem
00:16:50: Liliane: Buch beschäftigt. Also jetzt zum Beispiel, du hast ja die Tour der Archäologin gelesen.
00:16:54: Liliane: Die Idee kam damals, als der IS Palmyra zerstört hat, die Anlage von Palmyra
00:17:02: Liliane: und dabei auch den Chefarchäologen getötet hat.
00:17:07: Liliane: Und das hat mich als Archäologin, hat mich das unheimlich mitgenommen,
00:17:12: Liliane: muss ich sagen, auch dass dieser Mann für seine Arbeit gestorben ist.
00:17:16: Liliane: Und deswegen habe ich ihm das erste Kapitel gewidmet. Du hast es vielleicht
00:17:18: Liliane: gelesen, da ist ja dieser Mensch, der dort geköpft wird.
00:17:23: Liliane: Also man weiß nicht, dass er geköpft wird, es ist dieses Geräusch.
00:17:29: Liliane: Und dann war mir natürlich klar, ich muss alles, was archäologisch ergraben
00:17:34: Liliane: wurde, in dieser ganzen Gegend, muss ich besuchen.
00:17:36: Liliane: Dann habe ich alle Grabungen besucht, bin dann tatsächlich auch eingeladen worden.
00:17:42: Liliane: Wir haben dann zum Beispiel in Üses ist gerade ein Mosaikfußboden ausgegraben worden.
00:17:47: Liliane: Wir sind dann zur Grabungsstätte und haben dann gesagt, so können wir mal,
00:17:51: Liliane: durften wir uns überall umgucken. Das war also immer ganz toll.
00:17:53: Liliane: Und so versuche ich quasi über drei Monate reinzurecherchieren.
00:18:01: Liliane: Also die Recherche, was ich lese, das mache ich in Bremen.
00:18:05: Liliane: Das kann ich hier machen. Bestelle ich mir die Bücher, passend zu diesem Thema,
00:18:09: Liliane: aber dann die Vorortrecherche, die dauert natürlich dann auch sehr intensiv lange.
00:18:13: Liliane: Und dann setze ich mich und fange an. Lass uns doch mal zusammen nach Frankreich
00:18:20: Liliane: reisen. Also ihr habt da ein Haus in der Nähe von Nîmes.
00:18:24: Antje: Für die Hörer, die jetzt gar nicht so genau wissen, wo ist das eigentlich?
00:18:27: Antje: Kannst du das erstmal geografisch einordnen? Wo fahrt ihr da genau hin?
00:18:32: Liliane: Also Nîmes ist die Hauptstadt des Gars.
00:18:36: Liliane: Der Gars ist ein Teil des Longuedoc. Und das Languedoc hat ja mehrere Teile,
00:18:44: Liliane: und es grenzt ja an die Provence.
00:18:46: Liliane: Also der südöstlichste Teil des Gars ist Bokère. Bokère liegt direkt gegenüber Tarascan.
00:18:55: Liliane: Tarascan ist ja dann Provence. Also die Rhône ist sozusagen die Trennung.
00:19:00: Liliane: Nîmes ist so etwa, ich sag jetzt mal, eine halbe Stunde südlich der Cévennes.
00:19:09: Liliane: Es ist nordöstlich von Montpellier. Montpellier ist die Hauptstadt des Iroh.
00:19:17: Liliane: Und unser Dorf liegt so, ja, ich sage jetzt mal so 20 Minuten,
00:19:22: Liliane: 25 Minuten, je nachdem wie schnell man fährt, nordöstlich von ihm.
00:19:30: Liliane: Wenn ich Cévenne höre, fällt mir natürlich sofort Robert Louis Stevenson ein
00:19:34: Liliane: mit seiner Reise mit dem Esel durch die Cévenne und auch der Schatzinsel.
00:19:38: Liliane: Zwei meiner absoluten Lieblingsbücher habe ich als Kind also verschlungen.
00:19:43: Liliane: Und ich glaube, du kannst sogar bis zu den Cévennen gucken, wenn du da an deinem
00:19:48: Liliane: Tisch sitzt und schreibst.
