Normandie-Cotentin: Krimis, Küstenpfade und Mont-Saint-Michel – im Gespräch mit Maria Dries

Shownotes

Maria Dries hat die Halbinsel Cotentin nicht als Touristin entdeckt, sondern als Autorin, die einen Ort für ihren Kommissar sucht. Seit 2012 fährt sie regelmäßig dorthin – mit Mountainbike, Notizbuch und dem Blick für das, was sich nicht in Reiseführern findet.

In dieser Folge erzählt sie, warum Barfleur einmal zum schönsten Dorf Frankreichs gewählt wurde und was das mit dem Tidenhub zu tun hat. Wie man am Cap de la Hague auf alten Zöllnerpfaden wandert, ohne einem anderen Menschen zu begegnen. Warum Port Racine – der kleinste Hafen Frankreichs – ein Ort ist, den man nicht sucht, aber nicht vergisst. Und wie ihr Kommissar Philippe Lagarde auf den Chausey-Inseln geheiratet hat – in einer kleinen Granitkapelle, fast allein.

Wir sprechen auch über den Mont-Saint-Michel – nicht als Massentouristenziel, sondern als Ort, dem man sich langsam nähern muss. Und über die Frage, wie man als Reisende den richtigen Moment findet, um diesen Berg wirklich zu spüren.

Sie hören unter anderem: • wie aus Frühstücksgesprächen am Küchentisch Mordideen für Krimis werden – und warum Maria Dries’ Mann immer der Erstleser war • warum Maria Dries ihre Reihe ausgerechnet an der Spitze der Normandie angesiedelt hat – und nicht in der Provence • welche Orte an der Cotentin-Küste sie besonders liebt: Barfleur, Cap de la Hague, Port Racine und die Chausey-Inseln • wie sich der Mont-Saint-Michel jenseits des Trubels erleben lässt – und zu welcher Tageszeit das gelingt

Link Die passende Reise dazu: Normandie entspannt genießen

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Transkript – Folge 09

Normandie-Cotentin: Krimis, Küstenpfade und Mont-Saint-Michel – im Gespräch mit Maria Dries

À table – Der Frankreich-Podcast von Tour Exquisit | Bereinigtes Transkript

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Einführung

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Bienvenue bei À table, dem Frankreich-Podcast von Tour Exquisit mit Antje Seele. Hier hören, schmecken und erleben Sie Frankreich auf vielfältige Weise – mit Menschen, die dem Land verbunden sind.

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Heute reisen wir in den Westen Frankreichs, an die raueste Spitze der Normandie – auf die Halbinsel Cotentin. Mein Gast ist die Krimiautorin Maria Dries. Seit 15 Bänden ermittelt ihr Kommissar Philippe Lagarde zwischen Leuchttürmen, Granitdörfern und Gezeiten. Frau Dries, wann ist Ihnen zuletzt beim Frühstück eine Mordidee gekommen?

[0:24]

Mordideen beim Frühstück

Mir kommen ständig Mordideen – nicht nur beim Frühstück. Manchmal wache ich früh auf und habe einen Geistesblitz. Das arbeitet ständig im Unterbewusstsein.

Sie sind eine friedliche Frau, aber mit krimineller Fantasie. Oder schlummert da ein Abgrund?

Nein, ich persönlich bin völlig harmlos, friedlich und arglos. Aber diese Ideen entwickeln sich – und man gewöhnt sich daran, sie ganz offen zu entwickeln. Als mein Mann noch am Leben war, hat er bei Interviews schon gesagt: Bei uns wird daheim gemordet. Wir haben immer gehofft, dass keiner zuhört. Aber es ist rein auf die Bücher bezogen. Ansonsten geht es bei uns ganz friedlich zu.

Sie haben ja auch gemeinsam Mordideen am Frühstückstisch entwickelt. Das hatte ich gelesen.

