03 Marseille? Marseille! Der Reiseführerautor Ralf Nestmeyer nimmt uns mit nach Marseille

Shownotes

In dieser Folge von „A Table – der Frankreich-Podcast von Tour Exquisit“ geht es nach Marseille: an den Alten Hafen, in kreative Viertel oberhalb des Wassers und in den Nationalpark der Calanques.

Zu Gast ist Ralf Nestmeyer, Historiker, Reisejournalist und Autor zahlreicher Reiseführer unter anderem zur Provence, Côte d’Azur, Normandie, Paris und natürlich Marseille.

**Gemeinsam sprechen wir darüber, **

  • wie Ralf Nestmeyer Marseille zum ersten Mal ganz allein kennengelernt hat und warum ihn die Stadt seitdem nicht mehr loslässt
  • warum sich Marseille in den letzten zwei Jahrzehnten stark gewandelt hat – städtebaulich, kulturell und touristisch
  • was den Alten Hafen als Ausgangspunkt für eine Reise in die Stadt so besonders macht
  • welche Ecken oberhalb des Hafens mit Straßenkunst und kleinen Plätzen einen anderen Blick auf Marseille eröffnen, zum Beispiel rund um den Cours Julien
  • wie man vom Stadtzentrum aus in den Parc national des Calanques startet, welche Wanderungen eher gemütlich und welche anspruchsvoller sind und warum die Wahl der Jahreszeit dort wirklich wichtig ist
  • warum es in den Calanques klare Regeln zu Feuer, Zelten und Verhalten in der Natur gibt – und was das für Besucher:innen bedeutet
  • welche Strände sich als erste Badestelle in Stadtnähe anbieten und wo man Sandstrand findet
  • wie aus einer Idee Schritt für Schritt ein Reiseführer wird: von der Themenwahl über Vorrecherche bis hin zu mehreren Wochen Arbeit vor Ort
  • nach welchen Kriterien Ralf Nestmeyer Hotels und Restaurants auswählt – und warum vieles bewusst nicht ins Buch aufgenommen wird
  • welche Rolle kleine Details wie Speisekarten, regionale Produkte und Gespräche mit Einheimischen bei seiner Arbeit spielen
  • an welchem neuen Buchprojekt er gerade arbeitet und welche Region in Südfrankreich ihn immer wieder anzieht

Für wen ist diese Folge interessant?

Frankreich-Fans, die Marseille bisher vor allem als Hafen oder „Tor zur Provence“ gesehen haben

Reisende, die eine individuelle Städtereise nach Marseille planen und mehr als nur die offensichtlichen Highlights suchen

Menschen, die sich dafür interessieren, wie Reiseführerautor:innen arbeiten und wie viel Zeit in gründliche Recherche fließt

alle, die gerne wandern und wissen wollen, was die Calanques konkret ausmacht

Orte & Themen aus der Folge

Alter Hafen von Marseille als Ausgangspunkt

Kreative Viertel und Straßenkunst rund um den Cours Julien

Wanderungen und Küstenlandschaften im Parc national des Calanques

Strände in Marseille, u. a. in Hafennähe

Entstehung von Reiseführern (Recherche, Struktur, Auswahl von Adressen)

Südfrankreich als langjähriger Schwerpunkt von Ralf Nestmeyer

Weiterführende Links

Tour Exquisit – Genussreisen mit Seele: https://www.tourexquisit.de

Reisen, über die wir sprechen: Marseille

Newsletter (Inspiration & Angebote): https://tourexquisit.de/reise-newsletter/

Kontakt: info@tourexquisit.de

Mein Gast: (https://www.nestmeyer.de/))

Erhalten Sie Inspirationen für Ihre nächste Frankreichreise

Abonnieren Sie den Podcast, entdecken Sie unsere Frankreichreisen und erhalten Sie Reise- & Genussinspiration im Newsletter: https://tourexquisit.de/reise-newsletter/

Ein herzliches Dankeschön an Atout France: https://www.france.fr/de/ für die Unterstützung bei den Kontakten zu dieser Folge.