00:19:49: Liliane: Genau, da gucke ich bis auf die Cévennes. Ich gucke über Weinfelder hinaus bis
00:19:54: Liliane: in die Cévennes. Je nach Wetterlage kann ich sehr weit gucken.
00:19:58: Liliane: Und wir sind auch viel dort zum Wandern, zum Abschalten. Es ist dann nicht ganz
00:20:05: Liliane: so heiß im Sommer wie auf dem Land, wo wir leben.
00:20:10: Liliane: Und ja, die Stevenson ist ja dann vom Norden in den Süden gewandert und ist
00:20:17: Liliane: dann in Saint-Jean-du-Gard angekommen.
00:20:19: Liliane: Saint-Jean-du-Gard, das ist so, ja, von uns aus so 40 Minuten etwa, 45 Minuten.
00:20:25: Liliane: Und den Weg kann man übrigens heute noch gehen. Und da ist der Endpunkt allerdings,
00:20:29: Liliane: das ist so, die meisten Leute kommen ja mit dem Fahrzeug an und starten dann.
00:20:35: Liliane: Und dort ist also der Endpunkt jetzt normalerweise Alès.
00:20:37: Liliane: Das alles ist unsere nächstgelegene größere Stadt und da fährt halt die Bahn
00:20:43: Liliane: hin und dort starten viele Leute beziehungsweise kommen dort an.
00:20:47: Liliane: Ich war als Kind, also wenn ich das höre, die Region, ich war als Kind oft am Pont du Gard.
00:20:51: Liliane: Wir sind ja durch Frankreich gefahren mit meinen Eltern, haben immer am Pont
00:20:56: Liliane: du Gard gehalten mit Baguette und mit Picknick und jedes Mal gab es dann ein
00:21:00: Liliane: bisschen archäologischen Vortrag meines Vaters, den das einfach interessiert hat.
00:21:06: Liliane: Und natürlich auch nach Nîmes standen,
00:21:08: Liliane: ich weiß nicht, x Male vor dem verschlossenen Amphitheater damals.
00:21:13: Antje: Was macht das für dich? Was macht für dich den Zauber aus von Nîmes?
00:21:18: Liliane: Also ich fange jetzt einfach auch mal beim Pont du Gard an. Das ist auch eines
00:21:21: Liliane: meiner ersten Erlebnisse, muss ich sagen. Und mein Mann erzählt immer noch davon,
00:21:25: Liliane: dass er damals sogar mit dem Hund, der hatte damals einen Schäferhund,
00:21:29: Liliane: oben noch drüber gehen konnte. Das ist heute nicht mehr möglich.
00:21:32: Liliane: Das haben wir auch gemacht als Kinder. Ja, also das geht nicht mehr und heute
00:21:36: Liliane: ist es halt komplett abgeschlossen.
00:21:38: Liliane: Man muss Eintritt bezahlen, aber es ist auch ein wunderbares Museum dabei.
00:21:43: Liliane: Es lohnt sich also wirklich, Halt zu machen und sich dieses Wunderwerk der Technik anzuschauen.
00:21:50: Liliane: Es gehört ja in Gars, manche setzen es gerne in die Provence,
00:21:54: Liliane: aber nein, der Pont du Gars ist im Gars.
00:21:58: Liliane: Und Nîmes ist einfach, es ist für mich eine der faszinierendsten Städten, muss ich sagen.
00:22:04: Liliane: Es liegt einfach daran, weil es so bunt in jeder Hinsicht ist.
00:22:09: Liliane: Es hat natürlich seine Bonne Luce, in denen auch Gewalt herrscht.
00:22:14: Liliane: Das darf man nicht verschweigen.
00:22:16: Liliane: Aber wenn man sich dann ins Innere der Stadt begeben hat, du hast wirklich alles.
00:22:20: Liliane: Du hast von der Maison Carré, also ein antiker Tempel, die Arena ist geöffnet.
00:22:28: Liliane: Also du kannst jetzt hinfahren.
