04 Zwischen Bergdörfern und Cannes – mit Krimiautorin Christiane Dreher
Shownotes
In dieser Folge:
- Neuanfang in Frankreich: vom Biobauernhof zum Leben an der Côte d’Azur
- Bergdörfer, Nähe und soziale Dynamiken: was man erst „vor Ort“ versteht
- Cannes zwischen Glanz und Alltag – und wie man sich darin bewegt
- Essen, Märkte, Tischkultur: warum der Familientisch oft mehr erklärt als jede Sehenswürdigkeit
- Schreiben, Beobachten, Leben in Südfrankreich
- Individualreisen Provence & Côte d’Azur (Anfrage/Überblick): [LINK EINSETZEN]
Nächste Folge: Nächste Woche erscheint außerplanmäßig schon die nächste Folge: eine Weihnachtsgeschichte – darin erzähle ich, wo ich vor 20 Jahren war und was das mit Tour Exquisit zu tun hat.
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Transkript anzeigen
[0:15] Trauer über eine verflossene Liebe zog sie für ein Jahr von Köln auf einen Bio-Bauernhof in Südfrankreich. Ohne Plan, nur mit dem Wunsch, wieder zu sich selbst zu finden. Aus diesem einen Jahr wurde ein neues Leben. Heute lebt sie in Cannes, ist mit einem Franzosen verheiratet und schreibt als Christine Cazan erfolgreiche Frankreich-Krimis, die auf der Bestsellerliste standen. Darin ermittelt ihr Kommissar Léon Duval an der Côte d'Azur zwischen Filmglanz, Meer und ganz alltäglichem Frankreich. Wie sie dieses Leben zwischen zwei Welten erlebt, woran sie als nächstes arbeitet und welche Tipps sie für alle Côte d'Azur-Fans hat, darüber sprechen wir heute. Bienvenue Christiane Dreher. Hallo, schön, dass ich da sein darf. Ja, das freut mich auch sehr. Frau Dreher, wann haben Sie das letzte Mal etwas zum ersten Mal gemacht?
[1:04] Also gerade diesen Podcast vielleicht, ja, das ist ganz neu, das habe ich noch nie vorher gemacht. Ach, das ist ja schön. Ich habe mir vorgenommen, so oft wie möglich Dinge zum ersten Mal zu tun. Das muss nicht immer ein Neuanfang sein, es reichen auch so kleine Dinge, etwas neu auszuprobieren. In Ihrem Leben gab es aber einen echten Neuanfang, der vielleicht mehr als Auszeit denn als Neuanfang geplant war. Erzählen Sie doch mal, welches Bild kommt Ihnen sofort in den Kopf, wenn Sie an Ihr erstes Jahr in Frankreich auf dem Bio-Bauernhof denken? Der Anfang, also die Hinfahrt, das war so aufregend. Also ich hatte eigentlich sehr romantische Vorstellungen von diesem Hof und von diesen Bergen und von diesem Tal. Ich wusste eigentlich gar nichts und man hatte mich am Flughafen abgeholt. Ein junger Mann fuhr mich da, also diese immer enger werdenden Serpentinen immer weiter in die Berglandschaft. Und dann landeten wir auf einem Bauernhof. Ich war sehr geschockt, ich war sehr schockiert. Es war sehr einfach, sehr alternativ und ich dachte, oh Gott, wo bin ich hier gelandet? Das war alles so anders, wie ich das mir vorgestellt hatte. Und sagen Sie mal, wann war das genau?
[2:13] Das war genau vor 20 Jahren. Ich bin dieses Jahr 20 Jahre in Südfrankreich. Sagen Sie, wie haben Sie sich damals verständigt? Sie konnten, glaube ich, noch gar nicht so richtig Französisch, oder? Nicht so fließend? Nee, das war auch eine große Selbstüberschätzung. Ich dachte, mein Schulfranzösisch reicht aus. Ich dachte auch, wenn ich vier Wochen da lebe und mitlebe und nur von Franzosen umgeben bin, dann würde das ganz automatisch fließend werden. Ich würde innerhalb von vier Wochen fließend Französisch sprechen und auch lesen können und mich verständigen können. Und das war eine große Enttäuschung, dass das nicht der Fall war, dass ich wirklich lange Zeit stumm war, weil ich mich nicht ausdrücken konnte. Und ja auch viel nicht verstanden habe. Also viel von dem, da wurde so, das waren ja so viele Leute da auf diesem Hof. Das war ja nicht so ein.
[3:02] Die redeten alle gleichzeitig beim Mittagessen und ich verstand nichts. Ich musste mich wahnsinnig auf eine Person konzentrieren und die redeten aber alle gleichzeitig. Und das war am Anfang wirklich sehr verstörend, wie wenig ich eigentlich verstanden habe und wie wenig ich kommunizieren konnte. Das war also sozusagen im Hinterland von Nizza. Die Seealpen sind ja sozusagen da im Hinterland gelegen, sehr einsam, soweit ich das weiß. Kleine Bergdörfer. Ja, das ist zwei Stunden weg von Nizza und hat wirklich überhaupt nichts mit Nizza und der Côte d'Azur zu tun. Das ist wirklich sehr alpin, das sind wirklich klitzekleine Bergdörfer, abgelegene Weiler, abgelegene Höfe. Das ist eine ganz andere Welt, ja.
