Alexander Bleick über Frankreich, Sport und Wein

Shownotes

In dieser Folge spreche ich mit Sportjournalist Alexander Bleick über große Sportmomente, seine Liebe zum Bordeaux und eine Reise, die er mit Tour Exquisit gemacht hat: von Bordeaux ins Médoc und ins Sauternes und danach mit dem E-Bike die Atlantikküste hinunter bis Biarritz.

Tipp: Für alle, die weniger sportaffin sind – der Frankreich- und Reiseteil beginnt ab Minute 26.

Sie hören unter anderem:

– wie eine Radtour durch die Bretagne mit knapp 20 zur ersten Begegnung mit Frankreich wurde
– wie sein Sportreporter-Leben mit einem Probebeitrag im Schnee begann
– wie die Olympischen Spiele 2024 Paris in Begeisterung versetzt haben
– warum ihm Bordeaux besser schmeckt als Châteauneuf-du-Pape
– wie Bordeaux sich verändert hat und warum er wiederkommen will
– was ein Abend am Kamin in einem Landgut im Sauternes mit ihm gemacht hat

Für wen ist diese Folge besonders interessant?

Für Menschen, die

– Sport, Wein und Reisen verbinden möchten
– Bordeaux, das Médoc und das Sauternes kennenlernen möchten
– Frankreich gern mit dem Rad erkunden
– wissen möchten, wie eine Reise mit Tour Exquisit in der Praxis aussieht

Orte und Stationen aus der Folge

– die Bretagne ab Saint-Brieuc
– Paris und die Paris La Défense Arena
– Bordeaux und die Garonne
– Pichon Longueville, Gruaud Larose und Chasse-Spleen im Médoc
– das Sauternes
– Margaux, Lacanau, Arcachon, die Dune du Pilat und Biarritz

Kulinarische Eindrücke aus der Folge

– Crêpes nach einem windigen Radtag in der Bretagne
– ein 2012er Gruaud Larose mit dunkler Schokolade
– Süßwein zum Essen im Sauternes
– Austern auf Stelzen in der Bucht von Arcachon
– regionale Küche mit dem Bib Gourmand statt Sterneküche

Reisetipp aus der Folge

Erleben Sie die Atlantikküste mit dem E-Bike: Etappen von 50 bis 70 Kilometern, morgens losfahren, mittags ankommen und unterwegs das Meer und die Pinienwälder riechen.

Weiterführende Inspiration

Wenn Sie Bordeaux, das Médoc und die Atlantikküste selbst erleben möchten, finden Sie auf unserer Website eine sorgfältig kuratierte Reiseidee. Sie bildet die Grundlage für ein individuelles Reiseangebot:

https://tourexquisit.de/krimireise-bordeaux-luc-verlain/

Das Transkript zum Nachlesen: https://tourexquisit.de/frankreich-sport-wein-podcast/

Transkript anzeigen

00:00:04: Bienvenue bei „À table!“, dem Frankreich-Podcast von Tour Exquisit mit Antje Seele.

00:00:10: Hier hören, schmecken und erleben Sie Frankreich auf vielfältige Weise, mit Menschen, die dem Land verbunden sind.

00:00:17: Wetten, Sie kennen seine Stimme und haben sie schon viel öfter gehört, als Ihnen bewusst ist?

00:00:23: Mein heutiger Gast ist seit vielen Jahren eine prägende Stimme im NDR-Sport.

00:00:27: Viele kennen ihn aus Live-Reportagen und aus der Bundesliga-Konferenz.

00:00:31: Und er war mit dem ARD-Team auch bei Olympischen Spielen im Einsatz.

00:00:35: Ich habe ihn vor einigen Jahren persönlich kennengelernt, und ich kann bestätigen, was ich gelesen habe:

00:00:39: Er hat eine seltene Mischung aus Empathie, analytischer Schärfe und angenehmer Zurückhaltung.

00:00:45: Willkommen, Alexander Bleick.

00:00:47: Alexander, wie schön, dass du da bist.

00:00:49: Ja, vielen Dank.

00:00:50: Das ist jetzt ja eine große Schmeichelei, gleich hier zum Einstieg.

00:00:53: Danke.

00:00:55: Gerne.

00:00:56: Wir treffen uns heute nicht zufällig hier bei „À table!“, Frankreich verbindet uns auch ganz konkret.

00:01:02: Alexander war als Kunde von Tour Exquisit mit uns in Bordeaux unterwegs, und er war einer der ersten Gäste an unserer Table d’hôte, unserer Gästetafel.

00:01:10: Heute sprechen wir über die schönen Dinge des Lebens: Sport, Reisen und Wein.

00:01:15: Alexander, stell dir vor, wir stehen an einer Etappe der Tour de France und nehmen live auf.

00:01:22: Wo wären wir?

00:01:23: Oh, wo wären wir?

00:01:26: Irgendwo in den Bergen, am liebsten in den Pyrenäen, weil ich da noch nie gewesen bin. Da wollte ich immer schon mal hin.

00:01:33: Ah, was müssten wir denn tun, damit das wirklich klappt?

00:01:37: Beide Zeit finden natürlich. Und ich muss gestehen, wahrscheinlich wäre ich auf dich angewiesen, was den Ort angeht, weil ich mich da wirklich noch nicht auskenne.

00:01:48: Aber ja, was müssten wir machen?

00:01:50: Ich glaube, wir müssten vor allem sehr, sehr rechtzeitig eine Unterkunft buchen. Das höre ich bei der Tour de France immer von den Kolleginnen und Kollegen, die dabei sind.

00:01:59: Das größte Desaster ist ganz klar: Die Tour macht Station in relativ kleinen Orten.

00:02:04: Und am Ende heißt es dann, einen Riesentross an Journalisten, an Medienvertretern, an Sponsoren dort unterzubringen.

00:02:13: Und in der Regel fahren die nach dem Ende der Etappe oft mal zwei Stunden, um überhaupt zu einem Hotel zu kommen, das sie schon ein Jahr vorher gebucht haben.

00:02:21: Also ganz einfach wird es nicht.

00:02:22: Vielleicht müssen wir kämpfen.

00:02:24: Okay, darauf kommen wir am Ende des Gesprächs noch mal zurück.

00:02:27: Aber die Berge finde ich schon sehr spannend.

00:02:30: Was macht die Tour de France für dich so besonders?

00:02:32: Du hast gesagt, du warst noch nie da, aber du kennst sie ja aus der Berichterstattung sicherlich gut.

00:02:38: Ja, ich muss sagen, ich habe ganz, ganz oft und ganz, ganz viel gesehen.

00:02:41: Natürlich insbesondere früher, zu den Zeiten, als deutsche Athleten dauerhaft erfolgreich waren.

00:02:46: Also Jan Ullrich in den Neunzigern, da musste man das ja einfach auch gucken.

00:02:50: Und ich muss sagen, mich hat natürlich immer

00:02:53: die Umsetzung im Fernsehen fasziniert. Also nicht nur den Sport abzubilden, sondern auch die Landschaft drumherum, mit ein paar kleinen Exkursen: Wo sind wir gerade?

00:03:03: Und eben auch die Vielfalt von Frankreich dargeboten zu bekommen.

00:03:07: Aber zugegeben, so eine Etappe ist immer verdammt lang.

00:03:11: Und sich während der Zeit, in der normale Menschen natürlich arbeiten, mal zwei Stunden oder noch mehr vor den Fernseher zu setzen, das schaffen, glaube ich, die wenigsten.

00:03:20: Und deswegen ist das bei mir in der Regel auch immer nur eine kleine Stippvisite gewesen.

00:03:24: Ja, das kann ich verstehen.

00:03:27: Gehen wir mal zurück.

00:03:28: Du hast im Vorgespräch gesagt, du hast Frankreich das erste Mal mit dem Fahrrad erlebt, und zwar die Bretagne.

00:03:36: Woran erinnerst du dich sofort?

00:03:37: Gibt es einen Ort, ein Bild, das dir sofort in den Kopf kommt?