Genau. Mein Mann hat mich sehr unterstützt. Wir haben das Konzept zusammen entwickelt und oft wirklich Inhalte besprochen. Er war auch der Erstleser. Irgendwann gewöhnt man sich daran, über solche Sachen zu sprechen. Man muss nur aufpassen, wenn man im Restaurant sitzt, dass man leise spricht und niemanden erschreckt. Im Grunde ist es reine theoretische Arbeit, um im Text voranzukommen.

Und haben Sie das dann immer sofort notiert?

Ich habe meistens ein Notizbüchlein dabei.

[2:24]

Schreiben mit Struktur

Haben Sie einen Rhythmus, wie Sie schreiben?

Bis letztes Jahr habe ich noch gearbeitet und am Wochenende geschrieben. Seit ich im Ruhestand bin, habe ich trotzdem eine Struktur – ich arbeite sehr diszipliniert und habe bestimmte Zeiten. Meistens setze ich mich am frühen Nachmittag hin, wenn ich alles erledigt habe und das Sportprogramm gemacht habe. Dann nehme ich mir drei, vier Stunden vor und arbeite.

Sie haben sich unter anderem auf die Normandie spezialisiert. Die Geschichten entstehen ja nicht zufällig, sondern haben mit den Orten zu tun. Sie waren, glaube ich, mit 17 das erste Mal in Frankreich – an der Côte d’Azur.

Das stimmt. Ich war am Gymnasium in Langen und hatte Französisch als Lieblingsfach. Mit 17 hatte ich einen Freund mit einem Cabriolet, und wir sind in den Sommerferien an die Côte d’Azur gebraust. Da hatte ich den Eindruck: Ich bin jetzt da, wo ich eigentlich hingehöre. Immer wenn ich über die Grenze fahre, das erste Croissant esse und den ersten französischen Kaffee trinke, denke ich: Ich bin zu Hause. Woher das genau kommt, weiß ich nicht.

[3:53]

Die Faszination der Normandie

Jetzt schreiben Sie hauptsächlich über die Normandie. Wie kam das? Warum nicht über die Provence?

Als ich mich entschlossen habe, Krimis in Frankreich spielen zu lassen, haben wir nicht lange überlegt. 2012 waren wir das erste Mal auf Cotentin. Wir sind darauf gekommen, weil mich die Bilder so fasziniert haben – diese ganz wilde Gegend, rau, mit schroffen Klippen und Tidenhüben von zwölf Metern. Das ist gewaltig. Da habe ich entschieden, dass ich die Reihe dort spielen lasse.

[4:54]

Barfleur und seine Geheimnisse

Ihren Kommissar haben Sie in Barfleur angesiedelt – ein kleiner Ort mit Bruchsteinhäusern, Granit, Naturhafen, engen Gassen. Was hat Sie so überzeugt?

Wir hatten in der Nähe, auf der anderen Seite an der wilden Westküste, ein kleines Ferienhaus und sind über die ganze Halbinsel gefahren, um uns die Orte anzuschauen. Barfleur wurde einmal zum schönsten Dorf Frankreichs gewählt – das hat meine Aufmerksamkeit erregt. Es ist ein Hafen mit einer wuchtigen Wehrkirche, vorne die Seenotrettung, weil durch den Tidenhub viel passiert. Wenn die Flut abzieht, kippen die Boote in den Schlick. Das sieht faszinierend aus. Und wenn die Flut wieder einläuft, hebt sie die Boote quasi wieder hoch. Das Ganze ist wild, rau und faszinierend. Dahinter liegt der Leuchtturm von Gatteville – einer der größten Leuchttürme Frankreichs, die äußerste Nordostspitze der Halbinsel. Dieses ganze Setting hat mich so beeindruckt, dass ich mich für Barfleur entschieden habe.

Ich war selbst schon mal da und habe dort direkt an der Küste gegessen. Diese umgekippten Boote bei Ebbe – das hatte ich so noch nie gesehen. Gibt es ein Café oder Restaurant, wo Sie besonders gerne sind?