[3:48] Das war ja aber auch das, was Sie eigentlich gesucht haben, eine andere Welt. Ja, aber tatsächlich hatte ich eine, ich sag mal, sehr viel romantischere Vorstellung von diesem Bauernhof und von diesem Landleben. Und es war sehr rau. Was ich alles nicht mitbedacht habe, ist, dass es nicht nur eine wunderbare Landschaft ist und ein großer weiter Himmel, sondern, naja, dass da Tiere sind und dass da Tiere riechen und dass die Käse machen und dass es nach fermentierter Milch riecht. Und alle möglichen Ausscheidungen von Tieren und Misthaufen und all diese Gerüche hatte ich nicht mit einbedacht. Das war sehr, sehr fremd auch. Was war das Ungewöhnlichste, was Sie dort gemacht haben? Alles. Also wir sind ausgerissenen Kühen hinterhergelaufen, wir sind ausgerissenen Schweinen hinterhergelaufen.
[4:43] Ich habe Kühe gemolken, ich habe Käse gemacht. Das sind alles Dinge, die waren so jenseits dessen, was ich vorher gemacht habe. Das war alles, alles ungewöhnlich. Auf diesen großen Feldern, Unkraut jäten, unter riesigem blauem Himmel. Das war alles neu. Das war alles fremd. Hört sich fremd an, aber irgendwie hört es sich auch ganz schön an. Was hat Ihnen denn besonders gut gefallen? Ja, auch alles. Also tatsächlich, es erdet ein, das ist so ein Standardwort, aber tatsächlich diese Ruhe, diese Weite, diese unglaubliche Landschaft, die sie umgibt, wenn sie draußen sind. Dieses Langsame, dass man.
[5:26] Man arbeitet, lange Mittag isst, ein Schläfchen macht, ein Mittagsschläfchen macht, wieder weiter arbeitet, wieder isst, redet und einfach da ist. Und das ist ein ganz langsamer Rhythmus. Und manchmal war mir das alles zu langsam. Ich kam aus der Stadt, ich war gewohnt, dass da jetzt noch was gemacht werden muss. Und diese, ja manchmal gab es im Sommer, gibt es diese Sommergewitter. Da bricht alles zusammen, da regnet es so stark, da ist Gewitter, da fällt Strom aus, da kann man überhaupt nichts machen. und dann sitzt man da, trinkt seinen Tee und redet und das war es für den Nachmittag. Und mich auf diesen langsamen, naturgebundenen Rhythmus einzulassen und auch, dass man trotz allem jeden Tag raus muss, die Tiere füttern und die Kühe melken und Käse machen, dass man das trotz allem auch machen muss. Aber alles irgendwie so auf so einem runter, also nicht diese Stadtnervosität, sondern wirklich so eine ganz ruhige, naturbezogene Lebensweise, das hat mir sehr gut getan. Das haben Sie ja dann auch noch fortgesetzt. Sie sind ja nach dem Jahr noch in der Region geblieben. Was genau haben Sie dann gemacht?
[6:40] Also ich wollte nach diesem einen Jahr einfach nicht mehr zurück. Also ich hatte tatsächlich wieder ein Angebot, zurückzugehen und im Verlag weiterzuarbeiten und habe gesagt, das will ich nicht mehr. Also ich wollte einfach bleiben. Ich wollte nicht mehr zurück in diese Stadtnervosität. Ich hatte das Gefühl, das hat mir so gut getan dieses Jahr. Und Ich wusste gar nicht so genau, was ich machen will, aber ich wollte nicht mehr zurück in das andere Leben.
[7:03] Dann habe ich alles Mögliche gemacht, was man so macht. Es war einfach eine Entscheidung für eine Lebensform und dann arbeitet man da, wo es Arbeit gibt. Also ich habe Märkte gemacht, ich habe Käse ausgeliefert und bei diesem Käseausliefern habe ich dann einen Aubergisten kennengelernt, also jemanden, der eine kleine Auberge in einem Nachbardorf wieder eröffnet hatte und ja, den habe ich kennengelernt und in den habe ich mich verliebt und mit. Dem habe ich dann zusammen eine kleine Auberge in einem anderen, ebenso abgelegenen Bergdorf kennengelernt. Was genau ist eine Auberge? Ist das ein Restaurant oder ist das mit Übernachtungsmöglichkeit? Das ist ein ganz kleines Gasthaus mit Übernachtungsmöglichkeit. Also wir hatten zwei Zimmer. Im dritten Zimmer haben wir selbst gewohnt. Und wir haben in der Aubergh 16 Plätze und im Sommer auf der Terrasse auch nochmal ein paar Tische und Stühle. Aber es ist eine ganz kleine Gasthauseinheit, die im Französischen eben Aubergh heißt. Gasthaus mit Übernachtungsmöglichkeit. Ja, das heißt, da sind dann auch meistens wahrscheinlich Einheimische, die zu Gast sind oder sind das auch viele Touristen gewesen?