Transkript anzeigen

Gespräch R. Nestmeyer

Transcript

[0:05]Bienvenue bei A Table, dem Frankreich-Podcast von Tour Exquisit mit Antje Seele. Heute reisen wir nach Marseille gemeinsam mit dem Reiseführerautor Ralf Nestmeier. Als ich das erste Mal vor knapp 30 Jahren in Marseille war, war die Stadt ganz anders als all die anderen Küstenorte und die Energie von Marseille hat mich sofort gepackt. Einer der bekanntesten Reiseführerautoren Deutschlands ist heute hier zu Gast. Er wollte unbedingt einen Reiseführer über die Stadt schreiben. Wie er das macht und was die Stadt so besonders macht, das erzählt er uns heute auf einem Spaziergang durch die quirlige Stadt. Guten Morgen, Herr Nestmeier. Guten Morgen. Wenn Sie früh am Morgen am Alten Hafen stehen, riecht Marseille nach Salz, Diesel und Croissant. Zinedine Zidane hat einmal gesagt, Marseille ist wahrscheinlich ein Ort wie Liverpool. Lebendig, rau, echt. Wie würden Sie Marseille in drei Worten beschreiben? Authentisch, schön, interessant.

[1:09]Ich war selber mit Anfang 20 zum ersten Mal dort allein unterwegs im Sommerkleid mit Rucksack. War das gefährlich? Es kommt auch an, wo Sie in Marseille sich wahrscheinlich aufgehalten haben. Es gibt natürlich so Viertel in Marseille, da sollte man jetzt nicht unbedingt als Tourist hingehen. Aber ich denke mal, Sie waren in touristischen Bereichen und da war das, glaube ich, nicht gefährlich. Sie sagen, Sie kennen Marseille seit vielen, vielen Jahren und Sie waren schon über zehnmal da. Wie hat sich die Stadt in den letzten 20 Jahren verändert?

[1:39]Die hat sich schon sehr, sehr positiv verändert. Vor allem eben seitdem Marseille europäische Kulturhauptstadt wurde. finde ich, hat es einen richtigen Schub bekommen, die Stadt. Also da hat sich auch baulich ganz viel verändert gehabt. Also nicht nur das Museum, das neue Museum, was direkt am Hafen steht, was von dem Herrn Ricotti, der Architekt, ein ganz faszinierender Bau ist, wo man einfach so nur durchschlendern kann, also auf der Dachterrasse sich aufhalten kann, ohne jetzt ins Museum selbst Eintritt zahlen zu müssen. Also da ein ganz faszinierender Ort. Dann diese, direkt am alten Hafen, diese Konstruktion von Norman Foster, wo sozusagen auf Säulen ein Spiegel ist, in ungefähr 10 Meter Höhe, so groß wie ungefähr ein Handballfeld, würde ich jetzt mal schätzen, von der Dimension, um das zu schreiben. Und da ganz drumherum, es hat sich da ganz viel verändert. Also auf der einen Seite des Hafens, auf der südlichen Seite ist ja fast kein Autoverkehr mehr. Früher war da massig Autoverkehr, Parkplätze waren links und rechts und da kann man jetzt ganz problemlos lanieren und die Stadt hat sich da schon ganz stark gewandelt. Gab es einen Moment, wo Sie dachten, jetzt verstehe ich die Stadt? Verstehe ich die Stelle irgendwie. Das kam dann so mit der Zeit.

[2:58]Ich war sonst aber gar nicht so extrem lange in Marseille. Erst als ich dann noch diesen Stadtführer bei Marseille gemacht habe, der glaube ich 2018 erstmals erschienen ist, war ich dann bei der Recherche eben länger in Marseille und bin dann natürlich auch in Ecken gekommen, wo ich vorher nicht so war, weil vorher hatte ich quasi Marseille in so einem Reiseführer auf 15, 20 Seiten abgehandelt und jetzt hatte ich dann auf einmal 180 Seiten. Da habe ich dann immer mehr Zugang, würde ich jetzt sagen, zu Marseille gefunden. Und was würden Sie sagen, für wen ist Marseille besonders geeignet? Für welche Form des Tourismus oder für Leute, die sich für was interessieren?

[3:37]Marseille würde ich ganz ernst alles mit Kultur, also angefangen von tollen Museen, die man sagen hat, wie das alte Panierviertel oberhalb des Hafens mit ganz vielen Graffitis Oder am Courchelien, so ein anderes Szeneviertel, wo auch die ganzen Straßen mit tollsten Graffitis voll sind. Also da hat man solche Szeneviertel, was wieder ganz anders ist, wie jetzt so ein Stück weiter, wo dann ganz viele arabische Händler ihre Waren verkaufen. Das ist vielleicht ein paar hundert Meter entfernt und dann ist man schon wieder in einer ganz, ganz anderen Welt. Man kann Marseille natürlich auch wunderbar zu den vorgelagerten Inseln fahren, in einer halben Stunde wieder Ferien kann.