00:03:41: Ja: Gegenwind.

00:03:42: Gegenwind ist das Prägende, woran ich mich erinnere.

00:03:46: Wir sind in Saint-Brieuc gestartet, westwärts, dem Wind entgegen.

00:03:50: Und ich muss sagen, die Landschaft war toll.

00:03:52: Wir waren mit dem Zelt unterwegs, eine größere Gruppe damals mit dem CVJM, und hatten einen kleinen VW-Bulli, in dem wir zumindest die Zelte hatten.

00:04:03: Aber unser Gepäck mussten wir auf dem Rad transportieren.

00:04:05: Und ich bin da mit einem ganz normalen Herrenrad mit Dreigangschaltung unterwegs gewesen.

00:04:10: Und es ging rauf und runter, und gefühlt

00:04:14: blies permanent ein echt heftiger Wind von vorn, oftmals auch gemixt mit ein paar Regenschauern, sodass wir eigentlich immer froh waren, wenn wir irgendwann am Campingplatz angekommen waren, wo wir hinwollten, und die Zelte aufbauen konnten.

00:04:28: Und dann irgendwo vor Ort in die Crêperie gehen, ein bisschen aufwärmen, Crêpes essen.

00:04:33: Das sind, glaube ich, die prägenden Erinnerungen. Plus:

00:04:37: an der Steilküste das aufgepeitschte Meer, von den Klippen hinunterzuschauen und das Gefühl zu haben: Meine Güte,

00:04:43: wenn ich ganz weit gucke, ist da hinten irgendwo Amerika.

00:04:46: Das war für mich damals, mit knapp 20, schon ein prägender Moment.

00:04:51: Ja, und gab es auch etwas Lustiges?

00:04:53: Oder hattet ihr eine Panne?

00:04:54: Auf Radtouren hat man doch eigentlich immer eine Panne.

00:04:56: Ja,

00:04:56: ja, eigentlich.

00:04:57: Ich zum Glück nicht, aber wir waren ja eine Gruppe.

00:04:59: Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Leute wir waren, so um die 20.

00:05:02: Aber ich glaube, wir hatten am Ende bestimmt zehn Pannen und mussten flicken.

00:05:07: Gemeinschaftlich ging das ja auch, das war dann ganz lustig. Rollsplitt im Reifen oder solche Sachen.

00:05:13: Das gab es auf jeden Fall immer.

00:05:17: Und was war dein erster Eindruck von Frankreich?

00:05:20: Ja,

00:05:20: ganz ehrlich.

00:05:21: Ja, ganz ehrlich:

00:05:23: Ich habe mich nicht wohlgefühlt.

00:05:25: Und zwar fühlte ich mich nicht willkommen.

00:05:27: Wir alle nicht.

00:05:28: Ich weiß nicht, ob es an unserer Gruppe lag, ich glaube nicht, denn die war relativ brav.

00:05:31: Wir haben auf dem Campingplatz nicht randaliert oder so.

00:05:34: Aber ich hatte das Gefühl, dass in Frankreich zu der Zeit noch viele Ressentiments gegenüber Deutschen spürbar waren, vor allen Dingen, wenn man nicht gut Französisch sprach.

00:05:46: Und ich hatte nur Schulfranzösisch, wie die meisten von uns.

00:05:50: Und man kam irgendwo in einen Laden, zum Bäcker, wollte ein Croissant und einen Kaffee trinken, und häufig taten die Menschen so, als würden sie einen nicht verstehen.

00:06:04: Und ich meine, ein Croissant zu bestellen, habe ich mir schon zugetraut.

00:06:07: Aber es war nicht so, dass man angelächelt wurde oder ein freundliches Wort bekam.

00:06:12: Und da habe ich gedacht: Meine Güte, da habe ich eigentlich auch keine Lust mehr drauf.

00:06:16: Das muss ich mir nicht antun. Und ich bin danach ganz, ganz viele Jahre gar nicht mehr in Frankreich gewesen, weil das schon ein prägendes Erlebnis war.

00:06:23: Das hat sich aber jetzt ja sehr geändert, wenn du es mit heute vergleichst.

00:06:27: Was ist gleich geblieben?

00:06:28: Was sagst du,

00:06:29: was hat sich total geändert?

00:06:30: Also ich

00:06:31: finde, das mag auch an der langen deutsch-französischen Freundschaft innerhalb der EU liegen, die ja auch Politiker wirklich gepflegt haben, dass sich das wirklich geändert hat. Und daran, dass heute natürlich eine andere Generation in Frankreich das Sagen hat, auf die man auch trifft, die den Krieg und die Gräuel, die die Deutschen in Frankreich angerichtet haben,

00:06:51: nicht mehr selbst persönlich erlebt hat und deswegen auch entspannter damit umgeht. Und natürlich auch an der Tatsache, dass sich Frankreich öffnen musste.

00:07:02: Und dass es nicht mehr völlig absurd erscheint, dass man sich auch mit Englisch verständigen kann, sondern dass das irgendwie dazugehört.

00:07:11: Sodass ich bei meinen letzten Reisen immer das Gefühl hatte: Hey, das ist toll, die Menschen sind freundlich, man versucht, irgendwie ins Gespräch zu kommen, und sie helfen, wenn man eine Frage hat und sich mit dem Weg nicht ganz sicher ist, weil ich doch viel mit dem Rad unterwegs bin.

00:07:27: Also die letzten Reisen waren irgendwie grandios.

00:07:34: Was schätzt du heute an Frankreich am meisten?

00:07:37: Ich glaube, es ist eine Mischung aus der grandiosen Landschaft, dem tollen Essen, guten Weinen und einer gewissen Laissez-faire-Atmosphäre, die ich da immer wieder spüre.

00:07:51: Dass es einfach doch ein bisschen entspannter zugeht, als ich es manchmal in Deutschland erlebe.

00:07:56: Also,

00:07:57: wenn man mal die Essenszeiten außer Acht lässt. Wenn man um 14.20 Uhr mit dem Rad in einem kleineren Dorf ankommt und noch eine Kleinigkeit essen möchte, weil man sich verspätet hat, dann wird man darauf verwiesen, dass es erst am Abend wieder etwas gibt.

00:08:13: Das mag in Deutschland ein bisschen entspannter sein, aber das ist ja eine Kleinigkeit.

00:08:16: Das gehört einfach dazu.

00:08:18: Man muss sich darauf einstellen, wenn man nach Frankreich fährt, dass es ein paar Regeln gibt, an die man sich besser hält, wenn man nicht enttäuscht werden möchte.

00:08:24: Aber ansonsten sind es, glaube ich, Essen, Landschaft und dieser gesamte, ja, dieser nette Umgang miteinander.

00:08:35: Und wie oft warst du jetzt ungefähr schon in Frankreich?

00:08:38: Ich habe es nicht gezählt, aber über 20-mal auf jeden Fall.

00:08:43: Und eher privat oder eher beruflich?

00:08:46: So fifty-fifty.

00:08:48: Ich war beruflich oft in Frankreich, bei diversen Fußball-Länderspielen.

00:08:53: Zweimal bei Olympischen Spielen: 1992 in Albertville, die Winterspiele, und dann vergangenes Jahr, 2024 in Paris, die grandiosen Sommerspiele.

00:09:02: Eine Schwimm-Weltmeisterschaft, eine Leichtathletik-Weltmeisterschaft, die Fußball-WM.

00:09:08: Die war für mich auch prägend.

00:09:10: Da bin ich das erste Mal so richtig viel im Land unterwegs gewesen.

00:09:14: Gefühlt jeden zweiten Tag ein Spiel: ein Reisetag, ein Spiel.

00:09:18: Und da habe ich Frankreich das erste Mal außerhalb von Paris, den Wintersportorten und mal der Côte d’Azur so richtig kennengelernt.

00:09:27: Egal ob Toulouse oder Nantes oder Montpellier oder Lille oder Lens im Nordosten.