00:22:30: Liliane: Du stehst nicht mehr vor verschlossenen Türen. Haben natürlich ihre Öffnungszeiten,
00:22:35: Liliane: und im Moment wird sie sehr stark restauriert.
00:22:38: Liliane: Dann hast du Barock, du hast die Jardin de la Fontaine, ein barocker Garten
00:22:45: Liliane: mit Wasserspielen, mit terrassenmäßig angelegten Gärten.
00:22:50: Liliane: Du gehst dann hoch zwischen Kräuterbeeten und atmest diesen Duft ein und dann
00:22:54: Liliane: kommst du oben an zur Turmanie.
00:22:56: Liliane: Das ist keltischen Ursprungs, das die Römer dann ausgebaut haben zu einem Wachtturm
00:23:02: Liliane: sozusagen, der über die Stadt wacht, beziehungsweise von dort aus hat man die Stadt bewacht.
00:23:08: Liliane: Dann das moderne, gebaute Musée de la Rominité.
00:23:15: Liliane: Das Musée ist allerdings ein...
00:23:18: Liliane: Also moderner Bau, allerdings innen drin archäologische Funde,
00:23:23: Liliane: die die Stadtgeschichte beschreibt.
00:23:25: Liliane: Dann gibt es ein Museum für moderne Kunst.
00:23:29: Liliane: Die Gässchen, die Straßen sind so belebt zu jeder Jahreszeit.
00:23:36: Liliane: Boutiquen, kleine Cafés. Also es ist einfach, du flanierst dadurch und fühlst dich einfach wohl.
00:23:44: Liliane: Ich kriege richtig Lust, gleich da wieder hinzufahren. Ich war mal in Nîmes
00:23:50: Liliane: und habe nur von draußen gehört, da war zufällig gerade ein Konzert.
00:23:53: Liliane: Ich meine, das waren die Gypsy Kings.
00:23:55: Liliane: Das war eine ganz tolle Atmosphäre. Das weiß ich noch, dass ich da stand und
00:23:59: Liliane: dachte, da wäre ich jetzt auch gerne drin.
00:24:01: Antje: Waren die dann in der Arena?
00:24:05: Liliane: Ja. Da ist ja viel los. Also jetzt war letzte Woche, vorletzte Woche war die Feria.
00:24:11: Liliane: Da ist in ihm, also das sind in den Straßen, geht über vier, fünf Tage.
00:24:16: Liliane: Da sind in den Straßen, tummeln sich Millionen Menschen.
00:24:20: Liliane: Das ist also wirklich nicht übertrieben. Die kommen von überall her.
00:24:22: Liliane: Die Straßen sind voll mit Umzügen.
00:24:26: Liliane: Flamenco-Tänzer, Gitarrespieler, Pferdevorführungen, die im Jardin de la Fontaine,
00:24:34: Liliane: allerdings auch die blutigen Stierkämpfe in der Arena, was überhaupt nicht mein Fall ist.
00:24:41: Liliane: Also das mag ich nicht. Ich verstehe es nicht, dass es noch gemacht wird,
00:24:49: Liliane: der blutige Stierkampf. Aber bitte, es wird als Tradition bezeichnet.
00:24:53: Liliane: Es gibt viele merkwürdige Traditionen auf dieser Welt.
00:24:56: Liliane: Es gibt aber auch unblutige. Genau, das sind die Kurkammergäse. Das ist ein Stierkampf.
00:25:03: Liliane: Also es ist eigentlich ein Kräftemessen, sagen wir mal so.
00:25:05: Liliane: Die Stiere haben also zwischen den Hörnern eine Kokade und die Männer sind meistens
00:25:13: Liliane: Männer, mittlerweile aber auch Frauen und junge Männer sind dabei.
00:25:16: Liliane: Weil die haben so eine Art Kratzer, wie so eine Gabel. Ich nenne es mal jetzt
00:25:21: Liliane: einfach Gabel, aber es ist von der Funktion her wie eine Gabel.
00:25:26: Liliane: Und die nähern sich dem Stier und versuchen diese Kokade zwischen den Hörnern.