[4:16]Man kann auch ganz toll wandern von Marseille, also zum einen mal an der Promenade, dann an der Küstenstraße entlang. Wenn man läuft, kann man über Kilometer lang am Meer entlanglaufen. Oder was ganz faszinierend ist, was ich in dem Reiseführer auch drin habe, so Wanderungen. Da gibt es so eine Wanderung, da fährt man quasi ans eine Ende der Buslinie und dann kann man da loslaufen und läuft dann über so einen Berghügel an die Mittelmeerküste zu diesen Calongs, diesen tief eingeschnittenen Buchten und kann dann nochmal so berg drüber zur nächsten Bucht gelangen und wolf von dort aus wieder ein kleines Stück ins Land das Innere und landet an der Endstation einer anderen Buslinie, mit der man bequem wieder zurückfahren kann. Also man kann da eine ganz tolle Wanderung auch unternehmen. Wie ist das? Wie weit entfernt sind die Calonk von Marseille? Die ersten von ungefähr zehn Kilometer Luftlinie sind die entfernt. Und dann geht es eben ein Stück weiter die Küste entlang, die man ja dann auch erkunden kann. Also man könnte auch ausgedehnte Wandertouren machen. Ja, also die Calonk sind im Prinzip kalkmassive mit besonderer Vegetation und zwischendurch mit Buchten, richtig? Genau, diese tief angeschnittenen Buchten ist ein ganz klares, smart grünes Wasser. Das ganze Gebiet steht ja unter Naturschutz. Also da ist jetzt auch nichts verbaut und überhaupt nichts, weil es in diesem Zustand dann dort belassen bleibt. Und es gibt auch ganz starke Vorschriften.

[5:42]Da darf man nicht wild zelten und so weiter rauchen, darf man selbstverständlich auch nicht aufgrund der Waldbrandgefahr. Und das ist eine ganz ursprüngliche Region. Sie sagten, man kommt mit dem Bus hin, kann man da auch mit dem Boot hinfahren? Gibt es auch Bootausflugstouren, gibt es auch vom Alten Hafen, kann man genauso machen. Einfach machen dann und kann mit so einem Boot die Küste entlangfahren. Und haben Sie eine Calon, die Ihnen besonders gut gefällt? Ja, was ganz toll ist, ist natürlich dann schon noch ein Stück weiter Richtung Osten, die Calampe d'Envaux, die hat so einen absoluten, ganz ursprünglichen Charakter. Die ist allerdings auch, wie viele dieser Buchten im Sommer natürlich, sehr besucht von Touristen. Also man muss sich jetzt nicht vorstellen, wenn man im August oder Juli dahin wandert, dass man da einsam ist. Also da sind dann schon sehr, sehr viele Menschen. Also einsam wird es dann eher, sag ich mal, im Winterhalbjahr.

[6:38]Sind das eher leichte Wanderungen oder ist das eher anspruchsvoll? Das ist dann schon eher anspruchsvoll, weil das geht ganz schön dann so diese Felsen rauf und runter. Da kann man schon auch mal an verschiedenen Stellen mal die Hand, braucht man dann schon, um sich abzustützen und muss immer irgendwo jetzt so einen Felsen hochklettern, was jetzt aber keine wirklichen Kletterkenntnisse oder so, man braucht jetzt da keine Sicherung, keine Seile oder irgend sowas, sondern das kann man ganz normal machen, aber man muss dann schon relativ fit sein. Also für jemanden, der so leichte Gehprobleme hat oder andere Probleme vielleicht mit so ein bisschen Höhenachs, ist das wahrscheinlich nicht geeignet. Ja, und ich habe da mal eine Wanderung gemacht. Ich erinnere mich auch, das wird da sehr heiß, weil Vegetation ist da ja wenig. Also Schatten gibt es da wenig. Nein, nein, das kann im Sommer durchaus 35, 40 Grad sein oder gefühlt sogar eher noch mehr, weil die Hitze von diesem Felsmassiv dann noch zusätzlich irgendwie abgestrahlt wird. Ist das schon anstrengend.

[7:38]Deswegen, wie gesagt, würde ich das lieber in der Vor- und der Nachsaison unternehmen. Da ist es leerer und die Temperaturen sind ja in der Regel dann auch angenehmer. Zwischendurch könnte man auch baden gehen. Ja, klar, kann man die Badesachen mitnehmen, kann doch baden in dem Buch. Herrlich, hört sich das an. Gibt es da auch Möglichkeiten zur Einkehr? Es gibt in ein paar Buchten, gibt es Restaurants, die dort sind. Also man kann durchaus einkehren, wobei man sich natürlich dann eventuell reservieren muss, weil es natürlich dann voll sein kann oder man nimmt sich halt was im Wand, Waschgepäck, Verpflegung einfach mit, was das sowieso.