An der Promenade gibt es Cafés, ein Restaurant, Souvenirläden. Da war ein ganz bestimmtes Café mit typisch normannischen Gerichten – die goldenen Muscheln von Barfleur. Das war eines meiner Lieblingsgerichte. Wir haben da manchmal gegessen und die Muscheln probiert. Die Schalen schauen ein bisschen golden aus.

Und was ist Ihre liebste Tageszeit dort?

[7:30]

Kulinarische Entdeckungen

Eigentlich jede. Ich war zu jeder Tages-, Mittags- und Abendzeit unterwegs. Wir haben uns manchmal auch getrennt – ich habe immer mein Mountainbike dabei und bin die Küste entlanggefahren oder kreuz und quer über die Halbinsel. Auch bei wildem Sturm und Regen. Es ist eigentlich immer schön und aufregend.

Ein Stückchen weiter liegt Saint-Vaast-la-Hougue mit der Vauban-Festung im Meer. Waren Sie da auch mit dem Fahrrad?

Ja, da war ich auch mit dem Fahrrad. Das ist nur zu empfehlen. Vauban hat dort eine befestigte Hafenanlage gebaut. Genau gegenüber liegt eine ganz kleine Insel – Tatihou. Da kann man mit einem amphibischen Boot hinüberfahren, das bei Ebbe Räder ausfährt. Dahinter liegen die Muschelbänke und Austernbänke.

Ich merke schon: Sie sind Austern-Fan.

Absolut.

[8:53]

Austern und ihre Zubereitung

Haben Sie eine Lieblingsart, ein Lieblingsrezept?

Ganz einfach: aufklappen, Zitronensaft, essen.

Das Austernsuchen ist in der Normandie ja ein richtiger Sport. Haben Sie das mal mitgemacht?

Mitmachen darf man nicht, aber man kann zuschauen. Wir haben einen Kaffee getrunken, am Hafen gesessen und geguckt. Bei Ebbe fahren die Züchter mit Traktoren und Anhängern rein, drehen die Säcke, schauen, wie groß die Austern sind, wie sie wachsen. Manchmal werden sie geerntet und wieder rausgefahren. Mir ist erst jetzt richtig klar geworden, wie aufwendig das ist. Die brauchen vier Jahre, bis sie fertig sind, und werden zwischendurch in neue Säcke umgepackt. Die Austern wachsen auf der Ostseite, weil die Westseite zu wild ist. Wenn dann noch Flüsse in das Becken fließen, gibt es eine Mischung aus Salz- und Süßwasser – das ist optimal für sie.

[10:44]

Leuchtturm von Gatteville

Der Leuchtturm von Gatteville hat so viele Stufen, wie das Jahr Tage hat – 365. Waren Sie schon oben?

Ja. Der Ausblick über die ganze Bucht ist faszinierend – man sieht bis zu den Chausey-Inseln und hat einen tollen Blick auf den Ärmelkanal.

[11:08]

Kommissar Philippe Lagarde

Da spielen auch ein oder zwei Szenen im Leuchtturm. Ist Philippe Lagarde jemand, der den Überblick sucht – oder lieber im Detail ermittelt?

Er behält immer den Überblick. Privat ist er sehr charmant, kultiviert, trägt seine Odette auf Händen. Aber er ist auch ein Elitepolizist, der durchsetzungsfähig ist. Eine Mischung: charmanter Frauenversteher und eine Art James Bond aus der Normandie.

Das ist eine schöne Formulierung. Dann reisen wir weiter in Richtung Westen, zum Cap de la Hague. Da siedeln Sie ja auch einige Szenen an. Was unterscheidet diese Küste vom Rest der Cotentin?