00:25:31: Liliane: Wegzumachen, also zu erringen.
00:25:33: Liliane: Und das ist unblutig.
00:25:36: Liliane: Also es sei denn, einer der Stierkämpfer fällt auf die Nase,
00:25:40: Liliane: dann fließt schon ein bisschen Blut.
00:25:41: Liliane: Und dann gibt es fast in jedem Dorf bei uns, also das ist...
00:25:46: Liliane: Das sogenannte Fettvotiv. Und dann werden sehr viele Aprivatus abgehalten.
00:25:50: Liliane: Das bedeutet also, die Stiere laufen in einem abgetrennten Bezirk durch die
00:25:57: Liliane: Straßen. Also ähnlich wie die Corrida von Pamplona.
00:26:01: Liliane: Und die Jugend des Dorfes versucht dann, so einen Stier irgendwie am Horn zu
00:26:06: Liliane: packen oder am Schwanz zu packen.
00:26:09: Liliane: Und die Tiere, ja meistens gelingt es ihnen nicht und die Tiere werden dann
00:26:12: Liliane: aber begleitet von Mandadiers, die zu Pferd nebenher reiten und den Stier dann
00:26:19: Liliane: versuchen, wieder zurück.
00:26:22: Liliane: In seine Umzäumung hineinzubringen oder in einen großen Wagen,
00:26:26: Liliane: in dem er dann transportiert worden ist. Aber auch das ist eine Tradition.
00:26:30: Antje: Ja, Traditionen gibt es da ja viele. Wie ist das für euch?
00:26:34: Liliane: Du sagtest ja, ich glaube knapp die Hälfte der Zeit seid ihr in Frankreich.
00:26:37: Antje: Seid ihr da richtig eingebunden in die Dorfgemeinschaft?
00:26:42: Liliane: Unser Dorf ist sehr klein und in unserem Dorf gibt es eigentlich nichts,
00:26:48: Liliane: außer dem Bürgermeister, einer Grundschule und einer kleinen Bibliothek in dem
00:26:53: Liliane: Bereich, wo auch die Grundschule ist.
00:26:56: Liliane: Das nächste Dorf, das ist Tavern, da gibt es dann einen Bäcker,
00:26:58: Liliane: eine kleine Kneipe und noch dies und das.
00:27:03: Liliane: Insofern, man hat wenig Möglichkeiten am Dorfleben teilzunehmen.
00:27:07: Liliane: Aber wir sind befreundet mit den Nachbarn.
00:27:12: Liliane: Im übernächsten Dorf haben wir Freunde, sodass man sich auch regelmäßig trifft.
00:27:18: Liliane: Aber dass man jetzt integriert sein könnte, das ist halt nicht möglich.
00:27:23: Liliane: Weil das Dorfleben in dem Sinne gibt es nur zu den Fett, die in gewissen Abständen stattfinden.
00:27:30: Liliane: Da mischt man sich unter das Volk. Ja, dann trinkt man zusammen einen Pastis
00:27:33: Liliane: und ein Glas Wein und kommt ins Gespräch.
00:27:36: Liliane: Aber dann geht das auch schon wieder auseinander. Wie gesagt,
00:27:38: Liliane: bis auf die Freunde in der direkteren Umgebung, wo man einfach sagt,
00:27:43: Liliane: kommt heute Abend mal vorbei zum Aperu.
00:27:46: Liliane: Das funktioniert gut, aber das Dorfleben ist halt...
00:27:50: Liliane: Ja, nicht groß vorhanden. Das Dorf bewohnt ist. Es ist ja nicht so, dass da niemand lebt.
00:27:57: Liliane: Aber es fehlt halt am notwendigen Dorfmittelpunkt.
00:28:02: Liliane: Und wenn du so recherchierst, sagtest du aber, du wirst auch eingeladen.
00:28:06: Liliane: Also so als Archäologin in und um Nîmes oder Üses oder so, da hast du Kontakte.