[8:16]Also wir waren jetzt sozusagen am alten Hafen von Marseille, Wir sind jetzt mit dem Bus in die Calon gefahren, haben eine Wanderung gemacht, kommen jetzt vielleicht mit dem Boot wieder zurück und sind jetzt wieder am Alten Hafen. Sie haben vorhin das Viertel Pannier erwähnt. Das ist ja sozusagen das alte Viertel, was direkt am Hafen liegt. Ist das auch Ihr Lieblingsviertel oder haben Sie irgendein anderes Viertel, was Ihnen besonders gut gefällt?

[8:41]Ich mag auch diesen Cours Jullien, also das ist so ein Platz, ein Stück oberhalb des Hafens, ungefähr für so einen knappen Kilometer Luftlinie weg vom Alten Hafen, ein kleines Stück auf so einer Ebene gelegen, etwas höher, man hat auch einen tollen Blick dann da von dort aus so ein bisschen die Straßen hinunter und das ist ein relativ lebendiges Viertel mit ganz vielen Studenten, alternativen Szene-Kneipen, Boutiquen, Second-Hand-Shops und Restaurants. Also sehr bunt gemischt. Dieses Viertel auch bin ich sehr gerne. Ich war da vor ein paar Jahren und da kam gerade ein Artikel raus in einer Schweizer Zeitung, das sei eines der coolsten Viertel in Europa, genau als wir gerade da waren. Ich fand es auch total spannend, sich auch mal so ein bisschen mit der Graffiti-Kunst dazu beschäftigen. Das hat mir echt gut gefallen. Ja, da gibt es sogar Führungen zu den Graffitis und so weiter, um das dann da zu zeigen. Das wechselt natürlich immer wieder, manche verschwinden natürlich dann auch, aber das ist wirklich sehr faszinierend, diese Graffiti-Kunst, die da über ganz viele Hausfassaden sicherstrecken. Ich habe sowieso den Eindruck, dass es in Marseille eine wahnsinnig lebendige Kunst- und Kulturszene gibt. Gibt es noch andere Museen, die Sie empfehlen würden? Sie haben vorhin das Museum genannt.

[10:08]Das ist ja eines der meistbesuchtesten Museen in Europa.

[10:13]Ist das das sehenswerte Museum oder würden Sie sagen, das und das müsste man auch unbedingt gesehen haben? Es gibt noch was ganz daneben.

[10:22]In der ehemaligen Villa Mediterranee wurde eingebaut, eine Nachbildung dieser berühmten Tropfsteinhöhle, die auch in den Calongs gefunden worden ist, wo der Zugang eben ca. 30 Meter unter dem Wasser liegt, von Tauchern entdeckt, von einem Herrn Koska entdeckt ist sie worden. Und die kann man natürlich nicht besichtigen, weil natürlich das streng geschützt ist, diese ganzen Felszeichnungen, die dort sind. Aber man hat diese Grotte dann in etwas klein, nicht in der ganzen Größe, aber maßstabsgemäß nachgebaut quasi und in einem Gebäude im Hafen. Und man fährt da auch richtig mit dem Aufzug runter, weil sich die Ausstellung quasi unter dem Meeresspiegel auch befindet. Also man hat so ein bisschen auch dieses Gefühl, dass man jetzt dann so abtaucht, weil man sich dann auch da unter dem Meeresspiegel befindet. Und dann fährt man quasi mit so offenen Wagen so langsam eben durch die Gänge und Zähnen und sieht diese ganzen Ausstellungen. Also das ist richtig faszinierend, dass man auch richtig so echt war, das Gefühl, man ist in einer echten Höhle. Einzig, was noch ein bisschen fehlt, Ich finde jetzt, dass die Temperatur nicht so kalt ist, wie es in einer echten Höhle ist. Aber ansonsten ist das auch ein ganz faszinierendes Museum, was man unbedingt gesehen haben sollte. Und dann gibt es ja auch noch viele andere so offene Ateliers und so meine ich auch direkt am Hafen und auch in der Stadt verteilt.

[11:47]Was ich noch nicht besucht habe, was mich aber sehr interessiert, ist diese Frisch-Label de May. Waren Sie da? So ein Kulturzentrum, so ein großes Alternatives, war ich auch da. Ist in dem Reiseführer auch ausführlich beschrieben. Das ist eine ehemalige Zigarettenfabrik gewesen, die man dann nicht mehr genutzt hatte und die wurde dann eben umgebaut. Wir sind auf dem Restaurant, eine Buchhandlung ist dort drin und eben am Sommer finden Kino-Aufführungen auf dem Dach statt, Konzerte, Ateliers. Also das ist so eine ganz bunte Szeneort, wo eben sehr viel Leben sich abspielt. Das ist ein Stück weg eben vom normalen touristischen Marseille, da muss man schon richtig bewusst auch hinfahren.