[12:31]

Cap de la Hague erkunden

Man kann sagen, dass das Cap de la Hague alle Attribute der Cotentin vereint, aber noch ausgeprägter. Es sieht zum Teil schon ein bisschen aus wie Irland – ganz schroffe Felsen, Meeresgrotten, steile Abstürze, und der Ozean tobt um dieses Kap. Es gibt gefährliche Strömungen, die Fischer müssen sehr vorsichtig sein. Der Leuchtturm von Goury steht auf einem Felsen im Meer. Wenn man sieht, wie Sturm und Brandung ihn umtosen – das ist sehr beeindruckend.

Und wie ist die Vegetation dort?

Heidelandschaft – Ginster, Erika. Und diese Heckenlandschaft, wo Felder und Weiden eingegrenzt sind, damit die Schafe vor den Herbststürmen etwas Schutz haben.

[14:30]

Wandern in der Normandie

Das klingt eher nach Wandergebiet als nach Radfahrgebiet.

Das stimmt. Da bin ich nicht Fahrrad gefahren – zu wild, zu hügelig. Aber wandern kann man dort sehr schön. Es gibt die alten Zöllnerpfade, die Chemins des Douaniers, wo früher die Zöllner kontrolliert haben, ob geschmuggelt wird. Die sind jetzt als Wanderwege ausgebaut, gut beschildert. Im Prinzip könnte man von der Normandie bis in die Bretagne am Meer entlang wandern. Man sollte trittsicher sein und nicht in Flipflops losziehen – aber die Pfade sind absolut spektakulär. Die Landschaft wechselt ständig: schroffe Klippen, wo es senkrecht runtergeht, und dann wieder wunderschöne sandige Buchten.

Waren Sie da meistens im Sommer unterwegs?

So von Juni bis September. Und es ist überhaupt nicht überlaufen. Wir haben erlebt, dass wir quasi den ganzen Strand für uns allein hatten.

[15:17]

Port Racine – der kleinste Hafen Frankreichs

Ganz in der Nähe gibt es noch einen kleinen, stillen Ort, den Sie mir erzählt haben.

Port Racine – der kleinste Hafen Frankreichs. Er liegt noch oben an der Nordküste, zwischen Cherbourg und dem Cap de la Hague. Da gibt es viele kleine Weiler, die Häuser stehen sehr geduckt, um sich vor dem Wind zu schützen. Der Hafen ist winzig – da passen nur ein paar Fischerboote rein, die noch an Seilen hängen, damit sie nicht davontreiben. Es lohnt sich auf jeden Fall. Und in der Nähe liegt das Haus von Jacques Prévert, dem berühmten französischen Poeten, der sich dort im Alter zurückgezogen hat. Das kann man besichtigen, es gibt auch ein kleines Museum.

Kann man da gut einkehren, wenn man unterwegs ist?

Wir haben immer etwas gefunden. Man sitzt draußen, am Strand, direkt an der Bucht und am Fischerhafen, trinkt Kaffee oder isst eine Kleinigkeit. Oder oben auf den Felsen – da gibt es manchmal einen kleinen Imbiss mit tollem Kaffee und Kuchen. Ein Picknick braucht man eigentlich nie dabei.

Ich stelle mir immer diese Steinhäuser mit dem Granit vor, und davor die blühenden Hortensien – das ist für mich der Inbegriff der Region.

[17:38]

Kulturelle Schätze der Region

So sieht es auch aus. Die Hortensien wachsen dort ganz üppig vor jedem Haus – blau, rosa und weiß, mit diesen großen Blütenbällen. Das sieht wunderschön aus.

Wir haben viel über Natur gesprochen. Gibt es auch kulturell Schönes – Schlösser, Burgen?