00:28:14: Liliane: Und wie gehen die Franzosen damit um? Eine Kollegin aus Deutschland,
00:28:19: Antje: sind die dir da wohlgesonnen? Ist das ein schöner Austausch?
00:28:22: Liliane: Ach, wir gehen einfach hin und fragen. Also so einfach ist die Geschichte.
00:28:25: Liliane: Also die normalen Grabungsstätten sind ja sowieso öffentlich.
00:28:30: Liliane: Das ist Tourismus pur und du zahlst deinen Eintritt, gehst hin und kannst dir
00:28:34: Liliane: die ganzen Grabungen anschauen und dir ein Bild von dem machen,
00:28:36: Liliane: was ist gebaut worden zur Römerzeit oder davor zur gallorömischen Zeit.
00:28:43: Liliane: Und wenn es dann so ist, wie ich eben sagte, in Özes, bin ich einfach hin und
00:28:47: Liliane: habe gesagt, Also ich bin Kollegin, wobei ich dazu sagen muss,
00:28:52: Liliane: mein Hauptfach war die Kunstgeschichte.
00:28:54: Liliane: Die Archäologie war mein Nebenfach. Also ich bin zwar Archäologin,
00:28:58: Liliane: aber jetzt hauptsächlich Kunsthistorikerin.
00:29:01: Antje: Und dann gehe ich hin, dann sage ich, kann ich mir das angucken?
00:29:05: Liliane: Ich recherchiere eben für ein Buch und so. Und dann sind sie schon gerade,
00:29:08: Liliane: oh, was für ein Buch? Dann sage ich dann, ja, ein Polar. Polar ist dann die
00:29:12: Liliane: Abkürzung für Kriminalroman im Französischen.
00:29:16: Liliane: Und, ja, gerne komm mit und so. Und dann, mein Mann hat dann immer ein Fotoapparat
00:29:22: Liliane: dabei, damit ich mir dann vor Ort auch Fotos machen kann, während ich dann so
00:29:25: Liliane: am Rumwühlen bin und am Gucken bin.
00:29:28: Liliane: Ich darf ja da nicht mitarbeiten, um Gottes Willen. Ich darf mir das angucken
00:29:31: Liliane: und das wird dann auch erklärt.
00:29:34: Liliane: Das spielt übrigens auch eine Rolle in der Toten Archäologin.
00:29:38: Liliane: Da triffst du auf eine Szene, wo sie sich so eine Grabung angucken.
00:29:43: Liliane: Das ist die in Uses. Die habe ich dann da gleich eingepackt.
00:29:46: Liliane: Ja, da fühlte ich mich gleich zu Hause, weil ich viel in Katalonien war und
00:29:52: Liliane: da gibt es ja diese römisch-griechischen Ausgrabungen von Empurias.
00:29:55: Liliane: Ich weiß nicht, ob du die kennst.
00:29:57: Liliane: Großartig und riesig und werden jedes Jahr größer. Da bin ich schon als Kind
00:30:00: Liliane: immer rumgeturnt, ob ich oder bei Hitze, ob ich wollte oder nicht,
00:30:04: Liliane: wurden wir jedes Jahr dahingeschleppt.
00:30:07: Liliane: Aber ich fand es dann ganz toll. Und jetzt gebe ich das sozusagen an meinen Sohn weiter.
00:30:12: Liliane: Ich finde das eine ganz schöne, langsame Art, nochmal so eine alte Welt zu entdecken.
00:30:18: Liliane: Und dadurch, dass man heute auch so viele Möglichkeiten hat,
00:30:21: Liliane: mit 3D da Dinge wieder auferstehen zu lassen, ist das für Kinder natürlich auch ganz anders greifbar.
00:30:26: Liliane: Wir sind mal den ganzen Weg abgewandert.
00:30:30: Liliane: Pont du Gars steht ja nicht alleine da. Der ist ja nicht plötzlich da gewesen
00:30:34: Liliane: und das Wasser kam von oben runter, Sondern,
00:30:37: Liliane: das Wasser kam ja von irgendwoher und musste über viele, viele kleine andere
00:30:43: Liliane: Wege, also solche Aquädukte, geführt werden.