[12:31]Durch Zufall läuft mir jetzt da nicht vorbei, aber auch das lohnt sich, wenn man sich für sowas interessiert. Wie ist das, wenn Sie dort sind? Das berühmteste Gericht der Stadt ist ja wahrscheinlich die Bouillabels. Was essen Sie dort besonders gerne außerhalb der bekannten Fischsuppe? Es gibt dort wirklich alles Mögliche von Couscous. Es gibt ganz viele arabische Restaurants, die natürlich diese Immigrantentradition widerspiegeln bis hin zu asiatischen Lokalen, ganz normal für französische Lokale. Dann gibt es natürlich auch Lokale, die einfach toll sind, weil das Ambiente halt sehr stimmungsvoll ist oder die Lage ganz toll ist, wenn es irgendwie direkt an der Küste zum Beispiel hat einen Blick. Da gibt es ganz unterschiedliche Sachen. Haben Sie einen Tipp, wie man so diesen typischen Touristenfallen entgeht? Tipp, ja, die typischen Touristenfallen, es gibt auch im Alten Hafen, gibt es durchaus das eine oder andere, das wirklich gute Restaurant. Sobald man sich ein bisschen ja wegbewegt zu bestimmten Lokalen, dann ist eigentlich die Wahrscheinlichkeit nicht groß, dass man jetzt in irgendeine Touristenfalle jetzt Fallen tappen würde, weil die Lokale lieben ja auch von den Einheimischen, die dort regelmäßig essen gehen. Wenn wir jetzt ganz viel in der Stadt unterwegs waren und wir wollen mal diesem Trubel ein bisschen entfliehen, was würden Sie mir empfehlen, was mache ich dann, wenn ich in Marseille noch bleiben möchte?

[14:00]Ja, also wegen einem Ausflug zu einer dieser vorgelagerten Inseln, wo dieses berühmte Chateau Dive auch ist oder Graf von Monte Cristo ja inhaftiert wurde. War nach dem Roman von Alexandre Dumas, gibt es natürlich jetzt dann andere Inseln, wo es dann eben weniger los ist zum Baden. Es sind zwar auch Leute da, aber man ist dann schon, man fühlt sich dann auf einmal schon gar nicht mehr wie in Marseille, weil man dann so in der eigenen Welt ist auf so einer Insel. Allein diese halbe Stunde Transferzeit mit der Fähre bringt man da irgendwie schon in so eine andere Atmosphäre hinein. Man kann auch von Marseille immer länger dort bleiben, auch ganz bequem mit dem Zug in einer halben Stunde nach Aix-en-Provence fahren. und dann ein Tagesaufslauf von Ex-en-Provence-Unternehmen. Also da gibt es schon viele Möglichkeiten, was man auch von Marseille aus unternehmen kann. Wenn ich jetzt aber auf so eine Insel fahre, muss ich da was zu essen mitnehmen, ein Picknick oder so? Da gibt es auch Restaurants. Also jetzt nicht am Chateau-Dive, das sind eine Reihe Museumsinseln, aber bei den anderen Inseln gibt es dann, bei der Hauptinsel gibt es dann schon mehrere Restaurants. Da liegen ja auch Leute fest drauf auf diesen Inseln. Nicht sehr viele, aber es sind ja Leute, die auch dort ihren Wohnsitz haben sogar. Ja, und Marseille hat auch noch ein paar Stadtstrände, glaube ich. Gibt es auch Stadtstrände, gar nicht weit. Jetzt weg vom Alten Hafen kommt die erste Bucht, der Strand de Plas de Catalan, heißt der. Da ist der erste Sandstrand.

[15:28]Da gibt es sogar vorgelagert so einen unterirdischen Tauchpfad oder Wanderweg, wo so Skulpturen im Meer liegen. Da kann man dann mit einem Schnäutel diese Skulpturen sehen. Also da gibt es mehrere Möglichkeiten. Und dann weiter auch die Küste entlang ist Meere, auch Sandstrände, wo dort sogar in dem Fall der Sand aufgeschüttet worden ist, vor ein paar Jahrzehnten. Und hat man das dann sozusagen dort auch für die Einheimischen vor allem auch, die diese Strände stark frequentieren, aber auch für die Touristen, hat man die Möglichkeit dann auch am Sandstrand in Marseille zu sein.

