Périgord, Bordeaux, Arcachon: Meine Recherchereise durch den Südwesten
Shownotes
DAS VERSPRECHEN VON DAMALS
Am Ende meines Gesprächs mit Karin Denzler habe ich gesagt: Wir treffen uns im Périgord. Karin ist Schweizerin, lebt seit einigen Jahren dort und arbeitet als Wanderführerin. Sie hat von dieser Region so erzählt, dass man am liebsten sofort den Koffer packen möchte. Jetzt löse ich das Versprechen ein.
WIE EINE REISE ENTSTEHT
Ich werde oft gefragt, wie eine Reise bei Tour Exquisit entsteht. Meistens nicht am Schreibtisch. Oft beginnt sie mit einem Gespräch – mit jemandem, der vor Ort lebt und Dinge erzählt, die in keinem Reiseführer stehen. Karin sprach von der Stille, den Märkten, der Gastfreundschaft und von einem Wort, das sich schwer übersetzen lässt: Convivialité.
DIE ROUTE UND EIN TRANSPARENZHINWEIS
Meine Reise führt von Bordeaux über das Bassin d'Arcachon ins Périgord. Weil mehrere Partner sie ermöglichen, sage ich das offen: Die Offices de Tourisme in Bordeaux und Arcachon unterstützen mich, für den Périgord-Teil bin ich von Atout France und dem Département de la Dordogne eingeladen. Meine Bewertung bleibt davon unabhängig – ich werde genauso sagen, was nicht passt.
ARCACHON NACH DEN BRÄNDEN
Über die schweren Brände dieses Sommers rund um das Bassin d'Arcachon und Cap Ferret muss ich sprechen. Ich möchte weder dramatisieren noch beschönigen, sondern mit den Menschen reden, die dort leben und arbeiten – und selbst sehen, wie es aussieht, bevor ich die Region wieder uneingeschränkt empfehle.
WAS ICH IM PÉRIGORD PRÜFE
Fünf Tage, vier Themen. Bei Unterkünften interessieren mich nicht die Sterne, sondern ob man gern noch eine Stunde auf der Terrasse sitzen bleibt. Bei Produzenten – Kaviar, Trüffel, Walnüsse, Wein – wie viel Arbeit tatsächlich in einem Produkt steckt. In der Messerschmiede von Nontron, wie aus rund 40 Arbeitsschritten das älteste Messer Frankreichs entsteht. Und bei Lascaux IV, ob eine Rekonstruktion die Wirkung des Originals vermitteln kann.
DAS WIEDERSEHEN MIT KARIN
Aus der gemeinsamen Wanderung wird nichts – ich habe mir kurz vor der Reise den Fuß gebrochen. Treffen werden wir uns trotzdem. Ich bin gespannt, wo Karin mir widerspricht. Gerade das wäre wertvoll. Nach meiner Rückkehr Anfang September ziehe ich hier im Podcast Bilanz.
Diese Folge habe ich vollständig allein geschrieben, gesprochen, aufgenommen und geschnitten. Ich freue mich über Ihr Feedback und gerne auch über eine Bewertung des Podcasts.
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🎧 Frühere Folge mit Karin Denzler „Périgord/Dordogne – unterwegs mit Karin Denzler“ https://atable.podigee.io/10-neue-episode
Ein herzliches Dankeschön an: Atout France, Dordogne Périgord Tourisme, OT Arcachon und OT Bordeaux für die Unterstützung bei dieser Reise.
Transkript anzeigen
00:00:06: Antje: À table! Der Frankreich-Podcast von Tour Exquisit mit Antje Seele.
00:00:12: Antje: Ich möchte heute mit einem Satz beginnen, den ich vor einiger Zeit hier im Podcast gesagt habe. Damals saß ich mit Karin Denzler am Mikrofon. Karin ist Schweizerin, lebt seit einigen Jahren im Périgord und arbeitet dort als Wanderführerin. Sie hat von dieser Region so erzählt, dass man am liebsten sofort den Koffer packen möchte. Und am Ende unseres Gesprächs habe ich gesagt: Wir treffen uns im Périgord. Antje: Jetzt löse ich dieses Versprechen endlich ein. Ende August fahre ich in den Südwesten Frankreichs, zuerst nach Bordeaux, dann ans Bassin d'Arcachon und anschließend ins Périgord. Für Sie ist das vielleicht ein interessanter Blick hinter die Kulissen. Denn heute möchte ich nicht nur erzählen, wohin ich fahre - ich möchte Ihnen zeigen, was ich selbst sehen und erleben muss, bevor aus einer interessanten Region eine Reise von Tour Exquisit werden kann.