00:30:46: Liliane: Und diese Aquädukte gibt es zum Teil noch. Und da gibt es einen richtigen Weg,
00:30:50: Liliane: wo man jedes Aquädukt wieder entdecken kann. Und manchmal ist da nur noch die
00:30:54: Liliane: Rinne zu sehen, die wir halt von oben kennen, vom Pont du Gard.
00:30:59: Liliane: Manchmal gibt es noch zwei Bürgen, die stehen und das ist natürlich auch eine
00:31:03: Liliane: ganz tolle Wanderung. Wir haben das so peu à peu gemacht, weil ansonsten wäre es zu lang.
00:31:07: Liliane: Aber das ist auch eine ganz spannende Geschichte, die man dann so mal als Tourist,
00:31:12: Liliane: als Urlauber machen kann.
00:31:14: Liliane: Also was ich meinen Kunden ja empfehle, ist auch nicht direkt zum Pont du Gard
00:31:17: Liliane: hinzufahren, sondern so ein Stückchen weiter weg und dann die letzten Kilometer
00:31:22: Liliane: dahin zu wandern, weil ich finde, man hat einen ganz anderen,
00:31:25: Liliane: kriegt einen ganz anderen Bezug, wenn der plötzlich so auftaucht.
00:31:28: Liliane: Das ist jetzt, also ich weiß gar nicht, ob wir es gesagt haben,
00:31:30: Liliane: das ist halt eine ganz große alte römische Wasserleitung, der Pont du Gard,
00:31:34: Liliane: mit diesen geschwungenen Bögen, sieht man ja auf Postkartenmotiven überall.
00:31:39: Liliane: Und dann ist ja auch tatsächlich das Schöne, was du sagtest,
00:31:42: Liliane: dieses Museum, was es jetzt noch dazu gibt, wo man einfach nochmal ein ganz
00:31:46: Liliane: anderes Verständnis kriegt, auch für die Bauweise und wie mühsam das war,
00:31:50: Liliane: das ganze Bauwerk zu erstellen.
00:31:53: Liliane: Ja, absolut Ingenieurskunst. Also wenn man bedenkt, dass bei uns eine Brücke
00:31:57: Liliane: gebaut wird, die nach 30, 40 Jahren marode ist, abgerissen werden muss,
00:32:02: Liliane: also da ist man echt Hut ab vor dem, was diese Menschen,
00:32:09: Liliane: ich nenne sie Ingenieure geleistet haben, dieses Know-how.
00:32:12: Antje: Also wie muss das Gefälle sein?
00:32:16: Liliane: Das fängt kilometerweit an und es kommt dann unten in Nîmes kommt das Wasser
00:32:21: Liliane: raus. Also ist unfassbar.
00:32:24: Liliane: Das stimmt. Also ich kriege gleich wieder Lust, irgendwie in die Region zu fahren
00:32:27: Liliane: und auch nochmal nach Nîmes und so. Sehr schön. Danke für den Einblick.
00:32:33: Liliane: Dann treffen wir uns auf einen Kaffee dort. Das machen wir auf jeden Fall.
00:32:37: Liliane: Aber wir sind auch noch gar nicht ganz vorbei. Also ich würde jetzt gerne mit
00:32:41: Liliane: dir nochmal ein bisschen wehmütig zwar, aber zurück nach Deutschland erstmal reisen.
00:32:47: Antje: Du sagst, du bist ja in Bremen. Wo gibt es denn in Bremen kleine Frankreich-Zufluchtsorte? Gibt es da was?
00:32:56: Liliane: Da muss ich jetzt überlegen. Ich habe mal gehört, es gibt einen guten Franzosen in Bremen.
00:33:02: Liliane: Ah, ich weiß jetzt nicht, welchen du meinst. Also wir waren jüngst im Chapeau-la-Vache. Das ist.
00:33:10: Liliane: Ein französisches Restaurant. Das liegt schräg gegenüber vorm Burgerpark.