00:09:35: Da wäre ich sonst wahrscheinlich nie hingefahren.

00:09:36: Das war schon extrem spannend.

00:09:38: Und dann war ich noch mal bei der Europameisterschaft da, auch noch mal Fußball.

00:09:43: Und auch da habe ich noch ein paar Städte dazubekommen, sozusagen auf meiner persönlichen Landkarte.

00:09:49: Das war cool.

00:09:50: Du hast ja schon die perfekte Überleitung geliefert.

00:09:54: Du hast ja den Traumjob von vielen: Fußballreporter, Sportreporter.

00:10:01: Ich kenne so viele, die davon träumen.

00:10:02: Vor allem die Kinder natürlich.

00:10:04: War dir schon früh klar, dass du Sportjournalist werden willst?

00:10:07: Oder war das Zufall?

00:10:08: Nein, Zufall war das nicht.

00:10:10: Das war ein großer Traum, und es war auch ein Plan, den ich dann ausgeheckt habe.

00:10:16: Ich habe als Kind wirklich jeden Samstag mit feuchten Händen vor Aufregung vorm Radio gesessen, als ich noch nicht ins Stadion durfte, weil das aus Sicht meiner Eltern zu gefährlich war,

00:10:28: und habe darauf gewartet, dass die Bundesliga-Konferenz auf NDR 2 losgeht und die Bundesliga-Sendung um halb vier.

00:10:35: Und ich dachte: Das möchte ich auch mal machen.

00:10:38: Das war ja eine Zeit, in den Siebzigern, in der es natürlich kein Angebot gab wie heute, dass man sich bei Sky und DAZN alles angucken kann.

00:10:48: Wenn man es sehen wollte, musste man ins Stadion.

00:10:50: In der Sportschau gab es hinterher drei von den Spielen, die am Samstag ausgetragen wurden.

00:10:55: Man wusste vorher also gar nicht, ob das Spiel des eigenen Vereins dabei ist.

00:11:00: Um es zu sehen, musste man ins Stadion.

00:11:02: Und wenn man nicht ins Stadion ging, musste man Radio hören, wenn man dabei sein wollte.

00:11:06: Und das war extrem faszinierend für mich.

00:11:08: Ich habe immer gesagt: Das möchte ich auch mal machen.

00:11:11: Und ich bin nach dem Abitur Klinken putzen gegangen.

00:11:14: Ich habe die so lange genervt, auch beim NDR,

00:11:18: und gesagt: So, was muss ich tun?

00:11:21: Ich möchte das mal ausprobieren.

00:11:23: Ich will es versuchen. Und dann habe ich die Chance bekommen, einen Beitrag zur Probe zu machen.

00:11:28: Und daraus ist jetzt eine über 40-jährige Partnerschaft zwischen mir und dem NDR geworden.

00:11:36: Toll.

00:11:36: Was war deine erste Reportage?

00:11:39: 8. Januar 1982.

00:11:42: Dritte Liga, das hieß damals Oberliga: SC Concordia Hamburg gegen Lüneburger SK.

00:11:47: Und hat da alles geklappt,

00:11:48: oder ist irgendwas schiefgegangen?

00:11:50: Nein,

00:11:50: das war skurril. Der damalige Chef der Sportredaktion vom Hamburger Lokalsender – heute heißt das NDR 90,3,

00:12:00: damals hieß es NDR Hamburg-Welle –,

00:12:03: wo auch Regionalsport gemacht wurde.

00:12:05: Dort gab es eine Sonntagabendsendung, in der Beiträge über Volleyball, Handball, Fußball und so liefen.

00:12:10: Der hatte mich hingeschickt und gesagt: Guck dir das mal an, dann kommst du ins Studio und machst mal was zur Probe, schreib das mal und nimm es mal auf.

00:12:17: Und ich war da, habe mir sogar eine Karte gekauft, also keine Pressekarte.

00:12:23: Es war schweinekalt. Ich weiß noch, die ersten Worte im Beitrag waren:

00:12:27: „Bei bitterer Kälte und auf schneebedecktem Boden trennten sich der SC Concordia und der Lüneburger SK 1:1“, oder so ähnlich.

00:12:34: Ich habe wirklich gefroren und mit Moonboots im Schnee gestanden.

00:12:39: Und dann bin ich erst mit dem Bus nach Wandsbek und dann mit der U-Bahn zum NDR an den Rothenbaum gefahren und habe in der U-Bahn in so einem kleinen DIN-A5-Heft meinen Text geschrieben.

00:12:54: Den durfte ich dann mit einem erfahrenen Kollegen aufnehmen.

00:12:58: Und als ich ging, sagte der Chef, der sich das auch angehört hatte: Ja, ja, und schönen Abend, hör dir die Sendung an.

00:13:04: Da hörte ich die Sendung und war plötzlich völlig überrascht, dass mein Beitrag lief.

00:13:08: Da war irgendetwas ausgefallen, und sie haben gesagt: Okay, dann senden wir den, der eigentlich nur zur Probe gedacht war.

00:13:14: Und das war mein Antrieb.

00:13:17: Super.

00:13:19: Das war ja Fußball, aber du warst ja nicht nur im Fußball unterwegs, sondern auch in anderen Sportarten.

00:13:25: Was kam dazu,

00:13:26: und wie kam es dazu?

00:13:29: Neben dem Fußball waren Schwimmen und Eisschnelllauf meine beiden Sportarten, die ich in der ARD viele, viele Jahre als Kommentator begleitet habe.

00:13:39: Beim Schwimmen war es auch wirklich kurios. Das war, glaube ich, zwei Jahre nach dem gerade geschilderten ersten Fußballbeitrag. Ich habe nebenbei studiert und mir mit diesen Beiträgen sozusagen mein Studium finanziert.

00:13:57: Und irgendwann sagte mein Chef zu mir: Du faule Sau, deine Fußballbeiträge hören sich immer gleich an, du musst mal wieder arbeiten lernen.

00:14:05: Ich habe natürlich gedacht: schnell, schnell, zack, zack, zack, ich hatte ja nicht so viel Zeit.

00:14:09: Und er sagte: Geh mal zu den Hamburger Schwimmmeisterschaften.

00:14:11: Und ich habe gedacht: Was für eine Scheiße, Entschuldigung für den Ausdruck.

00:14:15: Was soll ich denn da?

00:14:16: Dann bin ich hin.

00:14:17: In die Alster-Schwimmhalle in Hamburg. Für die, die uns außerhalb Hamburgs hören: Das war damals die größte Schwimmhalle,

00:14:23: sehr schick, jetzt gerade groß renoviert.

00:14:27: Die einzige wettkampftaugliche große Schwimmhalle.

00:14:29: Ich bin hin, habe den Hamburger Trainer angesprochen, den Landestrainer, und gesagt: Ich soll hier einen Beitrag machen.

00:14:37: Was ist denn so?

00:14:38: Und er sagte: So richtig Interesse merke ich bei Ihnen nicht.

00:14:42: Haben Sie nicht, oder?

00:14:43: Seien Sie ganz ehrlich. Es gibt zwei Möglichkeiten.

00:14:46: Entweder ich sage Ihnen jetzt einfach, was Sie für Ihren Beitrag brauchen, schnell ein kurzes Interview, worauf es ankommt.

00:14:52: Oder Sie haben wirklich Interesse, denn hier passiert was.

00:14:57: Gucken Sie mal da drüben, der mit der roten Badekappe, der wird nächstes Jahr bei den Olympischen Spielen dabei sein.

00:15:02: Der ist erst 18, aber der wird dabei sein.

00:15:04: Und die da drüben mit der schwarzen Badekappe auch. Hamburger Schwimmer bei Olympia gab es ja eigentlich nie.

00:15:10: Da habe ich gesagt: Nee, finde ich spannend.

00:15:12: Und er: Dann kommen Sie wieder zum Training.

00:15:14: Dann kommen Sie zum Training, und wir reden mal ganz in Ruhe.