00:01:15: Antje: Ich werde manchmal gefragt, wie eine Reise bei Tour Exquisit eigentlich entsteht. Meistens jedenfalls nicht am Schreibtisch. Oft beginnt sie mit einem Gespräch - mit jemandem, der vor Ort lebt und Dinge erzählt, die in keinem Reiseführer stehen. Manchmal ist es auch ein Buch oder ein Zeitungsartikel. Und irgendwann denke ich: Da muss ich hin. Antje: Genau das hat Karin damals ausgelöst. Sie hat mir von der Vorgeschichte erzählt, von der Stille, von den Märkten und von der Gastfreundschaft. Und von einem französischen Wort, das sich nicht ganz leicht übersetzen lässt: Convivialité - dieses selbstverständliche, gesellige Zusammensein, oft rund um einen Tisch. Antje: Ich war zwar schon einmal kurz im Périgord, aber das war eher am Rand. Das reicht mir nicht. Bevor ich eine Region empfehle, möchte ich selbst dort gewesen sein und mir ein eigenes Urteil bilden. Ein langjähriger Kunde ist eine erste Fassung der Route bereits gereist und hat mir danach sehr differenziert berichtet. Dieses Feedback ist für mich ausgesprochen wertvoll. Es ersetzt aber nicht meinen eigenen Eindruck. Jetzt möchte ich die ganze Sache selbst erleben und prüfen.
00:02:28: Antje: Meine Reise besteht aus drei recht unterschiedlichen Etappen. Und weil bei dieser Reise mehrere Partner etwas ermöglichen, möchte ich das auch transparent machen. Antje: Ich beginne mit einer Nacht in Bordeaux und besuche langjährige Partner, fahre dann weiter ans Bassin d'Arcachon. Bei diesen beiden Etappen unterstützen mich das Office de Tourisme in Bordeaux mit einem City Pass und das Office de Tourisme d'Arcachon. Für den anschließenden Teil im Périgord bin ich von Atout France und dem Département de la Dordogne eingeladen. Mein herzlicher Dank gilt damit Atout France, dem Département de la Dordogne sowie den beiden Offices de Tourisme in Bordeaux und Arcachon. Sie ermöglichen mir Begegnungen und Einblicke, die sich allein manchmal nur schwer organisieren ließen. Antje: Meine Bewertung bleibt davon unabhängig. Was mich überzeugt, werde ich Ihnen erzählen - und genauso offen werde ich sagen, was aus meiner Sicht nicht zu einer Reise von Tour Exquisit passt oder noch einmal geändert werden muss. Gerade weil ich später vielleicht eine Reise in diese Region anbieten möchte, gehört diese Offenheit für mich unbedingt dazu.
00:03:38: Antje: Bevor es ins Périgord geht, verbringe ich Zeit am Bassin d'Arcachon. Und über die schweren Brände dieses Sommers muss ich natürlich sprechen. Sie haben Gebiete rund um das Bassin und Cap Ferret stark getroffen. Welche Straßen, Wege oder Bereiche zugänglich sind, kann sich kurzfristig ändern. Deshalb werde ich mich an die aktuellen Hinweise vor Ort halten. Antje: Vor allem aber möchte ich mit den Menschen sprechen, die dort leben und arbeiten. Ich möchte die Situation weder dramatisieren noch beschönigen. Bevor ich die Region wieder uneingeschränkt empfehle, möchte ich selbst sehen, wie es dort aussieht und was die Menschen vor Ort dazu sagen. Erst danach werde ich meinen Eindruck mit Ihnen teilen.