Fast überall gibt es Schlösser und Burgen. Ich habe Ihnen von einer normannischen Burg erzählt – die liegt auf der Westseite, etwas im Wald versteckt. Eine richtige Burg aus dem 11. Jahrhundert, mit Kerker und Gefängniszellen. Sehr interessant. Und wenn man so eine Burg besichtigt, springt sofort die Fantasie an. Ich bin ins Gefängnis rein, habe die Stäbe angefasst, mein Mann hat das fotografiert. Im zweiten Buch hat Lagarde dann auch dort ermittelt. Ich versuche immer, die Faszination und die Eindrücke einzuarbeiten.

Es gibt ja auch viele Abteien in der Region.

Ja, weiter unten gibt es eine Abtei – die lohnt sich auch immer.

[19:38]

Heirat auf den Chausey-Inseln

Wir hatten schon über Tatihou gesprochen, und es gibt ja auch noch andere Inseln. Ihr Kommissar heiratet sogar auf einer davon. Warum dort?

Der 15. Band ist letzte Woche erschienen, und da heiratet er – weil viele Leser sich das gewünscht haben. Er liebt ja seine Odette, die beiden verstehen sich sehr gut. Ich habe lange überlegt, wo sie heiraten sollen – das perfekte Setting. Dann bin ich auf die Chausey-Inseln gekommen. Da war ich einmal. Man kann von der Westküste aus, zum Beispiel von Granville, mit dem Boot rüberfahren. Es sind mehrere Inseln – eine etwas größer, die anderen klein, die meisten unbewohnt. Auf der Hauptinsel gibt es einen Hafen, ein Hotel, eine Kirche und noch drei, vier Häuser. Man kann die ganze Insel in zwanzig Minuten umrunden. Das ist absolut perfekt – ich war selbst so begeistert. Wenig Leute, weil die Insel zu klein ist für viele Touristen. Und wegen der kleinen Granitkapelle – dort haben sie sich trauen lassen. Ich würde jedem empfehlen, dorthin zu fahren.

Man kann also auch nur für ein paar Stunden rüberfahren?

Genau, man fährt abends wieder zurück. Von Granville sind es vielleicht zehn, zwanzig Kilometer, eine Stunde Fahrt. Oder man bucht ein Zimmer im Hotel und bleibt über Nacht.

[21:46]

Granville und seine Aussicht

Sie haben Granville erwähnt – eine Stadt mit einer ganz spektakulären Lage.

Granville liegt auf einem Felssporn, sehr hoch. Wenn man an den Rand geht, schaut man die Klippe senkrecht runter. Oben ist die Altstadt, unten die Unterstadt mit alten Villen und Patrizierhäusern – ein sehr schöner Ort. Davor liegt noch die Villa von Christian Dior, mit Privatstrand natürlich. Die kann man besichtigen – heute ist ein Modemuseum darin. Und dann fängt die Bucht des Mont-Saint-Michel an. Ich bin auf ein Kalkplateau hochgewandert, weil Vauban dort eine Hütte hatte. Durch Ginster und wilde Landschaft – und dann steht man plötzlich hundert Meter oben und sieht auf die Bucht des Mont-Saint-Michel, wie der heilige Berg sich da erhebt. Die Ikone der Normandie.

Ich kenne diese Hütte. Ich habe mich genauso genähert und hatte richtig Gänsehaut, als ich das erste Mal den Mont-Saint-Michel von dort oben gesehen habe. Wann waren Sie das erste Mal dort?

Das muss ich überlegen – das ist schon zwanzig Jahre her. Ich war das erste Mal mit einer Freundin dort, dann vor ein paar Jahren nochmal mit meinem Mann. Insgesamt drei oder vier Mal. Er zieht einen magisch an. Man muss das aber zulassen können. Ich habe auch schon mit Leuten geredet, die gesagt haben: viele Leute, keine Mystik, furchtbar. Das stimmt aber so nicht. Man muss vielleicht unter der Woche hin, früh – und bereit sein, diese Aura in sich aufzunehmen. Dann klappt das auch.