00:15:17: Damit hat er meine Neugier geweckt. Ich habe einen Beitrag gemacht, mich dann richtig eingearbeitet und mit seiner Hilfe auch meine fachlichen Defizite aufgearbeitet.

00:15:28: Dann war ich erst Radioreporter für die ARD.

00:15:31: Und ab einem bestimmten Zeitpunkt habe ich dann im Fernsehen kommentiert,

00:15:35: bis ich aufgehört habe.

00:15:38: Und ich habe die ganze Zeit Franziska van Almsick begleitet,

00:15:44: bei Olympischen Spielen, Weltmeisterschaften, Europameisterschaften.

00:15:48: Das war ganz spannend.

00:15:50: Und wenn du live berichtest, worauf achtest du in den Minuten vor dem Sendestart?

00:15:55: Was ist es, das die Hörer nicht sehen können?

00:15:58: Ich glaube, diese Konzentrationsphase, und vor allen Dingen ganz viel aufzunehmen, zu sehen, zu gucken.

00:16:05: Trainer zu beobachten, Athleten zu beobachten, Bewegungsabläufe, beim Fußball beispielsweise, wenn die sich warm machen: Wer trifft gerade besonders gut, wer schießt jeden Ball vorbei, ist da eine Unsicherheit zu spüren? Diese Dinge einfließen zu lassen.

00:16:21: Also das, was ich persönlich spüre, im Radio den Menschen auch zu vermitteln, oder eben im Fernsehen mit Blick auf die Analyse einen besonderen Blick darauf zu haben und mehr zu liefern als nur das reine Ergebnis.

00:16:39: Und was war einer der schönsten Momente?

00:16:41: Wo dachtest du: Das vergesse ich nie?

00:16:44: Da gab es bestimmt mehrere, aber …

00:16:48: natürlich mein erstes Länderspiel für die ARD in Dublin, 1989.

00:16:53: Aber was ich nie vergessen werde, ist dieses grandiose 7:1 der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im Halbfinale der WM in Brasilien,

00:17:03: damals, im Jahr 2014, gegen Brasilien, gegen die Gastgeber.

00:17:07: Ich habe noch nie so ein fantastisches Fußballspiel gesehen wie dieses.

00:17:13: Da dabei sein zu dürfen … Und ich weiß noch, es stand zur Pause 5:0.

00:17:18: Wir hatten ja gedacht, die Brasilianer seien eigentlich das stärkere Team und die deutsche Mannschaft würde ausscheiden.

00:17:23: Das war so meine Erwartungshaltung.

00:17:25: Aber dann dieser rauschhafte Fußball

00:17:27: in der ersten Halbzeit. Und in der Pause habe ich mich zum Klo durchgekämpft.

00:17:34: Es war warm in Belo Horizonte, ich hatte viel Wasser getrunken, und ich habe noch nie in meinem Leben so viele Menschen, Männer, auf der Toilette weinen gesehen.

00:17:47: Um mich herum gelb Gekleidete in Trikots, junge, alte, schluchzend und wirklich am Boden zerstört.

00:17:57: Und ich habe mich kaum getraut, mich zwischen ihnen

00:18:00: aufzuhalten, meine Notdurft zu verrichten und wieder zurückzugehen.

00:18:05: Das hat mich total berührt.

00:18:06: Diese Menschen waren wirklich am Boden zerstört.

00:18:09: Es hat sie so mitgenommen, was da mit ihrer Mannschaft passiert ist.

00:18:13: Ja, da kriege ich richtig Gänsehaut, daran erinnere ich mich noch.

00:18:17: Ich habe ja gesagt, ich bin mit Sport groß geworden, aber was Fußball so richtig bedeutet, dass das so emotional aufgeladen ist, habe ich tatsächlich erst mit meinem Sohn gelernt.

00:18:29: Das finde ich irre, ganz spannend.

00:18:33: Du warst ja bei großen Events auch in Frankreich, unter anderem rund um Paris.

00:18:38: Kannst du mal beschreiben, wie die Stimmung in Frankreich bei solchen Anlässen ist?

00:18:42: Ist das anders als in Deutschland?

00:18:45: Ja, ich glaube schon.

00:18:47: Beim Fußball unterscheidet es sich nicht so sehr.

00:18:50: Da gibt es auch Fanatismus und Begeisterung.

00:18:58: Und wenn man als deutscher Reporter mit der Metro aus der City hinaus nach Saint-Denis fährt,

00:19:07: um dort im Stade de France ein Länderspiel zu übertragen, dann wird man nicht von allen freundlich angeguckt.

00:19:13: Das ist so.

00:19:14: Das muss einem auch bewusst sein.

00:19:16: Das ist in Deutschland aber wahrscheinlich auch nicht anders.

00:19:18: Es gibt Menschen, die sind total gespannt und fröhlich, sind geschminkt und freuen sich darauf, aber es gibt auch die, für die das so wichtig ist, dass sie manchmal vielleicht auch Grenzen überschreiten.

00:19:30: Das ist so.

00:19:31: Aber jenseits des Fußballs habe ich in Frankreich sehr, sehr viel Fachkenntnis und Begeisterung auch für andere Sportarten erlebt.

00:19:44: Beispielsweise beim Schwimmen:

00:19:47: ein extrem fachkundiges Publikum.

00:19:50: Ich war mal, weil ich zufällig, lass mich überlegen, genau, in Toulouse gewesen bin, bei einem Fechtwettkampf.

00:20:02: Über den Kollegen, der da von uns war, habe ich eine Karte bekommen und mir das mal angeschaut.

00:20:07: Auch da war die Halle voll, wirklich extrem fachkundig, extrem fair.

00:20:15: Das habe ich als sehr positive Erinnerung.

00:20:19: Und das war auch ein prägendes Element dieser Olympischen Spiele in Paris,

00:20:24: warum, glaube ich, jeder Mensch, der dabei gewesen ist, sie als so großartig empfunden hat, so herzlich, so schön, nach den zugegebenermaßen von Corona geprägten Spielen vorher, die alles andere als schön waren.

00:20:38: Und es war toll, weil alle Sportarten ausverkauft waren und weil überall wirklich eine richtig gute Stimmung herrschte.

00:20:47: Ich hatte einen kurzen Beitrag gehört,

00:20:51: ich glaube, der lief im NDR.

00:20:52: Da schilderst du die Eröffnungsfeier, bei der du mit deinem Kollegen vier Stunden lang bei strömendem Regen unter einer Plane gestanden hast.

00:21:00: Aber sonst war das, glaube ich, auch eine ganz tolle Zeit.

00:21:03: Das hast du gerade sehr schön beschrieben.

00:21:06: Hast du außer dieser Eröffnungsfeier eine Szene im Kopf, die das besonders gut beschreibt?

00:21:13: Ja, wenn ich daran denke: Ich habe dort ja auch kommentiert, draußen in La Défense, das ist dieses große Geschäftsviertel mit den riesigen Hochhäusern im Nordwesten der Stadt.

00:21:29: Dort war diese wunderbare, riesengroße Arena, die Paris La Défense Arena, da gehen 15.000 Menschen rein.

00:21:35: Und dort hatten sie das Schwimmbecken hineingebaut.

00:21:38: Und da gab es Léon Marchand, einen Schwimmer, den vorher, glaube ich, nur wenige kannten, nur Experten.

00:21:44: Léon Marchand hatte im Jahr davor als ganz junger Kerl schon wirklich gute Ergebnisse erzielt, und dann explodierte er förmlich, holte viermal Gold und hat wirklich einen Schwimmboom ausgelöst.

00:21:57: In der U-Bahn waren überall Menschen, die sich „Léon“ auf die Wangen geschrieben hatten, nicht nur in der Schwimmhalle, auch sonst im Stadtbild.

00:22:07: Léon Marchand war der Held, und zu sehen, wie die Franzosen ihn geliebt und gefeiert haben und wie sie an diesen Wettkämpfen hingen, das war toll.

00:22:21: Gibt es einen Unterschied zwischen deutscher und französischer Sportbegeisterung?