00:33:17: Liliane: Und als ich da zum ersten Mal gegessen habe, habe ich auf die Speisekarte geguckt
00:33:22: Liliane: und habe gedacht, das gibt es doch nicht. Da gibt es Buddha.
00:33:24: Liliane: Ich weiß nicht, ob du das kennst, Buddha, diese Blutwurst.
00:33:28: Liliane: Ja, ah ja, ja, ja, den kenne ich. Ist auch nicht so meins, aber...
00:33:32: Liliane: Ja, gut, man muss es mal probiert haben.
00:33:36: Liliane: Und dann war ich total fasziniert, habe mir die gleich als Vorspeise bestellt
00:33:40: Liliane: und war total hin und weg, wie die da angerichtet war, so wie ich mir das vorgestellt
00:33:45: Liliane: habe. Also als Saarländer kennt man natürlich Boudin.
00:33:48: Liliane: Und ja, das ist tatsächlich ein Lokal, das sehr schön die französische Küche anbietet.
00:33:58: Liliane: Na wunderbar, ich sammle ja auch immer Ideen, ja. Ja, aber es ist nicht mein
00:34:02: Liliane: Zufluchtsort, da hätte ich viel zu tun.
00:34:05: Liliane: Okay, das war vielleicht ein bisschen falsch ausgedrückt.
00:34:09: Liliane: Aber ich sammle ja auch immer Ideen, wir machen ja so eine Gästetafel und die
00:34:13: Liliane: will ich ja auch nochmal über Hamburg hinaus erweitern. Vielleicht wäre das
00:34:17: Liliane: mal was, sowas in Bremen zu machen.
00:34:21: Liliane: Was würdest du sagen, was nimmst du mit aus Frankreich, wenn du wieder nach
00:34:25: Antje: Deutschland immer gehst, nach Bremen?
00:34:28: Liliane: Gibt es irgendwas an der französischen Lebensart, wo du sagst,
00:34:32: Liliane: das nehme ich mit und das würde ich vielleicht nicht machen,
00:34:35: Antje: wenn ich nicht so einen Frankreich-Bezug hätte?
00:34:39: Liliane: Also ich nehme nichts mit, weil ich es immer bei mir habe. Also dieses Lebensgefühl,
00:34:43: Liliane: das brauche ich nicht mitzunehmen, das ist in mir drin. Also diese,
00:34:49: Liliane: wie soll ich sagen, Gastfreundschaft.
00:34:55: Liliane: Gerne gute Dinge zubereiten.
00:34:59: Liliane: Das sind so Top-Höver, würde ich fast sagen, die man auch den Franzosen gerne zusagt.
00:35:06: Liliane: Wobei man nicht vergessen darf, wir die meisten von uns gehen ja als Urlauber
00:35:11: Liliane: hin und sehen ja immer nur das Positive, das Gute, das Schöne und das Angenehme,
00:35:14: Liliane: das Leichte, das Leben wie Gott in Frankreich, das Savoir-Vivre.
00:35:19: Liliane: Aber den Franzosen geht es ja nicht besser wie den Deutschen.
00:35:22: Liliane: Die haben ja alle ihre Päckchen zu tragen, die hadern mit der Politik,
00:35:27: Liliane: hadern über zu hohe Steuern, über zu hohe Benzinpreise, ist ja alles wie bei uns.
00:35:31: Liliane: Und das bekomme ich ja auch mit. Aber das stört mich jetzt nicht oder ändert
00:35:36: Liliane: nichts an meinem Lebensgefühl, das ich aber schon immer hatte hier.
00:35:40: Liliane: Aber wenn du fragst, was ich mitnehme, dann nehme ich halt Dinge mit,
00:35:43: Liliane: die ich bei uns jetzt nicht so bekomme.
00:35:45: Liliane: Beziehungsweise natürlich, ich könnte hier Wein kaufen, ist vollkommen klar,
00:35:48: Liliane: aber dadurch bedingt, dass wir einen tollen Winzer um die Ecke haben und unser
00:35:55: Liliane: Wein quasi in Sichtweite wächst, nehme ich natürlich dann die Weine von dort mit.