[16:02]Sie beschreiben ja die Stadt und ich habe das in dem Marseille-Reiseführer gelesen. Ich glaube, das war Ihr Wunsch oder Ihre Idee, dass der Reiseführer zu Marseille als Einzelreiseführer nochmal entsteht. Sie sind ja nicht nur Reiseführerautor, sondern auch Krimiautor, Historiker, Reisejournalist und ich habe auf ihrer Webseite eine Beschreibung gelesen, wie in Anführungsstrichen unromantisch das eigentlich ist. Das hat mich sehr an meine eigenen Recherchereisen erinnert, weil man stellt sich immer vor, oh toll, Reisejournalist, man fährt durch die Gegend, guckt sich alles an und kriegt das auch noch bezahlt. Die Realität sieht ja ein bisschen anders aus. Da wollte ich auch gerne noch mit Ihnen drüber sprechen. Wie beginnt das Ganze? Wenn Sie jetzt sagen, Sie möchten, Sie haben ein neues Reisebuchprojekt...

[16:54]Wie starten Sie in die Planung? Ja, zum einen, was ganz aufwendig ist, natürlich immer so einen Reiseführer neu zu schreiben. Als ich damals mit dem Provence-Buch war mein erster großer Frankreich-Reiseführer, dann kam er noch über andere Regionen, über Langteau-Grosselion, über die Normandie und so weiter auch Reiseführer. Das Erste, das hat damals mit dem Schreiben und Recherche, da war ich da ungefähr, würde ich jetzt sagen, ein Jahr beschäftigt gewesen, um diesen Reiseführer dann fertigzustellen. Er hat natürlich auch in der ersten Auflage schon über 500 Seiten gehabt. Das war schon umfangreich und das bedeutete zum einen, das waren mehrere Wochen, bestimmt zweieinhalb Monate vor Ort Recherchereisen. Dann viel Arbeit am Heimischen Schreibtisch. Und bei diesen Recherchereisen ist man natürlich so ein bisschen wie so ein Handlungsreisender. Man klappert halt so Dorf für Dorf die Region so ab und eine halbe Stunde da, dann fährt man zum nächsten Ort, ist dann dort. Und da hat man dann schon relativ viel auch zum Fahren. Also, weil das Programm oder die Region ist ja natürlich sehr, sehr groß und wenn man da irgendwie in halbwegs Zeit da durchkommen will, muss man natürlich dann schon dabei bleiben. Und man macht es ja nicht so wie jetzt irgendein Tourist, der in der zwei Wochen Urlaub sich ein paar Sachen rauspickt, was er gerne sehen will. Ich biete einem Reiseführer ganz viele Möglichkeiten an und erzähle ganz viel, was man sehen kann. Städte, Dörfer, einsame Klöster, Strände, Baden im See und was auch immer. Also da hängt natürlich viel dran und das macht die Recherchereise natürlich sehr aufwendig.

[18:23]Wie bereiten Sie sich darauf vor? Recherchieren Sie im Internet? Sprechen Sie mit Einheimischen?

[18:29]Wie machen Sie das? Also als ich damit begonnen hatte, gab es ja noch kein Internet 1996.

[18:35]Es gab kein Wikipedia, gab es auch nicht. Also man war quasi auf Bücher angewiesen. Ich habe mir dann natürlich auch französische Bücher besorgt, um mich damit auch noch zusätzlich zu informieren. Alles mögliche aus deutschen, auch so Bibliotheken, was so in die Region geschrieben wird, auch so Hintergrunds, Wissen geschichtlich ist, um mir das anzueignen und das macht es dann schon mal zum einen das als Vorarbeit und dann natürlich ist man natürlich vor Ort dann da, wo man natürlich dann sich die Sachen anguckt, Museen anguckt, die man halt dann beschreibt, Kirchen und andere Sehenswürdigkeiten, wo man natürlich auch mit Leuten ins Gespräch kommt, wenn man irgendwie Fragen hat.