00:22:25: Ich glaube, dass das nationale Element bei Olympischen Spielen in Frankreich doch eine größere Rolle spielt.

00:22:33: Bei den letzten Olympischen Spielen in Deutschland war ich noch zu jung, das habe ich nicht so mitbekommen.

00:22:41: Aber ich kann mir nicht vorstellen – ich bleibe jetzt mal beim Beispiel Schwimmen –, dass vor 30 Jahren Menschen mit „Franzi“ auf der Wange in der U-Bahn gefahren wären.

00:22:51: Das ist für mich schwer vorstellbar.

00:22:54: Dort heißt es dann immer: Das ist unser Held.

00:22:56: Klar, bei Jan Ullrich war es damals auch so, die Ullrich-Begeisterung, oder die Michael-Schumacher-Begeisterung in Deutschland, wo Leute auch mit Schumi-Kappen in der Öffentlichkeit aufgetreten sind.

00:23:09: Aber ich glaube, dass das in Deutschland in der Regel eher an wenigen Stars festgemacht wird und sonst eher am Mannschaftssport.

00:23:22: Hat das in Frankreich für dich einen anderen Klang?

00:23:25: Ob im Stadion oder in der Kneipe:

00:23:27: Klingt diese Begeisterung für den Sport anders?

00:23:31: Ja.

00:23:33: Und dann aber irgendwo auch wieder weniger doll als in Deutschland.

00:23:38: Auch da kann ich nur sagen, was ich selbst erlebt habe.

00:23:41: Beim Fußball beispielsweise: Wenn ich mir die Stimmung in einem Bundesliga-Stadion angucke und das mit der ersten französischen Liga vergleiche, dann ist es, abgesehen von Marseille, wo die Stimmung immer sensationell ist, im Vélodrome,

00:23:54: doch schon so, dass ich in Deutschland mehr im Stadion erlebe.

00:23:59: Beim Radsport bei der Tour ist es natürlich anders, da spürt man diese große Begeisterung.

00:24:05: Ich bin beim Rugby in Bordeaux gewesen, erste Liga, und war erstaunt.

00:24:09: Das war auch toll, eine ganz entspannte, freundliche Atmosphäre. Aber das, was ich von uns kenne, beim Handball, beim Fußball, wie da angefeuert wird, wie da Choreos stattfinden, das habe ich in Frankreich so nicht erlebt.

00:24:25: Ich habe eher das Gefühl, da geht man hin, um sich unterhalten zu lassen. Man ist vorher nett, trinkt in der Pause ein Bier oder auch ein Glas Wein, plaudert hinterher noch ein bisschen und verschwindet dann wieder oder geht essen, je nachdem, zu welcher Uhrzeit es stattfindet. Aber dieses wirkliche Nach-vorne-Schreien der Mannschaft

00:24:47: habe ich in Frankreich weniger erlebt als in Deutschland.

00:24:50: Und hast du einen französischen Lieblingssportler oder ein Lieblingsteam?

00:24:54: Nee,

00:24:55: habe ich nicht.

00:24:55: Das hängt, glaube ich, mit meinem Beruf zusammen: Aufgrund der Distanz, die man haben muss, um fair berichten zu können, gewöhnt man sich dieses Fan-Sein irgendwann ab.

00:25:11: Ich kriege da immer Stress mit meinen Kindern.

00:25:14: Ich habe drei. Mein Sohn war mal ein wilder HSV-Fan und hat irgendwann damit gebrochen, weil er diese ganzen Enttäuschungen nicht mehr ertragen konnte.

00:25:24: Der interessiert sich überhaupt nicht mehr dafür.

00:25:26: Ganz spannend.

00:25:27: Meine beiden Töchter, vor allem die große, sind glühende HSV-Fans. Die ist in der vergangenen Saison auch zu Auswärtsfahrten gefahren, immer mit dem kompletten Fanblock, und war auf dem Rathausmarkt, als der Aufstieg feststand, zusammen mit ihrer kleinen Schwester.

00:25:42: Und wenn ich dann sage: Ja Gott, heute ist Derby, mir ist egal, ob jetzt St.

00:25:46: Pauli oder der HSV gewinnt, ich habe für beide etwas übrig, dann werde ich mit Verachtung gestraft.

00:25:53: Das geht überhaupt nicht.

00:25:54: Und dass man sich davon so entfernt hat, obwohl man als Jugendlicher natürlich auch glühender Fan gewesen ist …

00:26:01: Wir kennen uns ja beide über einen gemeinsamen Weinhändler in Hamburg, über Thorsten Tesch von „Guter Wein“.

00:26:07: Und wir haben jetzt noch mal ein bisschen länger bei der Table d’hôte gesprochen, bei unserer ersten Gästetafel in Hamburg im Plat du Jour.

00:26:15: Was war zuerst da, Frankreich oder der Wein?

00:26:18: Bei mir erst Frankreich. Als ich das erste Mal in Frankreich war, habe ich noch gar keinen Wein getrunken.

00:26:23: Das ist später gekommen.

00:26:24: In meinen Zwanzigern

00:26:27: war ich als Fußballspieler Biertrinker. Und dann bin ich durch einen Freund zum Wein gekommen, aber eher zum italienischen Wein, und habe meine ersten Reisen mit Blick auf Wein auch nach Italien gemacht, in die Toskana beispielsweise.

00:26:40: Da habe ich den ersten Bezug bekommen: die Kombination von Wein und Essen, was für unterschiedliche Weine es gibt und welche Dimensionen das hat.

00:26:50: Und irgendwann später ist Frankreich dazugekommen, auch durch Thorsten Tesch. Bei ihm

00:26:56: ist ja einer der wenigen Orte, an denen man manchmal wirklich Weinproben mit großartigen Themen machen kann.

00:27:03: Vergangenes Jahr zum Beispiel – ich nenne das einfach mal, weil ich das wirklich cool finde – haben wir eine Weinprobe mit Bordeaux gemacht.

00:27:13: 20 Jahre alte Bordeaux, zwölf verschiedene, gegeneinander verkostet, aus einem großartigen Jahrgang.

00:27:21: Das war ein unfassbares Vergnügen.

00:27:23: Und wo kriegt man das?

00:27:25: Wo kann man sonst sagen: Ich will mal zehn oder zwölf verschiedene, 20 Jahre alte Bordeaux probieren?

00:27:31: Klar, man kann sie ersteigern oder bei Spezialhändlern erwerben.

00:27:35: Aber an einem Abend, an einem großen Tisch mit elf anderen, zu zwölft sind wir da in der Regel, das war schon toll.

00:27:43: Darüber habe ich meinen Horizont erweitert und wirklich großes Interesse

00:27:50: auch für französische Weine entwickelt, in erster Linie für Bordeaux. Und dann habe ich angefangen, ein bisschen zu sammeln, also Subskriptionen zu machen. Vor, weiß ich nicht, 15 Jahren habe ich damit angefangen, die Weine sozusagen zu kaufen, bevor sie auf dem Markt sind,

00:28:09: nachdem die Kritiker sie bewertet haben, also blind zu kaufen, um sie dann zwei oder drei Jahre später ausgeliefert zu bekommen.

00:28:17: Und sich jetzt zu freuen, dass man im Keller doch ein paar schöne gereifte Weine liegen hat.

00:28:23: Absolut nachvollziehbar, finde ich.

00:28:25: Du hast ja gerade schon gesagt, deine französische Lieblingsregion für Wein ist Bordeaux.

00:28:31: Warum?

00:28:32: Ich mag die Bordeaux-Weine einfach am liebsten.

00:28:40: Sie sagen mir zu, weil sie in der Regel auch elegant sind.

00:28:45: Ich trinke auch gerne mal einen Wein von der Rhône.

00:28:48: Aber gerade wenn da Syrah mit drin ist, ist er mir oft zu wuchtig, zu marmeladig.

00:28:53: Das ist nicht so mein Stil.

00:28:55: Das schmeckt mir einfach nicht so gut, obwohl das tolle Weine sind.