[8:18] Naja, das ist 20 Jahre her oder 19 Jahre her. Das hat sich sehr verändert mit dem Internet, das aufgekommen ist. Damals gab es noch kein Internet. Es waren sehr viele Wanderer, die dort für eine Nacht kamen und übernachten. Es waren viele Einheimische, also auch die Leute aus dem Dorf und das hat sich dann so ein bisschen rumgesprochen in den anderen Dörfern. Es war so eine Mischung aus den Einheimischen, die kommen und den Wandertouristen, die im Sommer da sind. Aber in der Sommersaison sind viele Touristen, aber den Rest des Jahres lebt man viel mit den Einheimischen. Also von den Menschen, die in den Nachbardörfern sind und zum Essen kommen und so. Das heißt, da ist man schon sehr dicht dran an diesem ganzen Dorfleben. Ja, das ist ja so klein. Wir waren ja nur 30, die das ganze Jahr überleben. Also mit diesen paar Leuten oder auch so wenige Leute in diesem Tal, die kennt man alle. Also mit denen leben sie auch ganz dicht zusammen. Das ist einerseits sehr schön, das ist natürlich aber auch eine soziale Enge. Alle wissen alles und alle hängen sich auch in alles rein. Also zum Beispiel wissen alle Leute auch besser, wie man irgendwie eine Patty macht.
[9:33] Da gibt es dann Leute, die kommen dann bis in die Küche gestiefelt, um ihnen zu sagen, dass man es vielleicht besser mit dem Gewürz gemacht hätte oder so. Also alle sind ständig präsent. Ja, das ist ein sehr intensives Dorfleben und sie müssen mit diesen Menschen intensiv zusammenleben, weil sie sind da. Also es geht nur mit den Menschen. Wenn ihnen das zu viel ist, wenn die Menschen ihnen nicht liegen, dann können sie da nicht bleiben. Das hatte ich auch gelesen, dass Sie das so beschrieben haben in Ihrem Blog mal, dass es gar nicht geht. Also man kann sich mal zurückziehen, aber grundsätzlich ist eigentlich schon immer wieder jemand da, der Kontakt haben möchte. Es war mir vorher nicht so bewusst, wie viel frei und wie viel alleine sein ich benötige. Und Frankreich ist einfach ein sehr soziales Land. Also dieses Zusammensein, dieses Zusammenreden, dass man so alleine sein möchte, das wird gar nicht so verstanden. Also ich habe mich manchmal mit einem Buch nach draußen gesetzt, aber in dem Moment, wo sie sich mit einem Buch nach draußen setzen, setzt sich jemand dazu, weil der mit ihnen reden will. Dass sie mit einem Buch draußen alleine sein wollen, das wird gar nicht verstanden. Ja, das soziale Leben ist sehr viel wichtiger und sehr viel präsenter als in Deutschland.
[10:42] Ich glaube, es ist auch sehr viel wichtiger als die eigentliche Arbeit. Die Franzosen, sagt man ja immer, die arbeiten, um zu leben und nicht umgekehrt. Genau, das ist tatsächlich, also dieses auch, dass ich, also auch später, wenn ich irgendwelche Texte abzugeben hatte oder Termine einzuhalten hatte, das wird dann immer so weggewischt. Ach, jetzt komm, setz dich erst mal zu uns, wir trinken jetzt erst mal ein, den Termin, das kannst du auch morgen noch machen oder das kannst du auch ein andermal machen. Und da kommt immer so mein deutsches, termingerechtes Arbeiten, das ja auch für mich irgendwie immer wichtiger ist. Und dieses soziale Leben, dieses Zusammensitzen, dieses Gesellige, das für die Franzosen immer viel wichtiger ist, das knirscht da immer so ein bisschen. Ja, das kann ich verstehen. Von da aus, Sie haben dann einen schweren Schicksalsschlag gehabt, Ihr Partner ist verstorben und dann sind Sie von dort aus nach Cannen gezogen. In welchem Moment haben Sie das entschieden?
[11:40] Das war gar nicht so gleich. Also ich bin tatsächlich, das war sehr viel später, also ein Jahr später, aber tatsächlich waren diese Leute in diesem Bergdorf so lieb zu mir. Die sind so, also so viel Hilfe, so viel Unterstützung und so viel menschliche Zuwendung habe ich, glaube ich, selten vorher erlebt. Die haben mich aufgenommen, als wäre ich ihr, das ganze Dorf hat mich adoptiert. Der Bürgermeister fragte mich damals, also das muss man sich vorstellen, klitzekleine Gemeinde ist noch selbstständig, hat einen Bürgermeister. Der fragte mich damals, was willst du dann machen? Und ich sagte, ich weiß es noch nicht. Und dann sagt er, solange du es nicht weißt, bleibst du bei uns und du ziehst in eine von diesen kleinen Ferienwohnungen und bleibst einfach hier. Es gab so einen klitzekleinen Job für die Gemeinde, in dem ich gearbeitet habe. Und die haben mich praktisch getragen oder aufgehoben und so bin ich dann noch eine Weile geblieben.
[12:40] Ja, in all meiner Traurigkeit und dann habe ich jemanden kennengelernt bei einem dieser Feste. Mir wurde jemand vorgestellt und wir kamen ins Gespräch über Literatur, Kriminalromane und der Herr hat mich gefragt, ob ich etwas für ihn übersetzen könnte Und da habe ich Ja gesagt. Also das war irgendwie so ein Impuls, wo ich gedacht habe, ach, das könnte ein bisschen der Weg raus sein aus diesem landwirtschaftlichen Leben, wo ich auch sehr viel körperlich gearbeitet habe. Aber ich war ja nun auch schon Mitte 40. Ich spürte auch, dass ich das nicht mehr mein ganzes Leben lang so machen kann.