00:04:22: Antje: Bevor ich in eine Region fahre, beginne ich meist schon zu Hause, mich einzustimmen. Natürlich lese ich Reiseführer, aber ich lese auch gern Geschichten, die dort spielen. Im Fall des Périgord sind das die Romane von Martin Walker - Krimis aus kleinen Dörfern an der Dordogne. Darin geht es um Märkte, Dorffeste, Essen, Wein und um dieses etwas langsamere Tempo. Antje: Natürlich ist das Fiktion, aber man bekommt ein Gefühl dafür, welche Bilder Menschen mit einer Region verbinden. Vor Ort möchte ich dann herausfinden, was davon tatsächlich stimmt und was vielleicht nur eine schöne Vorstellung aus der Ferne ist.
00:05:03: Antje: Auf engem Raum treffen im Périgord Höhlen, Burgen, Flüsse, Märkte und eine sehr eigenständige Küche zusammen. Ich werde fünf Tage dort sein und habe vier Themen, auf die ich besonders achten möchte. Fünf Tage reichen natürlich nicht, um das ganze Périgord kennenzulernen, aber sie reichen für eine fundierte erste Einschätzung. Welche Orte und Themen möchte ich weiterverfolgen? Wo brauche ich vielleicht eine zweite Reise? Und was passt wirklich gar nicht zu Tour Exquisit?
00:05:34: Antje: Unterkünfte und Gastgeber. Bei Unterkünften interessieren mich nicht zuerst die Sterne. Ein Hotel kann fünf Sterne haben und trotzdem kühl und unpersönlich wirken. Deswegen arbeite ich ohnehin am liebsten mit kleinen Privatunterkünften.
00:05:49: Antje: Für mich sind andere Fragen entscheidend: Bleibt man gern noch eine Stunde auf der Terrasse sitzen? Gibt es jemanden, der das Haus wirklich prägt? Und fühlt man sich dort auch noch nach mehreren Nächten gut aufgehoben? Es gibt einzelne Häuser, in denen bereits Gäste von Tour Exquisit übernachtet haben, obwohl ich selbst noch nicht dort war. Das ist die Ausnahme. Mein Anspruch ist, jede Empfehlung mindestens einmal mit eigenen Augen gesehen zu haben. Deshalb schaue ich mir auf dieser Reise einige dieser Unterkünfte ganz gezielt an.
00:06:20: Antje: Produzenten und Genuss. Das Périgord steht unter anderem für Kaviar, Trüffel, Walnüsse und Wein. Und ich gebe gern zu: Ich bin kein großer Kaviar-Fan. Vielleicht ist das eine gute Voraussetzung für den Besuch einer Störzucht. Dort wurde nach Angaben des Betriebs der erste französische Bio-Kaviar zertifiziert. Ich möchte mir ansehen, was nachhaltigere Erzeugung bei einem solchen Luxusprodukt konkret bedeutet - und lasse mich geschmacklich gern überraschen. Vielleicht verstehe ich danach besser, warum Menschen für guten Kaviar schwärmen. Entscheidend ist für mich aber nicht ein Siegel allein, sondern ob Haltung, Herstellung und Besuchserlebnis tatsächlich zusammenpassen. Und wenn ich dabei noch eine besonders gute Trüffelbutter entdecke, werde ich mich vermutlich auch nicht wehren. Antje: Mich interessiert bei solchen Besuchen vor allem, wie viel Arbeit tatsächlich in einem Produkt steckt. Dasselbe gilt für die Weingüter. Wie sprechen Winzer über ihre Arbeit? Wofür stehen sie? Und wie empfangen sie ihre Gäste? Nicht jede gute Verkostung ist automatisch ein gutes Reiseerlebnis. Entscheidend ist, ob die Begegnung auch für meine Gäste verständlich, persönlich und angenehm ist.
00:07:33: Antje: Handwerk und Savoir-Faire. Ein Termin, auf den ich mich besonders freue, ist der Besuch der Messerschmiede in Nontron. Das Nontron-Messer gilt als das älteste Messer Frankreichs, seine Tradition reicht mindestens bis ins 15. Jahrhundert zurück. Ich habe selbst eine handwerkliche Ausbildung gemacht - vielleicht schaue ich deshalb besonders gern dabei zu, wie aus vielen einzelnen Arbeitsschritten etwas entsteht, das am Ende ganz selbstverständlich wirkt. Antje: Für ein traditionelles Nontron-Messer sind rund 40 Arbeitsschritte nötig. Ich möchte sehen, wie viel davon Handarbeit ist, wer dieses Wissen weitergibt und was die Qualität des fertigen Messers tatsächlich ausmacht. Die Werkstatt trägt das staatliche Label Entreprise du Patrimoine Vivant, also Unternehmen des lebendigen Kulturerbes. Auch das möchte ich vor Ort genauer verstehen - nicht nur als schönes Siegel, sondern in der täglichen Arbeit.