00:28:58: Châteauneuf-du-Pape oder so.

00:29:00: Großartige Geschichten, die es da gibt.

00:29:02: Aber wenn ich wählen dürfte, würde ich eher einen guten Bordeaux als einen guten Châteauneuf-du-Pape trinken.

00:29:07: Schmeckt mir besser.

00:29:09: Und beim Burgund: Ich trinke gerne Pinot noir, mag ich wirklich gerne.

00:29:14: Aber die Preisvorstellungen im Burgund sprengen meine Möglichkeiten so exorbitant, dass ich, wenn ich Pinot noir trinke, auf andere Regionen ausweiche.

00:29:27: Auf deutschen Spätburgunder oder …

00:29:29: Ich war gerade kürzlich in Südtirol und habe großartige Südtiroler Pinot noirs getrunken.

00:29:37: Wirklich toll, wirklich ganz, ganz tolle Weine.

00:29:40: Sie mögen im allerletzten Detail nicht die Qualität der burgundischen haben, aber sie kosten nur einen Bruchteil, und man hat großes Vergnügen.

00:29:51: Aber wir haben jetzt nur über Rotwein gesprochen. Beim Weißwein sieht es wieder anders aus.

00:29:56: Ich glaube, das Schönste, was es für mich gibt, ist ein toller Riesling, ein sehr guter deutscher Riesling, oder ein Sancerre von der Loire.

00:30:04: Die Sauvignons blancs von der Loire finde ich fantastisch, und ich finde, sie passen so wahnsinnig gut zu so vielen

00:30:12: Gerichten, egal ob Fisch, weißes Fleisch oder Gemüse.

00:30:19: Ich muss sagen, ein Sauvignon blanc von der Loire, ein Sancerre oder ein Pouilly-Fumé, das ist schon wirklich fantastisch.

00:30:28: Oder natürlich auch ein Chablis.

00:30:31: Zum Chardonnay dort bin ich über ein Europapokalspiel damals in Auxerre

00:30:41: gekommen, habe ihn probiert und dachte: Das ist ja noch etwas ganz anderes als der Chardonnay, den ich kannte.

00:30:49: Toll, der Chablis ist auch wirklich großartig, finde

00:30:52: ich.

00:30:53: Ich bin zum Chablis gekommen, als ich damals in Burgund wohnte, über meinen Hund, weil der Hund einen Rebstock angeknabbert hat.

00:31:01: Das war mir so unglaublich peinlich.

00:31:03: Und ich bin zu der Winzerin hingegangen und habe mich entschuldigt, weil sie gerade beim Rebschnitt waren, und das endete dann im Weinkeller. Das war ganz toll.

00:31:12: Die habe ich dann eingeladen, das war wirklich eine ganz, ganz schöne Erfahrung.

00:31:15: Du warst ja jetzt auch mit Tour Exquisit auf Reisen, natürlich in einer Weinregion: 2025 warst du mit uns in Bordeaux.

00:31:25: Warum Bordeaux?

00:31:26: Das war nicht das erste Mal, dass du in Bordeaux warst, oder?

00:31:29: Das war das erste Mal, dass ich richtig da war.

00:31:31: Das erste Mal, dass ich mit dem Ziel da war, kulinarisch unterwegs zu sein.

00:31:38: Davor war ich eigentlich nur bei Sportveranstaltungen dort.

00:31:41: Die ganze Aquitaine kannte ich überhaupt nicht.

00:31:43: Das war Neuland für mich.

00:31:45: Ich wollte da immer mal hin.

00:31:46: Andere sind schon in jungen Jahren zum Surfen dort gewesen, das hatte ich irgendwie nie gemacht, das war nicht auf meiner Agenda.

00:31:54: Ich kannte nur die Stadt von Fußball-Länderspielen. Also habe ich gedacht, ich möchte jetzt endlich mal die Region sehen, die Weinberge, die eigentlich gar keine Berge sind, die Weinflächen,

00:32:09: auf denen sozusagen das wächst, was ich im Keller habe und gerne trinke.

00:32:14: Das war der Anlass, mit meiner Partnerin zusammen dort mal hinzufahren und uns das näher anzuschauen.

00:32:22: Und was hat dich an der Stadt überrascht?

00:32:24: Ich fand sie toll.

00:32:25: Ich hatte vorher einiges gelesen.

00:32:27: Ich war ja schon mal dort,

00:32:33: 20 Jahre war das her.

00:32:35: Die Stadt hatte sich so kolossal verändert.

00:32:37: Ich hatte sie damals als wenig attraktiv in Erinnerung, insbesondere an der Garonne, also am Flussufer.

00:32:44: Damals war es so: Du fährst hin und bist eigentlich nur eine Nacht dort, kommst an, hast einen Abend frei, gehst dann aber doch ins Stadion zur Pressekonferenz oder gehst irgendwo essen und dann zum Spiel.

00:32:56: Also nicht viele Möglichkeiten, diese Stadt wirklich kennenzulernen.

00:32:59: Ich bin damals einmal durch die Innenstadt gebummelt und fand das ganz schön mit den alten Häusern, aber doch sehr schmuddelig.

00:33:07: Nicht so, dass ich das Gefühl hatte, ich muss noch mal wieder nach Bordeaux.

00:33:10: Und das hat sich total geändert.

00:33:11: Die Stadt ist ja komplett umgekrempelt.

00:33:14: Das hat mich an Barcelona erinnert.

00:33:17: Das alte Barcelona war ja eigentlich auch eine fürchterliche Hafenstadt, die sich komplett vom Meer abgewandt hatte.

00:33:23: Und dann wurde sie mit den Olympischen Spielen

00:33:26: komplett umgebaut, hat die Nähe zum Meer für sich entdeckt, sich geöffnet und dadurch eine ganz, ganz andere Qualität als Reiseziel entwickelt.

00:33:37: Diese Erinnerung hatte ich, als ich in Bordeaux war, und dachte: Das ist ja großartig.

00:33:41: Was die alles gemacht haben, an der Garonne entlang zum Flanieren. Wir haben uns dann auch Räder geliehen und sind wirklich kilometerweit gefahren.

00:33:54: Und auch in der Innenstadt, mit wunderschönen Bistros.

00:33:57: Wir hatten eine großartige Zeit, und auch dieses fantastische Weinmuseum, das es dort jetzt gibt.

00:34:06: Es waren vier großartige Tage in Bordeaux, und das waren bestimmt nicht die letzten, weil wir gesagt haben: Es hat uns so gut gefallen, und wir haben so viel noch nicht gesehen.

00:34:14: Wir müssen unbedingt wieder hin.

00:34:16: Genau, ihr wart danach ja im Médoc.

00:34:20: Genau.

00:34:21: Und wart da, ich meine, bei Pichon Longueville.

00:34:24: Genau, bei Pichon Longueville waren wir und bei Gruaud Larose, also zwei Deuxièmes-Crus-Weingütern. Zwei wirklich hervorragende, tolle Weingüter, die kennenzulernen wirklich toll war, weil das zu zweit auch sehr individuell war, sozusagen mit einem

00:34:41: Guide, bei beiden Gütern jeweils eine junge Frau, extrem zugewandt, die auch sehr gut Englisch sprach, sodass es uns erleichtert hat, Fragen zu stellen. Auf Französisch hätte ich es nicht gekonnt.

00:34:53: Dieses Fachvokabular habe ich überhaupt nicht.

00:34:57: Und das war fantastisch.

00:34:58: Dann waren wir noch bei Chasse-Spleen, das ist ein Weingut, ein Cru Bourgeois, der jetzt kein Weltniveau hat, aber den ich schon seit über 30 Jahren trinke. Mit dem habe ich in Bordeaux angefangen und zu ihm eine ganz große, lange Beziehung, weil es ein Weingut war, das der Freund, der mich zum Wein gebracht hat, schon sehr lange kannte. Ich habe, weiß ich nicht, über

00:35:20: 15, 20 Jahrgänge von Chasse-Spleen getrunken und im Keller gehabt.