[13:19] Und ich komme ja eigentlich aus der Literatur und ich dachte, da öffnet sich gerade eine Tür für eine andere Möglichkeit, was in Frankreich zu tun. So habe ich angefangen, für diesen Herren Texte zu übersetzen. Und nachdem ich dann sagen konnte, oder das ist das Tolle auch in Frankreich, dieses Unkomplizierte, ich bin ja keine Übersetzerin. Ich habe nur einfach angefangen und habe es gemacht und habe es so gut gemacht, wie ich konnte. Und dann sind aber auch andere auf mich zugekommen und haben gefragt, ach, wenn du sowieso übersetzt, könntest du uns nicht das übersetzen und jenes. Und so bin ich erstmal ins Übersetzen gekommen. Das war wirklich ein neuer... Ein weiterer Neuanfang in Südfrankreich. Und mit diesem Herrn, der mein erster Arbeitgeber war, wenn Sie so wollen, auf diesem Gebiet, habe ich mich mehr und mehr angenähert. Und der hatte mir dann angeboten, nach Cannes zu ziehen, damit ich mehr Kunden akquirieren kann, damit ich vielleicht auch in ein anderes kulturell interessanteres Leben komme. Und das habe ich gemacht.
[14:17] Und aus diesem Herrn wurde dann mein zweiter... Partner und Ehemann. Und das war dann, naja, ein gutes Jahr später. Es war noch relativ früh. Ich war immer auch noch voller Trauer. Aber es war ein Neubeginn, nochmal ein Neubeginn in Cannes dann. Und das ist ja schon dann auch, wie Sie das beschreiben, ein krasser Wechsel von so einem Bergdorf mitten im Nirgendwo. Wenn wir an Cannes denken, haben wir sofort Filmfest, Glitzerwelt und so weiter vor Augen. Also dieser Schock vom Bergdorf nach Cannes. Wie war das für Sie? Was war das, woran Sie sich am meisten gewöhnen mussten? Genau an das. Also einerseits dachte ich, ich komme ja aus der Stadt. Mein Französisch war jetzt auch ein bisschen besser. Ich dachte, Stadtleben kann ich. Aber tatsächlich hat mich Kann eben genau wegen dieser Glitzerwelt und diesem sehr eingeschüchtert. Also in den Bergen hatte ich gerade gelernt, dass es eigentlich völlig unwichtig ist, wie man angezogen ist, was man, also in den Bergen läuft man einfach sehr pragmatisch angezogen herum. Das ist wichtig, dass man es warm hat und guckt niemand drauf, ob sie jetzt geschminkt sind oder eine hübsche Handtasche haben, das interessiert da oben überhaupt keinen. Und in Cannes war das plötzlich wieder wichtig.
[15:35] Sie gehen hier in Cannes ins Kino und die Leute sind herausgeputzt. Das hat mich sehr irritiert. Und man wird wieder angeschaut, wie man angezogen ist. Man wird angeschaut, ob man das richtige Handtäschchen hat, ob man elegante Schuhe trägt. Während da oben in den Bergen sich kein Mensch darum kümmert, wie sie aussehen, sondern da ist wichtig, wie sie sind, wer sie sind. In Cannes ist wieder wichtig, wie sie aussehen und wer ich wirklich bin und was sich eigentlich das interessiert im ersten Moment hier überhaupt niemanden. In der Zwischenzeit weiß ich natürlich, es gibt in Cannes auch ein anderes Leben, aber sie sehen halt sehr viel von diesem Luxustourismus. Sie sehen sehr viel Reichtum, Modeboutiquen, unglaubliche Handtaschenläden. Das sind alles Dinge, die mich... Sehr schockiert haben, dass das jetzt plötzlich mein Leben sein soll. Und wie sind Sie damit umgegangen? Gab es was, was Ihnen geholfen hat, sich wieder so zurechtzufinden?
[16:25] Na zwei Dinge. Also Kanat einerseits auch das Meer. Das ist sehr schön. Also das ist so morgens ans Meer zu gehen, vielleicht auch noch vor allen anderen. Das ist was sehr Schönes. Also am Meer entlang zu laufen, zu schwimmen, die Füße in den Sand zu graben. Und diese milden Temperaturen auch im Winter. Also jetzt zum Beispiel auch, wenn ich aus dem Fenster gucke, wir sind im November und der Himmel ist blau. Also das ist schon sehr schön. Was mir geholfen hat, war tatsächlich dann das Angebot, eben Kriminalromane zu schreiben, die an der Côte d'Azur spielen, die mich quasi gezwungen haben, mich auf diese Stadt, die auf den ersten Blick so... Unnahbar erscheint, mich wirklich auf diese Stadt einzulassen und zu gucken, was passiert denn hier? Wie lebt man denn hier? Und mich nicht nur einschüchtern zu lassen von diesen Yachten und diesen, Luxusboutiquen auf der Kroisette, sondern eben hinzuschauen, verstehen zu wollen, wie kann als Stadt, als Kleinstadt wirklich ist und funktioniert und wer hier lebt und wie man hier lebt. Das hat mir dann eigentlich wirklich geholfen. Und dieses Angebot kam von Ihrem Verlag, bei dem Sie vorher in Köln gearbeitet haben? Ja, genau.