[19:17]Beziehungsweise es gibt ja auch manchmal über einzelne Sachen, dann so Broschüren über Museen und so weiter, die ich dann auch mitgenommen habe, etc. Heutzutage steht das alles im Internet. Früher war das, wie gesagt, noch wirklich aufwendiger. Man kann sich das vielleicht auch gar nicht so ganz vorstellen, aber ich musste früher, wenn es um den Eintritt in den, sage ich jetzt mal, Papstpalast in Avignon geht, musste man hingehen, die Öffnungszeiten dort notieren und die Eintrittspreise an der Tür dort notieren. Die standen ja nirgendwo. Und Sie sagten, das war jetzt der erste Provence-Reiseführer oder wenn man ein Reiseführer-Produkt neu aufbaut, dann ist es sehr arbeitsintensiv. Wenn Sie jetzt wieder da hinfahren, um zu recherchieren oder um eine aktualisierte Auflage zu erstellen, wie lange sind Sie dann so unterwegs? Also das Reiseführer, der hat Promos und Côte d'Azur, das ist beides drin, das deckt die gesamte Region ab und da bin ich dann schon auch nochmal vor Ort, würde ich jetzt sagen, so sechs.

[20:14]Sieben Wochen vor Ort in zwei Recherche-Reisen meistens, splitte ich das dann auf, weil mir das am Stück dann irgendwann zu lang wird und dann eben noch so Vorrecherche zu Hause, dann ein bisschen hinterher und beziehungsweise aber auch während der Reisezeit vor Ort, Dann laufe ich immer mit so einem Diktiergerät durch die Gegend und spreche immer verschiedene Sachen auf, die ich dann abends im Hotelzimmer dann in der Regel noch in der Kurzform dann auch eintippe, weil dann die Erinnerungen am frischesten sind. Genau, also Sie schreiben direkt auf der Reise zumindest schon kurz vor. Ja, so Restaurantbeschreibungen, neue Hotels und solche Sachen, das mache ich dann oftmals abends, weil die Eindrücke eben halt viel besser sind, als wenn man sich dann nach so und so viel Hotels oder irgendeine Sachen gesehen hat und man muss sich dann zurückerinnern, dann wird es immer ein bisschen schwieriger. Wie entscheiden Sie denn, was ins Buch kommt und was nicht? Also gerade auch, stelle ich mir so vor, wenn es um Restaurants oder sowas gibt, Und da gibt es ja sicherlich auch mal Dinge, wo man sagt, das war jetzt vielleicht eine Enttäuschung.

[21:14]Zum einen ist es ja so, dass ich bei Hotels, kann man sich ja alle anschauen, die man im Buch hat. Aber essen kann ich natürlich auch aus Zeitgründen unmöglich in allen Restaurants, die man da hat, in so einem Reiseführer. Ich nutze also lokale Restaurantführer zum einen. Zum anderen, also auch für die hochpreisigen und guten Restaurants Michelin und Gourmet Jô, also die Führer, gucke, was sind bis dahin empfohlen und orientiere mich da unter anderem etwas dran. Dann gibt es auch so Erfahrungswerte zum einen, wenn ich dann, weil ich mir alle anschaue, also auch wenn ich essen gehe, fordere ich mir die Räumlichkeiten an, logischerweise die Speisekarte etc. Dann gibt es immer Restaurants, die einfach toll gelegen sind. Sowas gibt es einfach, wo man sich wohlfühlt, weil die Lage einfach herrlich ist. Das ist auch schon mal sowas, was die Leute ja auch schätzen. Die wollen ja auch irgendwo schön sitzen. Und wenn es das einzige Restaurant ist, wo man quasi am Strand nahezu ist, dann hat es natürlich auch schon für sich schon mal einen reizvollen Stellenwert für die Empfehlung. Dann Sachen, die ich dann selbst entdeckt habe, manchmal so im Laufe der Jahrzehnte.

[22:23]Ist schon manchmal wie die Speisekarte geschrieben ist. Sage ich jetzt mal, oder wie die Tische eingedeckt sind, das deutet schon manchmal auf was Bestimmtes hin, was einem erwarten kann. Aber so muss man das natürlich so ein bisschen halt dann einsortieren und dann so eine Auswahl treffen. Ich war letztes Jahr in der Britannia unterwegs auf Recherchereise und hatte das ganze Auto voll mit Mitbringseln. Bringen Sie sich von Ihren Reisen auch Dinge mit? Und wenn ja, was? Ein paar Produkte, aber gar nicht so viele. Also irgendwie so spezielles Karmark-Salz, das kriegt man zwar hier auch, aber ich kaufte aber gerne nur eins, was noch mit Chili-Pigmenten vermischt ist. Das kriegt man irgendwie in Deutschland. Ich wüsste jetzt nicht, wo solche Sachen nehme ich mit. Und mal irgendwie auch, aber in der Regel erst gegen Ende, wenn ich irgendwo in einem Weingebiet bin, da vielleicht mal eine Kiste Wein. Aber wenn ich drei Wochen im Auto rumfahre, dann kaufe ich den Wein auch nicht gleich am Anfang. Wenn, dann muss es am Schluss sein. Sonst will ich das auch nicht die ganze Zeit durch die Gegend karren. Also es kommen schon ein paar so Kleinigkeiten, Lavendel, Honig da.