Man muss es einfach erfahren. Diese Gasse hochlaufen, sich alles anschauen. Dort wohnen ja nur noch vierzig oder sechzig Menschen. Diese kleinen Nebengässchen, wie sich das ineinander verschachtelt. Und wenn man Glück hat, ist wenig los.

[25:05]

Wattwanderung und Annäherung

Haben Sie da auch mal eine Wattwanderung gemacht? Der Mont-Saint-Michel ist ja umspült – es gibt nur diesen einen Damm.

Nein, das habe ich nicht gemacht. Wattwanderungen sind mir unheimlich. Früher kamen die Pilger übers Watt, und viele sind dabei ertrunken – dieser Treibsand, der einen hinunterzieht. Das war nichts für mich. Wobei man das natürlich mit einem ausgebildeten Führer machen kann.

Genau, wir bieten das unseren Kunden an – aber nur mit einem ausgebildeten Wanderführer. Ich habe mir den Tipp geben lassen, im Hochsommer abends hinzufahren, kurz vor Schließung. Es gibt den Shuttle-Bus, aber ich bin zu Fuß über den Damm gegangen – und war fast alleine. Das war so toll. Man muss einfach einen Moment erwischen, wo wenig los ist. Vielleicht vormittags oder abends in der Dämmerung. Dann sieht man vielleicht auch die Mönche, die dort beten oder singen. Und kann die ganze Kraft dieses Berges spüren.

Ich habe mich auch viel mit dem Bau beschäftigt – der dritte Lagarde spielt zum großen Teil auf dem Mont-Saint-Michel. Diese Dreiteilung mit der Abtei oben, wie viele Jahrzehnte der Bau gedauert hat, die Höhlen und unterirdischen Gänge, die alten Zahnräder, mit denen die Steine hochgeholt wurden. Wenn man sich darauf einlassen kann, spürt man, dass das etwas ganz Besonderes ist.

[27:12]

Abschluss und Ausblick

Das ist gewöhnlich der Abschluss der Normandie – Bretagne und Normandie haben ja gestritten, wem der heilige Berg eigentlich gehört. Die Normandie hat sich durchgesetzt. Sind wir am Ende der Normandie, aber noch nicht ganz am Ende unseres Gesprächs. Wenn Ihr Kommissar gerade geheiratet hat – sind da noch einige Bände geplant?

Auf jeden Fall. Es war der 15. Band, und er ist ja schon öfter woanders hingereist. Als ehemaliger Elitepolizist wird er hinzugezogen, wenn Fälle unlösbar scheinen oder öffentliches Interesse besteht. Er war zum Beispiel an der Loire, wo ein Bogenschütze die Gegend unsicher gemacht hat und der Tourismusverband große Angst hatte, dass die Touristen wegbleiben.

Da können wir vielleicht bei einem unserer nächsten Podcasts über die Loire und die Loire-Schlösser sprechen – das ist ja auch eine unserer Reisen.

Das können wir gerne machen. Ich bin auch ein sehr großer Loire-Fan.

Dann danke ich Ihnen sehr für das Gespräch – für Granit und Gezeiten, für Leuchttürme und diese schöne Liebesgeschichte. Aus dieser Reise haben wir ja auch schon überlegt, ob wir eine Krimireise machen: von Barfleur bis zum Mont-Saint-Michel, auf den Spuren von Kommissar Lagarde, immer an der Küste der Halbinsel Cotentin entlang.

Da freue ich mich drauf.

Ich bedanke mich für das Gespräch und freue mich schon, das Ende des dritten Bandes zu lesen.

Viel Vergnügen und viel Spannung. Schauen Sie mal, ob Sie den Schurken erraten.

Alles Gute. Tschüss.

Tschüss.

Kommentare (1)

Sabine

Ein wunderbarer Beitrag mit der Autorin einer meiner Lieblingskrimis. Man fragt sich ja immer, ob die Handlungsorte authentisch sind und wie Autoren ihre Ideen für die Krimis finden. Vielen Dank für diesen interessanten Podcast!

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