[17:33] Dann haben Sie angefangen, also die suchten praktisch jemanden, der französische Krimis in der Region schreibt. Und dann haben Sie, wie haben Sie das gemacht? Haben Sie angefangen zu recherchieren? Besuchen Sie da jeden Ort? Beschreiben Sie die Schauplätze ganz genau? Ja, genau. Also was mir ganz wichtig war, war eben genau das. Also ich dachte, ich lebe hier, ich möchte die Cannes oder die Côte d'Azur oder den Süden Frankreichs richtig erzählen. Also ich möchte nicht nur einfach eine Kulisse schaffen, die hübsch ist.
[18:06] Sondern ich möchte wirklich verstehen und auch weitergeben und quasi kulturvermitteln, wie das hier funktioniert, wie die Leute hier leben und die Orte. Ich habe auch versucht, immer Orte zu beschreiben. Da gehe ich natürlich hin und schaue mir das an und ich lasse mich inspirieren und ich spreche mit Menschen vor Ort und ich versuche wirklich Cannes zu zeigen und auch Orte von Cannes zu zeigen, die man als zwei oder drei Tage Tourist, wenn man hier durchreist, vielleicht nicht sieht.
[18:34] Es war mir wichtig, wirklich das richtige Leben hier zu zeigen. Ich habe gelesen, dass die Romane auch auf Russisch teilweise übersetzt sind. Gibt es die auch auf Französisch? Nein, die gibt es leider nicht auf Französisch. Auf Russisch ja, aber nur die ersten vier Bände. Das ist leider durch den Ukraine-Krieg dann gestoppt worden. Dagegen ist es nicht mehr weiter.
[19:00] Aber auf Französisch nicht, das hat auch damit zu tun, dass ich, Karnas ja eine kleine Stadt.
[19:05] Hier kennt langsam jeder jeden und ich wollte in Ruhe hier leben und auch in Ruhe recherchieren können und ich wollte mit Leuten sprechen können und wollte nicht das Gefühl haben, dass man da sieht, ach das ist die Autorin, die will wieder irgendwas wissen und die Leute wollen mir nichts erzählen. Ich wollte eigentlich sehr unerkannt hier leben und ich erzähle wirklich Dinge, die hier stattfinden. Also natürlich ändere ich die Namen und die Charaktere und wenn jemand blond ist, mache ich den vielleicht rothaarig oder was weiß ich. Aber ich spreche, ich erzähle viel aus dem Leben, auch aus dem politischen Leben und im Hintergrund hier in Cannes. Da fließt viel mit ein und ich wollte das zwar gerne erzählen, aber ich wollte trotzdem, dass ich weiterhin unerkannt so arbeiten kann. Das heißt, die Kanua in ihrer Umgebung, vielleicht bis auf die engste Familie oder so, die wissen das gar nicht, dass sie da Bücher schreiben? Nein, also ein paar wissen das, weil ich habe das ein oder andere Restaurant erwähnt. Da sind dann tatsächlich mal die Besitzer auf mich zugekommen und haben gesagt, sie haben über uns geschrieben. Und ich sage, ja, ich hoffe, es ist ihnen recht. Und ich habe da auch nicht vorher gefragt, sondern ich habe es halt einfach gemacht. Aber ich habe das so ein bisschen, ich habe oft nicht den richtigen Namen genannt. Und ich habe nur so die Umstände, so die Straße oder die beschrieben. Und häufig sind wirklich Leser mit meinem Buch wohl in ein Restaurant gegangen und haben gesagt, ich habe es gefunden.
[20:31] Und genau, also ich beschreibe schon Dinge, die hier sind. Aber tatsächlich außer meiner engsten Familie wissen die Leute nicht, dass ich Kriminalromane schreibe. Das ist ja eigentlich ein schöner Moment. Haben Sie schon mal jemanden gesehen, der da irgendwo mit Ihrem Buch langläuft? Also ich persönlich habe noch niemanden gesehen, der mit meinem Buch langläuft. Aber ich habe hier schon Leute kennengelernt, also die mich erkannt haben. Manchmal auch in Situationen, wo es mir jetzt nicht so recht ist, morgens am Strand. Aber es gibt Leute, die mich schon oder beim Essen, die auch wiedererkannt haben aufgrund von Fotos. Und was war das für ein Gefühl, als Sie das erste Mal einen Titel von sich auf der Bestsellerliste gesehen haben? Ach, sehr unwirklich. Also das ist am Anfang ja sehr, sehr abstrakt, sehr unwirklich. Also da war, das hat mich am Anfang, ich wusste... Ich hatte einerseits sehr viel Angst, was passieren würde. Wird es einen großen Rummel geben? Wird mich das überfordern? Oder ich hatte keine Ahnung, was passieren würde. Aber es hielt sich alles letzten Endes in überschaubaren Grenzen. Und die Serie um den Kommissar Duval ist aber jetzt beendet, hatte ich gelesen. Ist das richtig oder ist das noch nicht ganz klar? Ich brauchte eine Pause.
[21:41] Sie schreiben einen Krimi, der ist noch gar nicht veröffentlicht. Dann schreiben Sie schon am nächsten. Also das war so ein Rhythmus, der sehr intensiv war und ich brauchte eine Pause und habe dem Kommissar sozusagen, also ich sage mal vorübergehend, er beschließt im letzten Krimi, dass er sich von, dass er vielleicht kündigt. Nun verraten, ich höre gerade die Hörbücher und bin mittendrin, das macht aber nichts. Okay, das heißt aber, er kann ja dann theoretisch auch wiederkommen. Er kann wiederkommen. Es war eigentlich auch jetzt nicht, ja, aus persönlichen Gründen habe ich momentan kein großes Projekt, kein großes Schreibprojekt auf dem Schreibtisch, sondern...