[23:27]Oder es gibt wohl in der Haute Provence, wenn ich da am Schluss bin, so ganz tolle, so eine ganze Meter lange dünne Salamis, die so wirklich die ganzen Meter lang sind. Mit verschiedenen Geschmackrichtungen bei einem so Laden in Banon. Da kaufe ich, da ich am Ende bin, nehme ich mir da ein bisschen was mit, aber ist auch, wie gesagt, ein bisschen abhängig davon, wie lange die Reise noch dauert. Dann will mir ja auch manche verderblichen Produkte nicht am Anfang gleich einpacken. Und gibt es schon ein neues Buchprojekt? Einen neuen Reiseführer, an dem Sie schreiben? Nein, einen neuen Reiseführer jetzt nicht. Ich habe da genug mit Reiseführern am Aktualisieren immer wieder zu tun. Es gibt da über zwölf Reiseführer von mir, deswegen bin ich jedes Jahr ein halbes Jahr ungefähr immer beschäftigt, um die wieder zu aktualisieren. Ich mache dann aber ja noch andere Projekte. Sie haben es ja gesagt gehabt, Provence-Krimis schreibe ich auch. Da gibt es vier Bände mittlerweile. Der letzte war Blutroter Lüberon. Und jetzt im kommenden April, am 23. April 2026, erscheint dann der fünfte Krimi, Nachtschwarzes Avignon ist der Titel. Und der ist gerade im Lektorat. Da habe ich noch ein paar Lektoratsfragen. Und dann mache ich ja auch als Historiker immer ab und zu auch so Sachbuchprojekte und da bin ich jetzt gerade dran, so kurz vor.

[24:50]Dass ein neues Projekt ist am Entstehen, es müsste auch demnächst zum Vertragsabschluss kommen und dann bin ich dann auch mit solchen Recherchesachen am heimischen Schreibtisch auch wieder beschäftigt.

[25:00]Oh, das klingt spannend. Zum neuen Bucherscheinen fällt mir natürlich sofort ein Nachtschwarzes Avignon. Dann müssten wir nochmal eine neue Folge machen und über Avignon und ihr Buch sprechen. Sie sind ja spezialisiert sozusagen auf die Provence, die Côte d'Azur.

[25:18]Wenn Sie ihn jetzt nochmal ganz frei wählen könnten, würden Sie gerne noch einen anderen Teil Frankreichs mal beschreiben? In Normandie habe ich ja quasi auch noch ein Programm. Es gibt so ein Jahr, Burgund ist auch eine Region, die ich finde, finde ich relativ spannend, wobei da gar nicht so viele Deutsche hinfahren. Ich habe da mal eine Analyse gelesen, dass da deswegen auch gar nicht so viele Reiseführer nachgefragt werden über Burgund. Ich habe aber auch noch meine Lücken in Frankreich. Zum Beispiel war ich bis heute immer noch nicht wirklich in der Bretagne, außer so einen kleinen Teil, der direkt an die Normandie angrenzt. Aber so richtig in der Bretagne war ich bis dato noch nicht. Da möchte ich mal auch privat hinfahren und gerne auch dann sozusagen ohne, dass man daraus recherchieren muss, für einen Reiseführer, sondern halt wie ein ganz normaler, neugieriger Reisender und Tourist dann eben mir die Bretagne ansehen. Ah, da kann ich dann was zu beisteuern, denn ich war schon häufiger in der Britannie und bin da auch ganz begeistert von. Da kann ich Ihnen noch ein paar Tipps geben. Herr Nesmaier, das war ein ganz spannendes Gespräch. Vielen Dank. Ich bedanke mich, dass Sie da waren und ich hoffe, wir sprechen uns dann nochmal zu Arwin Jung. Ja, ich danke Ihnen auch für das Gespräch und vielleicht bis demnächst.

[26:32]Während Herr Nestmeier schon aufgebrochen ist zur nächsten Recherchereise nehme ich den Bus und wandere noch ein bisschen in den Calonk Vielleicht gehe ich auch noch eine Runde schwimmen dann fahre ich zurück und lasse die Farben und Gerüche von Marseille nochmal richtig auf mich wirken Wenn Ihnen unsere Folge gefallen hat abonnieren Sie unser Newsletter Alle zwei Wochen gibt es hier neue Podcast-Folgen Merci, dass Sie dabei waren A bientôt bei A Table, Ihre Antje Seele.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.