00:35:25: Und ich wollte einfach mal sehen, wo die Weine wachsen.

00:35:28: Das war auch wirklich wunderbar.

00:35:30: Und weil das alles so nett war, haben wir auf eigene Faust noch ein bisschen was gemacht und die Tour sozusagen genutzt.

00:35:35: Wir waren auch bei Louis Vuitton und haben da mal reingeschaut.

00:35:39: Es war großartig.

00:35:42: Schön.

00:35:43: Nimm uns doch mal mit, für die Hörer, die noch keine so große Erfahrung mit Weinproben haben.

00:35:48: Wie läuft das ab?

00:35:50: Erzähl doch mal ein bisschen von einer Probe: Worauf hast du geachtet, was war überraschend?

00:35:55: Das Spannende waren für mich gar nicht unbedingt die Weinproben, weil die, mit einer Ausnahme, erzähle ich gleich, in der Regel die aktuellen Jahrgänge zur Verkostung angeboten haben.

00:36:08: Und wer sich ein bisschen mit Bordeaux auskennt, weiß:

00:36:11: Da muss man schon ein sehr großer Experte sein, um das Potenzial zu schmecken.

00:36:16: Für Menschen wie mich, die Wein gerne genießen, sind die einfach noch zu jung, zu grün, zu tanninhaltig und machen noch kein Vergnügen.

00:36:25: Deswegen hat mich viel mehr interessiert,

00:36:29: die Rebstöcke zu sehen: Wo wächst der Wein? Ein bisschen etwas darüber zu erfahren, wodurch sich das Weinmachen dieses Weinguts von anderen unterscheidet.

00:36:38: Mit ihnen unten im Keller gewesen zu sein.

00:36:41: Teilweise auch im Raritätenkeller, das fand ich fantastisch, wenn man guckt und dort die Weine liegen, einer von 1852 neben einem von 1849 und so.

00:36:51: Das hat eine unfassbare Aura.

00:36:55: Und bei Gruaud Larose beispielsweise haben sie es anders gemacht,

00:36:59: im Gegensatz zu Pichon Longueville. Da gab es drei aktuelle Jahrgänge, der 2019er war schon okay.

00:37:07: Aber es war noch nicht das Vergnügen. Bei Gruaud Larose haben sie dann, um vergleichen zu können, nach dem Motto „Wo geht die Reise hin?“,

00:37:16: uns einen 2012er trinken lassen, und den noch im Pairing mit einer dunklen Schokolade.

00:37:21: Und das war toll.

00:37:22: Ich habe gedacht: Oh, ein 2012er,

00:37:25: einer der schwächeren Jahrgänge der letzten 20 Jahre.

00:37:29: Was ist das denn?

00:37:29: Und dann denkst du: Oh nee, der ist ja …

00:37:31: Der ist ja toll, der ist jetzt genau richtig.

00:37:33: Wir haben dann auch gleich eine Kiste geordert, als wir wieder in Hamburg waren, und hatten jetzt zu Weihnachten den wunderbaren 2012er Gruaud Larose, ein toller Begleiter.

00:37:46: Und dann wart ihr noch im Sauternes, und ich glaube, ihr hattet drei verschiedene Unterkünfte, oder?

00:37:50: Kannst du noch ein bisschen etwas zu den Unterkünften erzählen?

00:37:53: Wir waren zunächst in Bordeaux, sind hingeflogen und hatten ein Landhaus auf der anderen Seite der Garonne, also auf der Ostseite.

00:38:09: Und da habe ich erst gedacht, die Gegend ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig.

00:38:15: Aber als das Tor aufging, öffnete sich

00:38:20: ein fantastischer, wunderschöner Garten und ein Landhaus aus dem, ich glaube, 18. oder 19. Jahrhundert, jedenfalls mit ganz viel Liebe hergerichtet, mit einem sehr, sehr schönen, großen, hellen Zimmer.

00:38:34: Das war toll, und von dort konnte man wunderbar mit der Straßenbahn in die City fahren, das war gar nicht so weit. Und ganz, ganz charmante Gastgeber

00:38:43: mit Tipps für Restaurants und so.

00:38:46: Das war ganz prima.

00:38:47: Und dann waren wir, wie gesagt, im Médoc,

00:38:49: nördlich von Bordeaux. Das Médoc ist, für die, die nicht so ganz drin sind, sozusagen das linke Ufer, wo die Cabernet-Sauvignon-Weine sind, im Gegensatz zu Saint-Émilion, wo Merlot die prägende Rebe ist.

00:39:05: Dort haben wir auch auf einem Château gewohnt.

00:39:07: Und dann das Sauternes, das hat mich am meisten überrascht, weil Süßwein früher so gar nicht meins war.

00:39:13: Ich kannte mich damit auch nicht aus und wollte eigentlich gar nicht hin.

00:39:17: Und dann muss ich sagen, du hast mich mehr oder weniger genötigt und gesagt: Das müsst ihr machen.

00:39:21: Und wir waren echt froh, denn das war von der Unterkunft her wirklich das Highlight: ein wunderbares Landgut, U-förmig gebaut, mit einem großen Kaminzimmer, in dem abends das Feuer brannte, und einem großen Tisch, an dem man sitzen konnte.

00:39:41: Das war wirklich ein Highlight, mit wunderbaren großen Bildbänden, die dort auslagen.

00:39:49: So, wie man es manchmal in den tollen Interior-Zeitschriften sieht,

00:39:55: wo man denkt: Oh, so möchtest du auch mal wohnen.

00:39:57: So war es da, und so durfte man wohnen.

00:39:59: Das war schön.

00:40:00: War wirklich sehr, sehr schön.

00:40:02: Ich bin da auf einer Weinreise mit besagtem Weinhändler Thorsten Tesch gewesen.

00:40:08: Daher kannte ich das.

00:40:09: Auf Château Guiraud haben wir wirklich Weine verkostet,

00:40:16: auch mit Essen dazu, Süßwein zum Essen, ganz ungewöhnlich. Das fand ich wirklich spannend.

00:40:22: Das freut mich, dass es euch da so gut gefallen hat.

00:40:25: Und dann seid ihr ja noch weitergefahren, wir steigen noch mal aufs Fahrrad, Richtung Biarritz.

00:40:32: Wie lange war die Tour?

00:40:35: Eine Woche.

00:40:36: Wir machen das eigentlich immer, weil wir sagen, wir können nicht nur schlemmen und Wein trinken, wir wollen uns auch bewegen. Das haben wir vor ein paar Jahren für uns entdeckt, meine Partnerin und ich, und gesagt: Wir machen eigentlich jedes Jahr so eine Woche. Das sind dann immer, je nachdem, wie es passt, zwischen 300 und 400 Kilometer in Etappen von 50 bis maximal 70 Kilometern, sodass man morgens früh startet, mittags am Zielort ist und sich dort noch ein bisschen etwas angucken kann.

00:41:11: Und wir haben festgestellt, dass das eine fantastische Art zu reisen ist, weil man schneller vorankommt als zu Fuß und trotzdem ganz, ganz viel sieht und vor allem riecht.

00:41:21: Wenn man mit dem Rad an der Atlantikküste entlangfährt, hat man diesen salzigen Geruch vom Meer in der Nase, vom Ozean, der hinter den Dünen anbrandet, oder man fährt durch die Pinienwälder, die hinter den Dünen ins Landesinnere reichen, und alles riecht so würzig nach Harz.

00:41:44: Das geht ja irgendwie verloren, wenn man Auto fährt.

00:41:47: Außer man fährt Cabrio, aber dann fährt man auch so schnell, dass man es gar nicht so riechen kann.

00:41:52: Und einer muss sich immer auf die Straße konzentrieren.

00:41:54: Beim Fahrradfahren radelt man so dahin.

00:41:58: Wir gönnen uns dafür E-Bikes, damit man ein bisschen mehr schafft und es nicht zur absoluten Anstrengung wird, sondern man mit einem Schnitt von 25 Stundenkilometern fahren kann, um ein bisschen voranzukommen.