[22:25] Ich bin momentan mit kleineren Texteinheiten beschäftigt, aber nicht mit einem großen Schreibprojekt. Der Kommissar hat ja, das habe ich auch gelesen, in einigen Punkten ein wenig Ähnlichkeit mit ihrem Ehemann.
[22:39] Ja. Das bringt mich zu dem Thema der, ich weiß gar nicht, wie man das sagt, der kanoasischen Großfamilie. Ja. Das finde ich ganz schön. Sie haben beschrieben, das haben Sie ja auch schon in dem Bergdorf gesagt und jetzt aber auch in Cannes, dass dieses Reservoir, dieses Feiern und Einladen und Eingeladen werden eine riesige Rolle spielt. Das kann ich mir sehr gut vorstellen und bei uns gibt es im Prinzip kein Interview ohne Kulinarik. Deswegen meine Frage, wenn Sie einladen, kochen Sie oder Ihr Mann oder kochen Sie gemeinsam? Nein, ich koche. Also mein Mann macht den Wein auf. Und ich hatte gerade letzte Woche die Familie zu Besuch, weil es waren jetzt Herbstferien und die zwei in der Zwischenzeit großen angeheirateten Enkelkinder waren da. Die studieren in Lyon und die waren da. Und dann lädt man ein. Also dann ist klar, dass man die Familie, wenn die einmal komplett da ist, dann lädt man die ein. Und einen Tag isst man bei uns und am nächsten Tag isst man bei jemand anderem und dann ist wirklich eine Folge von üppigem Essen und ja, ich koche dann. Ich koche und es war nicht unbedingt, ich bin auch immer noch gestresst, wenn ich für so große Gruppen kochen muss und je festlicher es wird, desto stressiger finde ich es auch. Aber ich mache es und ich mache es in der Zwischenzeit auch gerne und mit sehr viel Ehrgeiz, sagen wir mal so.
[24:01] Ich möchte, dass es gut wird. Ich versuche wirklich, dass es gut wird. Wie viele Personen sitzen dann da am Tisch? Also wir waren jetzt zehn und das ist auch...
[24:11] Das Maximum, was ich hier verköstigen kann, aber es waren eventuell geplant elf, zwölf, da hätten wir dann irgendwie, die hätten wir dann auch noch an den Tisch gekriegt. Und wenn zehn satt werden, werden zwölf auch satt. Das kriegt man schon irgendwie hin. Aber es waren jetzt zehn Personen, ja. Und was gab es? Oh, das gab Choucourt Garni. Also das ist dieses klassische elsässische Sauerkrautessen mit sehr viel Charcuterie. Also mit Würsten und geräucherten Würsten und geräuchertem Fleisch. Das wünscht sich meine Familie schon seit ich mit ihnen zusammenlebe. Ich habe das immer von mir gewiesen, weil ich gesagt habe, das ist gar nicht deutsch. Das ist elsässisch und ich kann das auch nicht. Und das ist auch jetzt nicht mein Lieblingsessen.
[24:53] Aber es wird uns Deutschen zugeschrieben und ich habe jetzt also eine riesige Menge Sauerkraut gekocht. Und ja, diese geräucherten Würste, hier gibt es ja unterschiedliche, die sehen alle gleich aus, schmecken, aber alle irgendwie ein bisschen anders. Und Würste und geräuchertes Fleisch und das wird zusammen gekocht und das ist dann so eine riesige Platte, die sie dann auftragen. Und wo gehen Sie dafür einkaufen? Gibt es da besonders schöne Märkte? Ja, es gibt Märkte und ich tatsächlich, also das ist auch, also Frankreich hat mich sehr verändert diesbezüglich. Also ich kaufe nicht mehr so sehr gerne in Supermärkten ein, obwohl es da auch gemessen an Deutschland ein riesiges Angebot gibt und zum Beispiel unendlich lange Regale voller Käse, schon alleine der abgepackte Käse ist so reichhaltig, das kann man sich gar nicht vorstellen. Und dann gibt es aber immer auch noch eine Käsetheke und es gibt noch eine Frischwursttheke und es gibt eine Fischtheke in jedem Supermarkt. Das ist einfach unglaublich. Aber tatsächlich kaufe ich gerne, also gerade wenn ich einlade.
[25:55] Auf Märkten ein oder es gibt einen Supermarkt, der heißt Grandfray, der einfach auch sehr viel Frisches anbietet in einer besonders guten Qualität und man braucht einen guten Metzger. Und für diesen Metzger bewege ich mich tatsächlich bis in die Nachbarstadt, also bis nach Montpellier, das ist ein kleines Städtchen nebenan. Man sucht wirklich gute Qualität und das war mir vorher nicht so bewusst, welche Unterschiede es allein schon, ich sag mal, zwischen Zucker und Zucker gibt oder zwischen Butter und Butter oder zwischen welche Äpfel und das ist für mich waren viele Dinge einfach.