00:08:27: Antje: Kultur, Wege und Reiserhythmus. Natürlich stehen auch prähistorische Höhlen, Museen, Burgen und Dörfer auf dem Programm. Dazu gehört Lascaux IV. Die Originalhöhle ist seit 1963 zum Schutz der Malereien geschlossen, zu sehen ist eine vollständige, maßstabgetreue Nachbildung. Gerade deshalb interessiert mich der Besuch: Kann eine Rekonstruktion die Wirkung des Originals vermitteln? Und wie gut gelingt es, die Vorgeschichte verständlich zu machen, ohne dass man sich in zu vielen Informationen verliert? Antje: Mich interessiert also nicht nur, ob ein berühmter Ort sehenswert ist, sondern wie er sich in eine Reise einfügt. Wie viel Geschichte passt in einen Tag, ohne dass man am Abend völlig erschlagen ist? Wo lohnt es sich, länger zu bleiben? Wie lang sind die Wege wirklich? Und an welcher Stelle braucht eine Route ganz bewusst eine Pause? Antje: Ich erinnere mich noch an meinen kurzen Besuch bei Castelnaud [unklar: im Rohtranskript steht Castelnau] und an den Blick hinunter auf die Dordogne, beim letzten Mal, als ich im Périgord war. Damals dachte ich: Eines Tages möchte ich dort unten im Kanu sitzen und den Fluss aus einer anderen Perspektive erleben. Im Gespräch mit Karin ist dieser Wunsch wieder aufgetaucht. Ob das mit meinem Fuß diesmal möglich sein wird, ist allerdings eine andere Frage.
00:09:49: Antje: Mit der gemeinsamen Wanderung, über die Karin und ich damals gesprochen haben, wird es diesmal leider nichts - ich habe mir kurz vor der Reise den Fuß gebrochen. Treffen werden wir uns trotzdem. Und ehrlich gesagt: Ein langes Gespräch auf einem Markt oder in einem Café kann mindestens genauso aufschlussreich sein. Antje: Ich bin gespannt, welche meiner Eindrücke Karin bestätigt und wo sie mir widerspricht. Gerade ein Widerspruch wäre wertvoll. Karin erlebt den Jahreslauf dort aus erster Hand. Ich komme dagegen mit dem Blick einer Reiseveranstalterin, die innerhalb weniger Tage sehr gezielt hinschaut. Antje: Mit ihr möchte ich auch über den Winter sprechen. Ende August, bei 34 Grad, kann ich natürlich nicht beurteilen, wie sich die Region im Januar anfühlt. Aber ich kann fragen: Was ist dann geöffnet? Welche Orte funktionieren außerhalb der Saison?
00:10:41: Antje: Und was müsste ich auf einer späteren Winterreise selbst noch einmal ansehen? So treffen wir uns nun tatsächlich im Périgord - nachdem mit unserem ersten Gespräch am Mikrofon alles begann. Antje: Nach meiner Rückkehr Anfang September werde ich hier im Podcast Bilanz ziehen. Ich werde Ihnen erzählen, was mich überzeugt hat, was ich noch einmal anschauen wollte und was ich nicht in eine Reise von Tour Exquisit aufnehmen würde - auch wenn es auf dem Papier zunächst großartig klang. Und natürlich erzähle ich Ihnen auch von den kleinen Entdeckungen, die in keinem Programm besonders auffallen und manchmal gerade deshalb so schön sind.
00:11:18: Antje: Wenn Sie diese Auswertung nicht verpassen möchten, abonnieren Sie den Podcast oder meinen Newsletter. Den Link finden Sie in den Shownotes. Dort verlinke ich auch noch einmal mein Gespräch mit Karin Denzler - wenn Sie hören möchten, wie dieses Versprechen damals entstanden ist, können Sie direkt noch einmal hineinhören. Antje: Bis bald und à bientôt. Bon voyage.
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