00:42:10: Und trotzdem siehst du natürlich den Raubvogel auf dem Zaun an der Seite.

00:42:15: Du siehst Rebhühner, die plötzlich auffliegen, wenn du durch solche Heidelandschaften radelst.

00:42:23: All diese Dinge würde man im Auto gar nicht registrieren.

00:42:27: Das ist für uns eine tolle Erfahrung gewesen.

00:42:30: Und vor allem diese fantastische Küste.

00:42:32: Wir sind mit dem Rad erst noch ein bisschen hoch ins Médoc, weil uns die zwei Tage, die wir dort vorher eingeplant hatten, nicht gereicht haben, und waren noch in Margaux beispielsweise,

00:42:46: in einem schönen Hotel direkt an einem Golfplatz. Dann sind wir quer hinüber an die Küste gefahren, über Lacanau, und dann die Küste hinunter bis Biarritz.

00:42:56: Und ja, das war

00:42:58: ganz, ganz wunderbar.

00:43:00: Das hat uns sehr gut gefallen.

00:43:03: Das kann ich mir vorstellen.

00:43:04: Hast du einen Abschnitt im Kopf, der besonders schön war?

00:43:08: Zwei würde ich nennen. Der eine rund um Arcachon und diese grandiose Bucht. Wir sind die Küste entlanggefahren und haben dort wunderbar Austern gegessen, wir lieben Austern, direkt in so einer Hütte. Das war eine Empfehlung aus einem wirklich fantastischen Buch, das man nur empfehlen kann, wenn man in diese Region reist.

00:43:37: Ich nenne es jetzt mal ein Kochbuch und einen Restaurantführer.

00:43:40: „Chez Luc“ heißt es.

00:43:41: Von Alexander

00:43:42: Oetker.

00:43:43: Genau, den hattest du ja auch schon in deinem Podcast zu Gast.

00:43:46: Das Buch hat uns dort sehr begleitet, es ist wunderbar fotografiert. Er hatte darin auch eine Austernzüchterin porträtiert, bei der man essen konnte. Bei ihr war ausgebucht, aber der Nachbar war wirklich nur 30 Meter weiter.

00:44:02: Das war fantastisch.

00:44:04: Auf Stelzen in dieser Bucht zu sitzen, und es war Ebbe,

00:44:08: es war gerade Ebbe, und dann Austern zu essen, wirklich schön.

00:44:12: Und dann mit der Fähre überzusetzen, direkt nach Arcachon, dort eine Nacht zu verbringen und dann weiterzufahren.

00:44:20: Am nächsten Morgen die Dune du Pilat zu erklettern, diese riesige Sanddüne, und dann weiterzuradeln.

00:44:27: Das war für mich spektakulär, weil ich es vorher so nicht kannte.

00:44:30: Und dann muss ich einfach noch einen … Ich komme gerade nicht mehr auf den Namen: ein wunderbarer kleiner Ort mit nur ein paar Bretterbuden, hauptsächlich von Surfern geprägt.

00:44:46: Dort hatten wir auch ein kleines, sehr, sehr süßes Hotel.

00:44:50: Wir waren die Ältesten, es waren eigentlich nur Surfer da, aber es war ganz, ganz charmant gemacht.

00:44:55: Und weil der Ort so klein war, war dieser Strand so leer und so riesig.

00:45:01: Wir hatten schönes Wetter.

00:45:03: Da sieht man die ganze Weite des Atlantiks anbranden, und das war auch ein Highlight auf dem Weg.

00:45:11: Sehr schön.

00:45:12: Vom E-Bike kommen wir zurück zu meiner Ausgangsidee, zur Tour de France.

00:45:18: Ja.

00:45:18: Das hat mich ja jetzt echt angefixt.

00:45:20: Ich bin ein großer Strategie-Fan, und ich finde, das ist ein wahnsinnig strategisches Rennen.

00:45:29: Was wäre für dich der perfekte Rahmen, wenn wir uns so eine Etappe der Tour de France vorstellen?

00:45:34: Ich habe ja schon gehört: Wir sind in den Pyrenäen.

00:45:37: Wir gehen vielleicht morgens auf den Markt, wenn wir Zeit haben, bevor die Menschenmassen auflaufen.

00:45:43: Dann zur Etappe und abends wahrscheinlich irgendwo gut essen.

00:45:48: Ja, das wäre genau meine Vorstellung eines perfekten Tages.

00:45:54: Stichwort Markt: auf jeden Fall, wenn es einen Markt gibt, darüber schlendern, dann in einem kleinen Café einen Kaffee trinken und ein bisschen dem Treiben zuschauen. Und dann irgendwann die Zielankunft anschauen oder irgendwo an der Strecke sein und das Feld vorbeirasen lassen. Und am Abend ein schönes Essen.

00:46:17: Nicht unbedingt im Sternerestaurant.

00:46:19: Das mag ich auch gerne, aber ein- oder zweimal im Jahr reicht mir das.

00:46:24: Ich mag viel lieber, wenn man mit dem Guide Michelin unterwegs ist, die …

00:46:31: Die Bib Gourmand.

00:46:33: Genau, der Bib Gourmand ist immer eine Empfehlung, danach gucken wir immer: ursprüngliche Küche, regionale Küche zu bezahlbaren Preisen, aber auf einem guten Niveau. Das finde ich fantastisch, wo man die Region schmeckt, wo ich in Südfrankreich nicht irgendeinen bretonischen Hummer auf japanische Art bekomme, sondern das, was in der Region auch gegessen wird.

00:47:01: Das finde ich fantastisch.

00:47:02: Nur leider werden wir das wohl nur theoretisch durchdenken können. Im Rahmen einer Etappe der Tour de France werden wir wohl kaum so einen schönen Platz und so ein Restaurant finden.

00:47:14: Wir werden da wohl nicht viel davon sehen, weil diese Orte dann einfach so überlaufen sind.

00:47:19: Ich glaube, es macht Sinn, sich die Pyrenäen entweder vor der Etappe, die dort durchfährt, oder danach anzuschauen.

00:47:27: Ja, das schauen wir mal.

00:47:28: Der Etappenplan wird ja immer im Herbst veröffentlicht.

00:47:33: Wir gucken dann mal drauf, ich rufe an, und dann überlegen wir mal.

00:47:37: Ja, das klingt doch gut.

00:47:38: Prima.

00:47:39: Alexander, ich danke dir für das tolle Gespräch.

00:47:41: Schön, dass du da warst.

00:47:43: Gerne, hat Spaß gemacht.

00:47:44: À bientôt.

00:47:46: À bientôt.

00:47:47: Gerne, bis bald an einem großen Tisch.

00:47:50: Das war „À table!“, der Frankreich-Podcast von Tour Exquisit.

00:47:54: Danke, dass Sie heute mit uns unterwegs waren, zwischen Stadionlicht und Atlantikwind, zwischen Bordeaux im Glas und dem Rhythmus einer Radetappe.

00:48:02: Und danke an meinen Gast Alexander Bleick für seine ruhige,

00:48:05: kluge

00:48:06: Art zu erzählen, für die Bilder, die bleiben: die Bretagne im Gegenwind, die Weite der Küste, ein Abend am Kamin im Sauternes und die Vorstellung, irgendwann gemeinsam an einer Etappe der Tour de France zu stehen.

00:48:19: Wenn Ihnen die Folge gefallen hat, abonnieren Sie „À table!“ und teilen Sie sie gern mit Menschen, die Frankreich ebenso lieben wie wir.

00:48:27: Mehr Inspiration und handverlesene Reisen finden Sie bei Tour Exquisit.

00:48:32: Wenn Sie Lust bekommen haben, Frankreich auf Ihre persönliche Weise zu erleben: Wir gestalten diese Reise sehr gern gemeinsam mit Ihnen.

00:48:40: À bientôt und bis zur nächsten Folge.

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