[26:30] Naja, sind halt Äpfel. Aber nein, es gibt so viele Unterschiede. Und für einen besonderen Kuchen brauchen sie halt besondere Äpfel. Und genau, das Einkaufen für das Essen nimmt manchmal auch einen ganzen Tag in Anspruch, weil sie an so viele Orte müssen, um so bestimmte Dinge zusammenzufügen. Und wenn sie nicht kochen, in Anführungsstrichen, müssen, sondern ausgehen, wo findet man sie? Wo gehen sie gerne essen? In Karni? Ach, das ist ganz schwierig. Es gibt sehr viele Restaurants, die schnell wieder weg sind. Wir hatten ein kleines, ein kleines süßes Bistro gefunden, das tatsächlich von einer Canoise geführt wurde, also von einer jungen Frau, die aus einer Canoiser Familie stammt. Und da habe ich auch meinen Kommissar am Ende gerne hingeschickt. Die war etwa zehn Jahre da und jetzt hat sie das Restaurant verkauft und jetzt ist sie eben nicht mehr da. Und das lässt immer so eine Leere. Das war so unser kleiner Mittagsessenort, wo man hingehen kann.
[27:28] Es gibt ein kleines Restaurant, das ich nach wie vor sehr schätze. Das ist in Teul, das ist gar nicht in Cannes. Und es gibt ein Restaurant in Le Canet.
[27:38] Es gibt auch ein, zwei Restaurants, wo man hingehen kann, wo auch Touristen hingehen, aber wo man trotzdem noch ganz angenehm ist. Aber es ist schwierig. Manchmal gehen sie ans Meer, zu einem Restaurant, die am Meer sind. Und das ist oft nicht der, sie zahlen viel das Ambiente, aber es ist einfach wunderbar am Meer zu sitzen. Es ist wunderbar mit den Füßen im Sand zu sitzen und aufs Meer zu schauen und die Wellen rauschen und sie essen. Und dann, das ist vielleicht nicht das tollste Restaurant, aber es ist einfach ein schönes Ambiente. Das machen wir auch manchmal, das ist auch sehr schön. Was sind die größten Unterschiede zwischen dem Leben in Frankreich und Deutschland? Sie haben ja schon gesagt, so dieses pünktlich getaktete, mehr auf Geselligkeit ausgehende. Sonst noch? Gibt es sonst noch was? Na, es ist einfach viel. Man improvisiert hier viel. Man ist weniger, es wird nicht geplant. Ich weiß manchmal drei Tage vor Weihnachten noch nicht, für wie viele Leute ich koche.
[28:41] Weil... Man weiß einfach nur nicht, ob der da ist und ob die kommt oder ob man was ganz anderes macht. Also es wird bis auf die letzte Minute auch oft noch was umorganisiert oder man geht dann doch nicht dahin, sondern dahin. Also planen so im deutschen Sinne kann man hier nicht. Man muss hier einfach offener sein für das, was passiert und improvisiert ist. Und man plant auch nicht im Tag voraus, sondern man guckt an dem Tag heute, was wir machen. Das war auch auf dem Hof schon so. Ich wollte abends immer gerne wissen, was machen wir denn am nächsten Tag, damit ich mich darauf einstellen kann. Das wussten die aber noch nicht. Die entscheiden dann am Tag selbst. Das hängt natürlich auch viel mit der Natur zusammen auf dem Hof. Klar, heute machen wir das und das. Oder heute ist es trocken, dann kann man das gut machen. Oder heute regnet es und dann machen wir halt nicht das. Das ist für uns Deutsche nicht so ganz einfach, aber ich finde, es hat auf jeden Fall auch eine ganz große Qualität, dieses so loslassen und einfach gucken, was der Tag bringt. Ja, ich habe mich daran gewöhnt. Es gibt auch immer Momente, wo es noch ein bisschen knirscht. Also gerade, wenn ich wieder einen Abgabetermin habe und meine Familie meint, sie müssten aber heute irgendetwas feiern und man müsste heute zusammenkommen. Und ich habe das aber nicht eingeplant, weil ich solche, wenn ich arbeite, dann arbeite ich und dann möchte ich da auch nicht gestört werden. Und dann ist mir das wichtig und ich habe mir meistens deutsche Arbeitgeber oder Arbeitgeber.
[30:04] Ich merke, wie französisch ich geworden bin, wenn ich in Deutschland bin. Also ich merke, wie spontan und wie offen und locker und ja, ja ungeplant ich auch in meinen deutschen, wieder in meine deutsche Familie eintauche, die mit dieser Spontanität oft nicht umgehen können. Die gerne mehr wissen möchten, was machen wir denn jetzt morgen? Und ich sage, das sehen wir morgen. Damit können die nicht so gut umgehen. Das heißt, man könnte sagen, Sie fühlen sich in Deutschland mehr als Französin und in Frankreich mehr als Deutsche. Ja, ich glaube, so ist es. Also ich glaube, man wird nie wirklich ganz Französin. Also ich bin ja erst auch mit 40 gekommen oder mit 42. Auch wenn ich 20 Jahre hier lebe, ich bin, glaube ich, nie wirklich Französin. Aber in Deutschland habe ich schon gemerkt, auch was meine Pünktlichkeit angeht oder was.
[30:53] Ich bin schon sehr französisch geworden, ja. Gibt es was, was Sie vermissen aus Deutschland?