00:36:01: Liliane: Ich nehme auch Dinge mit, die ich dort gerne esse, die ich aber hier bei uns
00:36:04: Liliane: nicht bekomme zum Beispiel.
00:36:07: Liliane: Du kriegst in Delikatesgeschäften schon sehr, sehr viel, aber es gibt manche
00:36:11: Liliane: Sachen, die kriegst du halt einfach nicht. Die kannst du im Internet bestellen, ja.
00:36:14: Liliane: Aber zum Beispiel Brondard, Domouru, das sind so Sachen, die nehme ich mit.
00:36:20: Liliane: Das gibt es hier bei uns halt einfach nicht.
00:36:23: Liliane: Gibt es was, was du vermisst, wenn du an einem Ort bist oder am anderen? Abgesehen vom Wein.
00:36:30: Liliane: Also wenn ich in Frankreich bin, vermisse ich meine Kinder und meine Enkel.
00:36:34: Liliane: Das ist aber auch schon das Einzige, weil ich mich dort so wohl fühle in Frankreich,
00:36:39: Liliane: dass ich nicht sagen würde, ich vermisse groß etwas.
00:36:43: Liliane: Hier, kaum dass ich angekommen bin, vermisse ich die Sonne, ich vermisse die Wärme.
00:36:48: Liliane: Ich vermisse es, wenn ich die Fensterläden aufmache. Hier mache ich einen Rollladen
00:36:52: Liliane: hoch, in Frankreich mache ich einen Fensterladen auf.
00:36:54: Liliane: Ich vermisse den blauen Himmel, ich vermisse die Berge, auf die ich gucke.
00:36:59: Liliane: Es hat halt alles seinen Reiz, es hat alles seine Zeit, aber ich bin immer mit
00:37:04: Liliane: dem zufrieden, was ich gerade in meiner Umgebung habe, beziehungsweise was mir angeboten wird.
00:37:13: Liliane: Das sind wunderbare Abschlussworte, würde ich sagen. Genau darum geht es ja,
00:37:18: Liliane: dass man irgendwie mit dem zufrieden ist, was da ist.
00:37:21: Liliane: Aber ein bisschen Frankreich damit einfließen zu lassen, kann nicht verkehrt sein.
00:37:26: Liliane: Nein, auf keinen Fall. Das nehme ich immer mit.
00:37:29: Liliane: Lilian, dann danke ich dir ganz herzlich für das interessante Gespräch und wir
00:37:35: Liliane: treffen uns gerne auf einem Café in Londres, beziehungsweise es heißt,
00:37:39: Liliane: glaube ich, jetzt Occitanien.
00:37:41: Liliane: Genau, es ist Londres, Roussillon, es ist irgendwann alles neu geordnet worden
00:37:47: Liliane: und das ist jetzt Occitanie, genau.
00:37:50: Liliane: Dann vielen Dank und bis ganz bald. Ja, ich danke dir, liebe Antje,
00:37:53: Liliane: und freue mich auf dich. Bis denn. Tschüss. Tschüss.
00:37:59: Liliane: Ich hoffe, Sie haben beim Zuhören ein bisschen mit uns in Nîmes,
00:38:02: Liliane: im Gars und in den Cévennes gesessen, mit Blick auf die Weinberge,
00:38:06: Liliane: römischen Steinen und natürlich Mathilde Boncourt.
00:38:10: Liliane: Nach dem dichter getakteten Bonjour-le-Tour-Folgen zur Tour de France sind wir
00:38:15: Liliane: ab jetzt wieder im normalen Atable-Rhythmus unterwegs.
00:38:18: Liliane: Alle zwei Wochen eine neue Etappe Frankreich. Viele der Orte,
00:38:22: Liliane: über die wir heute gesprochen haben, Nîmes, die Umgebung der Pont du Gard,
00:38:27: Liliane: tauchen auch in meinen Reisen auf.
00:38:29: Liliane: Wenn Sie das einmal ganz in Ruhe und gut vorbereitet erleben möchten, schauen Sie gern auf.
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