[30:59] Ach, da manchmal vermisse ich schon auch, obwohl ich ja mitkriege, dass auch nicht mehr alles so pünktlich läuft mit der Bundesbahn, aber ich vermisse manchmal schon... Pünktliche Busse oder pünktliche Züge oder manchmal hätte ich es schon auch gerne oder Handwerker, die sagen, sie kommen und die kommen dann auch und dass man nicht den ganzen Tag da sitzt und die kommen dann gar nicht. Das ist ein Klischee, aber es ist tatsächlich so. Also manchmal wünsche ich mir so ein bisschen mehr Geordnetes in Frankreich und in Deutschland wünsche ich mir ein bisschen mehr Lockerheit vielleicht, ein bisschen mehr Spontanität. Das würde, also bedeutet das für Sie, Frankreich immer die Côte d'Azur kann oder können Sie sich auch noch irgendwie einen anderen Ort in Frankreich vorstellen, wo Sie leben würden? Also tatsächlich bin ich ja hier sozusagen, ich sage immer auf Französisch Parachüte, ich bin ja hier irgendwie runtergefallen und bin hier gelandet und bin jetzt seit 20 Jahren in Südfrankreich, einerseits in dem Bergdorf oder an der Côte d'Azur. Das sind schon zwei komplett andere Welten. Den Rest von Frankreich kenne ich nur auch von früher, von Urlauben und bin da aber nie so tief eingetaucht. Ob ich an einem anderen Orten nochmal genauso wohlfühlen würde und eintauchen könnte, das weiß ich nicht. Also ich bin jetzt halt hier gelandet und das ist jetzt der Ort, an dem ich mich auch auskenne und zurechtkomme.
[32:26] Ja, das ist ja auch eine sehr, sehr schöne Region. Und wenn ich sie richtig verstehe, dann ist es auch schon so, dass sie immer noch so ein bisschen zwischen diesen zwei Welten pendeln. Also ich glaube, sie fahren schon gerne nochmal ins Hinterland und in die Bergdörfer zurück. Wir haben da ein Haus auch. Also mein Mann hat dort ein altes Schulhaus in einem Weiler ganz weit oben.
[32:48] Das der ganzen Familie gehört. Das ist das Sommerhaus im Prinzip. Und ich habe tatsächlich in der Zwischenzeit auch eine kleine Wohnung in diesem Bergdorf, in dem ich gelebt habe. Und wir sind da oft und sind auch im Sommer sehr häufig hier, weil der Sommer an der Côte d'Azur ist wahnsinnig heiß, wahnsinnig voll, wahnsinnig laut. Also da versucht man immer, wenn man das kann, ins Hinterland zu ziehen oder irgendwo, wo es kühler ist. Und ich bin diesem kleinen Bergdorf, in dem ich gelebt habe, einfach sehr verbunden. Da habe ich sehr viel erlebt und die Leute waren lieb und gut zu mir. Und ich bin da gerne und ich organisiere jetzt auch wieder, das habe ich vor 20 Jahren schon mal angefangen und mache es jetzt wieder, weil die Dame, die es in der Zwischenzeit gemacht hat, krank geworden ist, den Weihnachtsmarkt. Ich bin wirklich, In diesem Bergdorf noch präsent und lebe, wenn ich dort bin, auch noch mit den Menschen aus diesem Bergdorf. Und ich habe halt im Bergdorf angefangen. Meine französische Sozialisation hat in einem Bergdorf angefangen und ich glaube, ich fühle mich da oben einfach mehr zu Hause und auch mehr integriert als hier in Cannes. Also ich bin da sehr gerne.
[33:56] Ich bin in Cannes in der Zwischenzeit auch angekommen. Es war schwieriger. Es ist auch schön in Cannes. Es ist ja eine schöne, kleine, gepflegte Stadt. Die Sonne scheint, das Meer ist da. Es ist ja auch, es hat ja wirklich, es ist ja toll. Aber es sind zwei wirklich unterschiedliche Welten und ich bin in beiden zu Hause. Ich finde es ganz bewundernswert, auch wie Sie so in diesen beiden Welten pendeln und dass dieses Bergdorf noch so präsent ist. Finde ich, haben Sie ganz schön erklärt. Ich würde vielleicht gerne in einem anderen Gespräch nochmal über das Filmfestival in Cannes und auch das deutsche Filmfestival, was Sie betreuen, sprechen. Aber für heute, denke ich, haben wir erstmal einen sehr, sehr schönen Einblick bekommen, wie Sie leben, was die Unterschiede ausmacht und da würde ich mich herzlich für bedanken. Danke, freue mich. Bis bald. Tschüss. Au revoir. Au revoir. Wir waren unterwegs zwischen Bergdörfern und Cannes, zwischen Nähe am Familientisch und dem Glanz der Côte d'Azur. Ich mache mich jetzt gedanklich noch einmal auf den Weg zu meiner Lieblingseisdiele in Cannes und genieße diesen kleinen Moment mit Blick aufs Meer. Wenn Sie Cannes und das Hinterland selbst erleben möchten, sind meine Individualreisen in die Provence und an die Côte d'Azur genau das Richtige für Sie. Im eigenen Pkw, mit privaten Unterkünften und einer Tagesplanung, die entspannt machbar ist. Den Link finden Sie in den Shownotes.
[35:21] Nächste Woche erscheint außerplanmäßig schon die nächste Folge, eine Weihnachtsgeschichte. Darin erzähle ich, wo ich vor 20 Jahren war und was das mit Tour Exquisit zu tun hat. Lassen Sie sich überraschen. Abiento, Ihre Antje Seele. Das war Atable, der Frankreich-Podcast. Heute zu Gast Christiane Dreher. Schön, dass Sie dabei waren.
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